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Yulong U200 Review 🇩🇪




Prolog:

Vor Beginn meines Reviews möchte ich mich bei Yulong Audio für das Bereitstellen eines Exemplares des U200 im Austausch für meine ehrliche Meinung bedanken.

Mit dem U200 hat Yulong Audio den Nachfolger des guten U100, den ich vor ein paar Jahren besaß und der mich mit allen Kopfhörern überzeugen konnte, herausgebracht. In vielen, wenn nicht sogar allen Belangen stellt der U200 gegenüber seinem Vorgänger eine Verbesserung dar; auf die genauen Unterschiede werde ich im Folgenden genauer eingehen.


Technische Daten:

Der USB-Eingang unterstützt PCM 16-32 Bit, 44.1KHz, 48KHz, 88.2KHz, 96KHz, 176.4KHz, 192KHz, 352.8KHz, 384KHz, sowie DSD64 und DSD128.

Der USB-Eingang unterstützt Mac OSX, Linux und Windows XP bis Windows 8, 32 Bit oder 64 Bit (Treiber benötigt).

Signal-Rauschabstand: 120dB
Dynamikumfang: >115dB
Verzerrungen: 0.0016%
Frequenzgang: -0.2dB @ 20Hz and 20KHz
Kanalübersprechen: -110dB
Maximale Ausgangsleistung: 2V RMS
Ausgangsleistung Kopfhörer: 60mW @ 600
Ω, 150mW @ 300Ω,280mW @ 250Ω, 500mW @ 32Ω
Leistungsaufnahme: <15W

DAC: AKM4495
Verstärker: Class A
USB-Controller: Saviaudio SA9227


Lieferumfang:

Im Vergleich zum Vorgänger fällt der Lieferumfang des U200 teils ein wenig geringer aus, so wird etwa auf einen Transportbeutel, 6,35 auf 3,5 mm Adapter und 3,5 mm auf Cinch Adapter verzichtet, wobei letzterer aufgrund der Cinch-Eingänge auch nicht notwendig ist.

Der Karton der Verpackung ist stabil, gut ausgepolstert und zeigt außen in blauer Farbe ein Messdiagramm.
Neben dem Verstärker selbst befinden sich im linken Verpackungs-Abteil das WiFi-Modul, die dazu passende aufschraubbare Antenne, ein USB-Kabel (mit dem man sowohl das WiFi-Modul als auch einen Computer anschließen kann), ein Stromversorgungs-Kabel zum Verbinden des U200 mit dem WiFi-Modul, wahlweise selbstklebende Füße oder doppelseitiges Klebeband für das WiFi-Modul und schließlich ein geerdetes Kaltgeräte-Kabel mit chinesischem Pin-Layout.
Da sich das Netzteil beim U200, der auch etwas länger als sein Vorgänger ist, nun im Inneren des Gehäuses befindet, muss man für den europäischen Markt kein separates Netzteil erwerben, sondern kann jedes beliebige geerdete Kaltgerätekabel verwenden.












Optik, Haptik, Verarbeitung:

Das schwarze gebürstete Gehäuse sieht zeitlos schön aus, fühlt sich gut an, ist verhältnismäßig schwer und gut verarbeitet; die Innensechskantschrauben sind bündig eingefasst, wie auch das vorderseitig angebrachte Yulong Audio Emblem.
Ganz links befindet sich auf der Vorderseite der analoge Ein- und Ausschalter (der wie beim Vorgänger leider auch keine Ein- und Ausschaltverzögerung besitzt), daneben drei orangefarbene LEDs, die den Betriebszustand, die Wiedergabe bei der Wandlung über WiFi oder USB signalisieren und anzeigen, wenn DSD-Dateien digital abgespielt werden. Mittig liegt die etwas nach innen
versetzte 6,35 mm Kopfhörerbuche, daneben befindet sich der Lautstärkeregler, dessen Potentiometer im Gegensatz zum Vorgänger nicht gerastert, sondern freilaufend ist, jedoch trotzdem einen nicht zu geringen Drehwiderstand aufweist.
Auf der Rückseite fällt direkt eine Vielzahl an Änderungen auf, so befindet sich neben dem Cinch-Paar für den Betrieb als reinen DAC ein zweites vollwertiges Paar an Cinch-Steckern für den Line-In Anschluss eines analogen Quellgerätes. Des Weiteren gibt es in der Mitte der Rückseite noch einen USB-Eingang, an den entweder das WiFi-Modul oder ein Computer digital angeschlossen werden können, sowie rechts davon einen Gleichstrom-Ausgang für die Versorgung des WiFi-Modules. Zwischen den analogen und digitalen Eingängen liegt ein Quellenwahlschalter, den ich lieber auf der Vorderseite gesehen hätte, es sei denn, auf dieser befänden sich weitere LEDs, welche den ausgewählten Eingang anzeigten.
Eine sinnvolle Neuerung ist die Verlagerung des Netzteils in das Gehäuse des U200, wodurch man nur noch ein geerdetes Kaltgerätekabel mit dem länderspezifischen Pin-Layout zum Betreiben des Verstärkers benötigt. Unterhalb der weiblichen Kaltgerätebuchse befindet sich in einem einfach zugänglichen Fach eine Sicherung inklusive einer weiteren als Ersatz.


Am kleinen WiFi-Modul gibt es neben dem Anschluss für die Antenne, dem Eingang für die Stromversorgung und den USB-Ausgang, für den praktischerweise dasselbe Kabel wie für den Betrieb als USB-DAC verwendet werden kann, noch drei LEDs, welche die Stromversorgung, den Betriebszustand und mögliche Fehlfunktionen signalisieren. Ein Reset-Knopf ist ebenfalls vorhanden.




Funktionen:

Allgemein:

Allgemein besitzt der U200 im Vergleich zu seinem Vorgänger eine ganze Reihe an zusätzlichen Funktionen und Verbesserungen.
Neben den verbesserten Innereien (das Netzteil wurde nach innen verlagert, als USB-Interface kommt der SA9227 Chip von Savioaudio zum Einsatz, es wird eine neue ultra-niedrig-phasige Clock zur Jitter- und Rauschreduktion verbaut, dazu wird der AKM4495 DAC-Chip verwendet) gibt es
neben den neuen LEDs auf der Vorderseite einen dedizierten analogen Cinch-Eingang inklusive Quellenwahlschalter und digitalem USB-Eingang als auch ein separates, inkludiertes WLAN-Modul mit Antenne, Stromversorgung und LEDs, welches die Wiedergabe von Dateien auf Android- und iOS Geräten ermöglicht und auch im Netzwerk auf Mediaserver zugreifen kann. Eine zugehörige Yulong-App für Android und iOS ist ebenfalls erhältlich.
Als USB- und WiFi-DAC wandelt der U200 PCM-Dateien mit einer Bitrate von bis zu 32 Bit und einer Auflösung von bis zu 384 kHz sowie DSD-Material.

Kopfhörerverstärker:

Als reiner Kopfhörerverstärker kann der U200 auch verwendet werden, wozu er auf der Rückseite ein Paar vollwertiger Cinch-Eingänge und einen Quellwahlschalter besitzt, was ihn von seinem Vorgänger abgrenzt.

USB-DAC:

Um den U200 als USB-DAC an einem Windows-Rechner verwenden zu können, müssen von der Yulong-Website zuerst die notwendigen Treiber heruntergeladen und installiert werden. Plug and Play ist dies zwar nicht, jedoch gelingt die Installation mehr als einfach und erfolgt schnell. Nach einem System-Neustart lässt sich der U200 dann als primäres Audiogerät in der Systemsteuerung auswählen.

