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Ostry KC06A - Review 🇩🇪


Prolog:

Bevor ich mit meinem eigentlichen Review beginne, möchte ich mich bei Vicky von Ostry für das Arrangieren eines KC06A für meine ehrliche Einschätzung bedanken.

Der Vorgänger des KC06A, der KC06, hat bei Head-Fi einen mittelgroßen Hype ausgelöst, von dem dessen Nachfolger auch nicht wirklich verschont blieb. Neben einer etwas anderen Farbgestaltung soll sich der neue Ostry nur durch einen etwas bassigeren und wärmeren Klang von seinem Vorgänger unterscheiden, die klanglichen Werte jedoch beibehalten.
In mein Review werde ich, wenn ich den Klang beschreibe, den KC06A auch mit dem Brainwavz M3 und Havi B3 Pro I vergleichen, beides In-Ears, die ebenfalls einen hohen Gegenwert für ihr Geld bieten.

Erhältlich ist der KC06A übrigens auch bei Amazonhttp://amzn.to/2eyTgZL


Technische Daten:

Schallwandler: 10 mm CCAE
Empfindlichkeit: ≥ 102 dB @ 1 kHz
Impedanz: 16 Ohm (+/- 15%)
Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz
Verzerrungen: < 1% @ 102 dB
Kanalungleichheit: < 1,5 dB @ 1 kHz
Nennbelastbarkeit: 10 mW
Kabel: 1,35 m


Lieferumfang:

In die Vorderseite der Verpackung eingelassen, auf der in rot glänzender Schrift oben links „Ostry“ und unten rechts „KC06A“ steht, befindet sich mittig ein schräg angebrachtes Sichtfenster, welches den Blick auf die In-Ears und den geraden 3,5 mm-Stecker freigibt. Auf den Seiten befinden sich die Modellbezeichnung und Ostrys Slogan „O’s life always try“.

Der eigentliche Lieferumfang besteht aus den In-Ears, einem Aufbewahrungsbeutel, der Garantiekarte, Silikon-Ohrbügeln, einem Kleidungs-Clip, dunklen Silikonaufsätzen („Bass“; S/M/L), helleren Silikonaufsätzen („Hochton“; S/M/L) und Silikonaufsätzen mit hartem, rotem Schallkanal und Klangfilter aus Metall (eine Größe; M).

Die Auswahl an Aufsätzen, die Einfluss auf den Klang haben, ist gut, dennoch hätte ich mir in dieser Preisklasse bereits ein protektives Reißverschluss-Etui statt des Beutels gewünscht.






Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die In-Ears bestehen aus glänzendem, dunklem Metall, sind jedoch nicht schwer und haben den Ostry-Schriftzug in dunkelgrauer Farbe aufgetragen.
Die „Faceplate“ besitzt ein weiß-rotes Tribal-Design, welches an ein „O“ erinnert und sich auch auf den Seiten des Gehäuses fortsetzt.
An der Verarbeitung der In-Ears kann ich hier rein gar nichts bemängeln.

Das Kabel besitzt eine dunkelgraue, semi-transparente Ummantelung, welche den Blick auf die silbernen und roten Litzen freigibt. Erfreulicherweise ist das Kabel sehr flexibel und biegsam.
Weniger gut gefällt mir hingegen, dass Knickschutz nicht wirklich vorhanden ist, durch das flexible Kabel hier jedoch nicht ganz so stark ins Gewischt fällt.
Das Design des Y-Splitters hat man bei der Entwicklung des KC06A ernst genommen, so ist dieser nämlich tatsächlich in Form eines metallenen Ypsilons hergestellt und wird vom Modellnamen geziert, besitzt jedoch leider keinen Kinnschieber.
Der gerade 3,5 mm Stecker ist vergoldet, hat das Ostry-Logo aufgebracht und ist sehr griffig.


