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Chord & Major 9'13 (Classical) und 5'14 (World Music): schön, aber ganz klar überteuert - Reviews 🇩🇪

Prolog:

Vor Beginn meines eigentlichen Reviews möchte ich mich bei Chord & Major (http://en.chord-m.com/) für den freundlichen Kontakt und das Bereitstellen je eines Exemplares des Major 9’13 (für Klassik, 219$) und Major 5’14 (für Weltmusik, 239$) für meine ehrliche Einschätzung bedanken.

Der taiwanesische Hersteller von In-Ears, Chord & Major, ist kein typischer Produzent von
Kopfhörern – denn statt auf technisch verschiedene Modelle zu setzen, konzentriert sich die Firma auf In-Ears, welche sich technisch auf etwa dem gleichen Niveau befinden, jedoch, je nach Musik-Genre, anders abgestimmt sind. Man könnte also sagen, Chord & Major, deren Firmenmotto „exist only for music“ lautet, bauen In-Ears, die für spezifische Genres konstruiert und dementsprechend abgestimmt sind. Momentan befinden sich fünf Modelle im Produkt-Portfolio (Jazz, Rock, Klassik, Balladen, Weltmusik).
Neben diesem eher selten anzutreffenden Produktmerkmal zeichnet die Produkte von Chord & Major zudem aus, dass alle In-Ears, Musikinstrumenten nachempfunden, gänzlich aus Holz und Metall hergestellt werden; dazu ist das Design der Zugentlastung direkt an den Gehäusen einzigartig und soll Mikrofonie reduzieren und die Haltbarkeit des Kabels erhöhen.

Wie die exotischen und noch eher unbekannten In-Ears klingen, könnt ihr hier in meinem Review und Vergleichstest nachlesen.

Erhältlich sind die In-Ears mittlerweile auch bei Amazon: http://amzn.to/23VLac1


Technische Daten:

Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz
Empfindlichkeit: 96 dB (Major 9’13 Classical)/100 dB (Major 5’14 World)
Impedanz: 21 Ohm (Major 9’13 Classical)/20 Ohm (Major 5’14 World)
Maximale Eingangsleistung: 8 mW
Anschluss: 3,5 mm, vergoldet
Kabellänge: 1,2 m


Lieferumfang:

Vorab muss ich hier sagen, dass dies für mich eine der besten Unboxing-Erfahrungen der letzten Zeit war – man merkt beim Auspacken der In-Ears einfach, dass in das Design und die Entwicklung sowie Verpackung viel Liebe und Enthusiasmus eingegangen sind.

Statt auf eine übliche Verpackung aus Kunststoff oder Pappe setzt Chord & Major (nachfolgend „CM“ genannt) auf kleine Truhen aus Echtholz, welche farblich gebeizt zu den In-Ears passen.
Hierbei könnte man vielleicht annehmen, dass, um Kosten zu sparen, die Kisten billig verarbeitet wären, was jedoch nicht der Fall ist – das Holz besitzt eine schöne Struktur und Oberfläche mit sichtbarer Maserung; die Beize wurde gleichmäßig aufgetragen und die Oberfläche schließlich versiegelt, weshalb sie ein seidenmattes Finish besitzt, das etwas glänzt.
Umrandet werden die Boxen von einem Pappstreifen, welcher auf der Außenseite ein Bild der In-Ears sowie die technischen Daten als auch piktografisch dargestellt den Lieferumfang abgebildet hat. Öffnet man die Lasche, findet man einen prägnanten Satz vor, welcher auf Deutsch übersetzt etwa aussagt, dass jede der einzigartigen hölzernen Boxen einen einzigartigen Schatz beinhaltet, was bei der Präsentation wirklich keine Übertreibung ist.
Auf der Innenseite präsentiert sich links eine Beschreibung des Musik-Genres, für das die In-Ears speziell abgestimmt wurden, mitsamt einer Beschreibung dessen, wie der In-Ear darauf eingeht. Die rechte Seite stellt einen Vertreter jenes Genres prägnant vor und beinhaltet Informationen wie sein Motto, seinen musikalischen Stil, Errungenschaften sowie wichtige Werke; so stellt der 9’13 (nachfolgend „CM Classical“ genannt) Johann Sebastian Bach und der 5’14 (nachfolgend „CM World“ genannt) Chen Ming-chang vor.










Die Schatullen aus Holz besitzen auf der Außenseite im Deckel eingestanzt das Firmenlogo samt -name sowie auf der Vorderseite das Firmenmotto („exist only for music“) und die Herkunftsbezeichnung als auch eine kleine Vertiefung, um den magnetischen Deckel einfacher öffnen zu können.
Im Inneren enthalten sind dann neben den In-Ears eine Bedienungsanleitung, drei Paare an Silikonaufsätzen, eine Reinigungsbürste mit weichen Haaren, ein zu den In-Ears farblich passender Aufbewahrungsbeutel mit Druckknopf-Verschluss sowie schließlich eine Plastikkarte zum Aufwickeln der In-Ears (die ich jedoch nicht verwendet werde, da das locker um zwei bis drei Finger aufgerollte Verstauen der In-Ears im Beutel oder einem Etui für das Kabel schonender ist).