WiFi-DAC:

Bereits nach nur wenigen Sekunden nach dem Einschalten ist der WiFi-DAC betriebsbereit, was sich dadurch bemerkbar macht, dass die „Fail“ LED zu leuchten aufhört.
Bei iOS-Geräten wählt man in den WiFi-Einstellungen das „Netzwerk“ „YOULONG Audio“ aus, wodurch sich das Gerät nun mit dem WiFi-Modul des U200 verbindet. Über die

Schnelleinstellungen, die man mit einem Wisch vom unteren Bildschirm zur Bildschirmmitte öffnet, kann man anschließend den U200 als Airplay-Gerät auswählen, woraufhin die Musik in der iOS-internen Musik-App und systemweit über den Yulong erfolgt, bei welchem dann auch die „Play“ LED aufleuchtet. Praktisch hierbei ist auch, dass die Lautstärkere beim iOS-Gerät begrenzt werden kann, was bei empfindlichen In-Ears von Vorteil sein kann.

Mit der iOS App (für Android ist ebenfalls eine erhältlich) lässt sich unter anderem der WLAN-Name des U200 ändern, jedoch kann man mit ihr auch auf einen NAS-Server zugreifen, wie es scheint.

Auf einen ausführlichen Test von Android-Geräten, eingebundenen Netzwerken und NAS-Steuerung habe ich mangels Erfahrung und aufgrund von fehlgeschlagenen Verbindungsversuchen verzichtet, jedoch ist auch hier die Wiedergabe von DSD- und 32 Bit-Dateien möglich.
Das Einrichten von Airplay mit iOS Geräten hingegen erfolgte sehr einfach.


Klang:

Getestet habe ich den Klang des U200, für dessen Class A-Verstärker Yulong eine Vorlaufzeit von 15 Minuten empfiehlt, mit Bügelkopfhörern (Superlux HD681, Beyerdynamic DT880 600 Ohm, Sennheiser HD 800, Audeze LCD-X) und In-Ears (Etymotic ER-4S, Ultimate Ears Triple.Fi 10, Shure SE846, UERM).
Als Quellgeräte dienten analog (a) und digital (d) mein iPhone 4 (d), Laptop mit Windows 7 (d), iBasso DX90 (a) und Pioneer PD-S 701 (a); als Material kamen MP3s (320 kBps cbr), AACs, CDs, FLACs, Hi-Res und DSD Material zum Einsatz.

Ausgangsimpedanz, Frequenzgang:
Der Frequenzgang is vorbildlich linear, wie er auch sein soll, was auch meine Messungen bestätigen:

Analoger Eingang:




USB-DAC:




WiFi-DAC:





Vorbildlich linear bleibt der Frequenzgang auch bei einer kritischen Last mit variierendem Impedanzgang wie dem Ultimate Ears Triple.Fi 10, dessen Frequenzgang an hochohmigen Quellen ansonsten stark verbogen wird:



Die Abweichung von gerade einmal weniger als 1,5 dB weist darauf hin, dass der Ausgangswiderstand des U200 bei unter 2 Ohm liegt, was den Verstärker auch für kritische Mehrtreiber In-Ears geeignet macht, obgleich er durch einen fehlenden Gain-Schalter und die hohe Leistung besser für Bügelkopfhörer geeignet ist, mit denen der Frequenzgang auch so perfekt linear wie ohne Last ist.

Wie auch bei seinem Vorgänger ist der Ausgangswiderstand an der Kopfhörerbuchse des U200 mit weniger als zwei Ohm sehr gering.

Rauschen:

An allen getesteten Bügelkopfhörern und dem ER-4S war das Grundrauschen wie erwartet unhörbar und selbst mit dem UERM und Triple.Fi 10 extrem gering und an der Schwelle der Wahrnehmbarkeit. Mit einem meiner am extremsten auf Rauschen reagierenden In-Ears, dem Shure SE846, konnte ich zwar etwas Rauschen wahrnehmen, jedoch wurde dieses bei gestarteter Wiedergabe auch in leiseren Passagen von der Musik überlagert.
Dass der U200 selbst an empfindlichen In-Ears kaum rauscht, zeigt, dass bei der Konstruktion eine gute und saubere Implementierung als Priorität gewählt wurde – top!