Tragekomfort, Isolation:

Beim KC06A ist sowohl eine Trageweise mit den Kabeln nach unten als auch die professionellere mit der Kabelführung über den Ohren möglich – wie bei all meinen anderen In-Ears auch bevorzuge ich hier letztere, in diesem Fall jedoch ohne die Silikon-Bügel, die den Halt des Ostry in meinen Ohren diesmal nämlich nicht verbessern.
Sitz, Sicherheit und Tragekomfort sind beim KC06A einwandfrei und zu meiner Überraschung vermisse ich den Kinnschieber nicht zu sehr, was wohl am sehr weichen und flexiblen Kabel liegt.

Kabelgeräusche, auch Mikrofonie genannt, sind bei der Trageweise mit der Kabelführung über den Ohren kaum bis gar nicht vorhanden.

Die In-Ears besitzen in jeder der beiden Gehäuse zwei kleine Löcher, isolieren für belüftete In-Ears jedoch nicht zu schlecht, sondern mittelmäßig, und somit beispielsweise stärker als der SoundMagic E10 und Brainwavz M3, jedoch etwas schlechter als der Havi B3 Pro I.


Klang:

Getestet habe ich den Klang des Ostry hauptsächlich mit meinem iBasso DX90, welcher WAV, FLAC und MP3-Dateien abspielte.

Tonalität:

Ostry legt dem KC06 drei verschiedene Aufsatz-Typen bei, welche Einfluss auf die Tonalität haben.
Bei den dunkelgrauen Bass- und hellgrauen Hochton-Aufsätzen habe ich die größten genommen; beim Aufsatz mit dem Metall-Filter jedoch lag nur eine Größe bei, welche bei mir gerade noch so passte, jedoch nur sehr tief im Gehörgang, weswegen meine dritte Beschreibung mit den Filter-Aufsätzen nicht ganz repräsentativ ist.
Die Aufsätze haben übrigens beinahe nur Einfluss auf den Hochton (was ich auch durch eigene Messungen mit dem Vibro Labs Veritas Mikrofon bestätigen konnte, das jedoch noch nicht ganz fertig kalibriert ist, weswegen ich dem Review noch keine Messungen beilege).

Bass-Aufsätze:

Die Signatur des KC06A ist hier warm und bassbetont, wobei die Betonung der tiefen Töne hier recht breitbandig ausfällt und etwa 6 dB umfasst. Im Tiefbass bleibt der Pegel konstant ohne wirklichen Pegelabfall und im Grundton reicht die Betonung auch recht weit bis nach oben und hört erst im mittleren oberen Grundton wieder auf, zieht sich jedoch auch minimal in die unteren Mitten hinein, weshalb sehr tiefe Stimmen etwas voluminöser klingen.
Die Mitten sind präsent und tonal ein wenig auf der dunkleren Seite, jedoch nicht zu übermäßig.
Die Höhen befinden sich etwas im Hintergrund, sind jedoch größtenteils gleichmäßig und die beiden Peaks bei 6 und 8 kHz erreichen die Null-Linie nicht. Im mittleren Hochton gibt es eine Senke; der Superhochton befindet sich im Hintergrund, reicht jedoch noch gut bis über 14 kHz ohne einen zu starken Abfall. Insgesamt ist der Klang homogen, jedoch haben hellere Instrumente wie Hi-Hats einen etwas zu dunklen Anschlag.

Hochton-Aufsätze:

Die Hochton-Aufsätze verändern die oberen mittleren und oberen Höhen, welche ein wenig betont werden, jedoch nicht arg und nur eine milde Badewannenabstimmung in den Höhen darstellen, die mit der des Fidue A73 vergleichbar ist.
Beim Sweepen höre ich bei 6,2 kHz eine Resonanz und bei 8 sowie 12 kHz einen Peak, ansonsten ist der Superhochton oberhalb von 10 kHz identisch mit dem der Bass-Aufsätze.
Den Klang mit den Hochton-Aufsätzen empfinde ich übrigens am natürlichsten, da etwa Becken einen natürlicheren Charakter erhalten und der mild hellere Hochton den Bass besser ausgleicht.

Metallfilter-Aufsätze:


Da nur eine Größe beilag, die mir nicht zu 100%, jedoch auch nicht ganz schlecht passte, halte ich mich hier kurz: gehörmäßig ist der Klang dunkel, mittenorientiert und hochtonarm, mit vermindertem Bass. Messtechnisch konnte ich den prominenteren Mittelton und die klar im Hintergrund stehenden Höhen dann auch bestätigen.

Auflösung:

Die Auflösung des Ostry befindet sich auf einem für den Preis guten Niveau und übertrifft etwa die
des Brainwavz M3 im Bass und Hochton, wobei der Brainwavz im Mittelton minimal besser auflöst.
Auch den Havi schlägt der Ostry in Sachen Mittel- und Hochtonauflösung etwas, dafür gewinnt der Havi jedoch in Sachen Bass- und Grundton-Details.
Der Hochton wirkt beim Ostry am natürlichsten von den drei getesteten In-Ears.

Der Bassbereich des Ostry ist etwas weich und ein wenig stört hierbei auch, dass sein Tiefton keine konstante Festigkeit besitzt, sondern im Mid- und Tiefbass etwas stärker aufweicht. Zwar ist er nicht wirklich langsam, jedoch definitiv dem weicheren und voluminöseren Lager zuzuordnen.
Der Havi besitzt den schnelleren Bass und auch der des Brainwavz wirkt kontrollierter.

Bei schneller Musik knickt der Ostry ein wenig ein und wirkt minimal angestrengt, was am etwas langsam ausschwingenden Midbass liegt – diesbezüglich knicken der M3 und Havi bei schneller Musik weniger stark ein.

Noch am Rande erwähnt: von den drei inkludierten Ohrpassstücken liefern die Bass-Aufsätze den schnellsten Tiefton, gleichzeitig jedoch schleicht sich eine gewisse Stumpfheit in den Tiefen mit ein.

Räumliche Darstellung:

Die räumliche Darstellung empfinde ich als gelungen, mit einer Bühne, deren Breite in meinen Ohren klar breiter als guter Dynamiker-Durchschnitt ist und gleichzeitig eine ordentliche Tiefe besitzt.
Die Instrumentenseparation kann sich sehen lassen und bietet eine seitlich schärfere Abgrenzung als der M3 oder B3 Pro I, dennoch spannt der Havi die weitläufigere Bühne auf und platziert Instrumente besser, trennt sie jedoch weniger scharf voneinander.
Der M3 bietet die stärker ausgeprägte räumliche Tiefe und kann dadurch einzelne Ebenen feiner skalieren, der Ostry kommt jedoch sehr nah.


Fazit:

Der Ostry KC06 ist ein technisch toller In-Ear, dessen etwas spaßiger Klang sich auf einem guten klanglichen Niveau befindet.
Wie auch beim Brainwavz M3 und Havi B3 gibt es jedoch neben den Stärken auch Schwächen beim
Ostry, welche sich im bei schneller Musik etwas angestrengter wirkenden Klang und dem im Vergleich zu den Kontrahenten etwas langsamer ausschwingenden, weicheren Bassbereich äußern. In anderen Bereichen hingegen wie der reinen Auflösung im Bass- und Hochton sowie der Instrumentenseparation geht der Ostry als Sieger hervor.
Am Ende liegt es natürlich an den eigenen Präferenzen (die Tonalität jetzt mal ausgenommen), welcher der In-Ears besser zu einem passt – so punktet der Brainwavz bei der Sprachverständlichkeit und räumlichen Tiefe, der Havi kann mit seinem schnellen Bass und der weitläufigen Räumlichkeit überzeugen und der Ostry bietet eine hohe Auflösung mit dem (in meinen Ohren) gleichmäßigsten und natürlichsten Hochton und der schärfsten Instrumentenseparation.