Auflösung, Präzision, Bühne:

Wenn ich subjektiv den Klang des Yulong U200 beschreiben müsste, würde ich dessen allgemeine Signatur als sehr sauber, smooth-analog statt analytisch, jedoch mit detailliertem Hochton bezeichnen.
Der Tiefton ist präzise, jedoch eher auf der analogen Seite, aber ohne schwammig oder langsam zu spielen und besitzt einen guten Detailreichtum und Impact.
Die Mitten sind detailliert und  greifbar; Stimmen kommen gut und plastisch rüber.
Der Hochton ist auch eher auf der analogen Seite, lässt Details jedoch nicht vermissen und besitzt einen eher gutmütigen Charakter.

Der Detailreichtum der Verstärker- und DAC-Sektion befindet sich auf einem sehr guten Niveau und der Yulong offenbart auch mit schwierig anzutreibenden Bügelkopfhörern und kritischen In-Ears keine Schwächen.
Die Bühnendarstellung empfinde ich als normal ausgeprägt und in Sachen Tiefe und Breite als ausgeglichen, mit einer guten dreidimensionalen Darstellung.

Unterschiede zwischen den Eingängen:

Analoger Eingang:

Ist das WiFi-Modul eingesteckt, treten beim analogen Anschluss mit In-Ears nur sehr geringe Störgeräusche auf, die bei ausgestecktem Modul verschwinden – ob diese von EMP-Störeinflüssen meines eigenen W-LANs und anderen Strahlungen entstehen oder vom Modul selbst kommen, kann ich zwar nicht genau sagen, jedoch sind sie so gering, dass ich sie nur mit dem SE846 hören konnte – mit dem ER-4S und meinen Bügelkopfhörern herrschte Stille, und für diese wurde der U200 schließlich auch hauptsächlich entwickelt, obwohl er sich auch richtig gut für In-Ears eignet.

USB-DAC:

Mit dem USB-DAC klingt der U200 sehr transparent und detailliert; es treten keinerlei Störungen oder sonstige negative Dinge auf.

WiFi-DAC:


Zu meiner Überraschung ist der Klang über den WiFi-DAC transparent und hängt in Sachen Auflösung und Präzision nicht der kabelgebundenen Wiedergabe hinterher, sondern spielt genau so detailliert und transparent, weist jedoch im Betrieb bei leiseren Passagen ein paar Störgeräusche auf – ob deren Ursprung EMP-Einflüsse meines W-LANs und anderer Strahlen sind oder anderweitig im U200 entstehen, kann ich nicht genau sagen.


Fazit:

Der Nachfolger des bereits schon sehr guten U100 bietet eine grundlegende Überarbeitung mit an den heutigen Stand der Technik angepasster Hardware und einem subjektiv und messtechnisch exzellenten Klang und einer sehr guten und soliden Verarbeitung. Das Grundrauschen ist extrem
niedrig, mit Bügelkopfhörern weit von der Wahrnehmbarkeitsschwelle entfernt und selbst mit sehr empfindlichen In-Ears auch nur gering ausgeprägt.
Der Klang ist transparent, geschmeidig und sehr detailliert; der Verstärker hat auch mit wirkungsgradschwachen Kopfhörern keine Probleme und kann diese mit einer maximalen Ausgangsleistung von 2 V mit seiner Class A-Sektion zu hohen Lautstärken treiben. Auch mit dem WiFi-Modul bleibt der Klang transparent und steht bis auf ein paar minimale Stör-Einstreuungen dem USB-DAC klanglich in nichts nach.
Auf meiner Kritik-Liste steht lediglich der sich auf der Rückseite befindende Eingangswahlschalter, für den eine Anzeige des ausgewählten Ausganges auf der Vorderseite praktisch gewesen wäre, und das Fehlen einer Ein- und Ausschaltverzögerung, was meiner Meinung nach jedoch nur eine Kleinigkeit ist.

Insgesamt kann ich für den optisch, haptisch und klanglich sehr gut gelungenen Yulong U200 definitiv eine Empfehlung aussprechen.