Obwohl der Aufbewahrungsbeutel schön gestaltet ist und neben dem CM-Logo auf der Rückseite einen zum Knickschutz der In-Ears farblich passenden Druckknopf sowie ein charakteristisches Musikinstruments des Genres (Violine beim Classical und Yueqin beim World) besitzt, wäre ein Hardcase zum Schutz der In-Ears sinnvoller gewesen.







Optik, Haptik, Verarbeitung:

Das Design der Holz-Etuis setzt sich auf den In-Ears selbst fort: der CM Classical besitzt einen
dunkelbraun-rötlichen, schön gemaserten Holzkorpus, welcher versiegelt ist und auf dem rechten In-Ear ein goldenes Chord & Major Logo aufgebracht hat. Der vordere Teil mit dem Schallaustritt sowie die als Knickschutz fungierende „Anziehhilfe“ und der Y-Splitter, auf welchem sich der Modellname befindet, sind goldfarben glänzend. Damit man die In-Ears aufgrund ihrer geringen Größe nicht am Kabel aus den Ohren ziehen muss, gibt es einen praktischen Steg, der das Einsetzen und Herausnehmen erleichtert und gleichzeitig als Knickschutz dient.  Der gerade 3,5 mm Klinkenstecker besitzt wie die In-Ears selbst eine Ummantelung aus Holz.
Das Kabel ist recht flexibel und weich, mit subtilem, aber wirksamem Knickschutz, jedoch könnte es ruhig etwas länger sein.
Sehr positiv rechne ich Chord & Major an, dass sie dem Kabel einen Kinn-Schieber verpasst haben.

Das Grunddesign ist beim CM World gleich, nur ist dessen Holz-Finish weniger glänzend, sondern eher seidenmatt und die Metall-Elemente sind mattschwarz beschichtet.







Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears sind recht schwer, lassen sich jedoch sehr bequem tragen und insbesondere durch den großen, metallenen Knickschutz sehr einfach positionieren.
Die Gehäuseform erlaubt auch ein bequemes Tragen der In-Ears mit den Kabeln über den Ohren, was hier auch meine bevorzugte Methode ist, da diese den Sitz verbessert und Mikrofonie reduziert. Von Kabelgeräuschen sprechend: diese sind bei der Trageweise nach unten verhältnismäßig gering ausgeprägt und bei der Kabelführung über den Ohren beinahe gänzlich verschwunden.

Was die Isolation betrifft, isoliert der CM Classical in meinen Ohren klar besser als nur mittelmäßig, der CM World hingegen etwas geringer.


Klang:

Die In-Ears habe ich sicherheitshalber mindestens 100 Stunden eingespielt, bevor ich zur Evaluierung überging. Als Quellgerät diente hauptsächlich mein iBasso DX90, welcher die In-Ears hauptsächlich mit FLAC-Dateien versorgte.

Gehört habe ich zuerst ausschließlich das Genre, für das die In-Ears angedacht sind, danach jedoch auch zu anderen Stilrichtungen und meinen üblichen Test-Titeln gewechselt, um die In-Ears besser einschätzen zu können.

Tonalität:

Chord & Major 9’13 „Classical“: Wie klingt denn nun der Classical? „Bassig, sanftmütig“ und „warm“ sind Worte, welche mir hier in den Sinn kommen. Damit wäre die Tonalität jedoch nicht wirklich beschrieben.
Der Bassbereich ist klar präsent, wobei dessen Betonung sich über einen weiten Teil des Frequenzspektrums erstreckt: vom Tiefbass bis in den Oberbass bleibt der Pegel sehr konstant, ohne Abfall. Der Grundton ist sehr präsent und erstreckt sich bis in die oberen Mitten/den oberen Grundton. Ab 1 kHz rollt der Pegel im Mittelton etwas ab, weswegen Stimmen und Instrumente, welche in diesem Bereich liegen, dunkler als üblich sind sowie auch etwas verhangen und belegt klingen.  Bei 5,5 und 7,5 kHz kann ich zwei Peaks ausmachen, welche sich in meinen Ohren jedoch noch unterhalb der Null-Linie befinden, das Ziel, Streich- und Blasinstrumente in den Vordergrund zu bringen, jedoch gut erfüllen. Im Superhochton fällt der Pegel etwas ab.
Der Hochton klingt recht gleichmäßig, sanft und vor allem natürlich; die Mitten hingegen sind etwas weniger gut gelungen, wie ich finde: bereits bei orchestraler Musik fiel mir auf, dass der Mittelton tonal nicht ganz korrekt war, was am abfallenden Pegel oberhalb von 1 kHz liegt. Hier hätte entweder der Grundton etwas früher aufhören müssen oder der Pegel zwischen 1 und 2 kHz gleichmäßiger, ohne Abfall präsent sein. Durch den angehobenen Grundton klingen Instrumente in diesem Bereich präsent und warm, was jedoch Geschmacksache ist und nicht in die Bewertung mit einfließt.

Der sanfte Hochton ist sehr gut gelungen und klingt natürlich sowie realistisch, und der Tiefton ist präsent, wirkt jedoch nicht übertrieben, was an der sehr hoch reichenden Grundtonbetonung liegt. Der Mittelton hingegen ist nicht so gut gelungen – bei Klassik fällt dies bereits auf, bei anderen Musikrichtungen mit Gesang dann erst recht.
Mit anderen Genres wie Pop, Rock oder elektronischer Musik harmoniert der Classical meiner Meinung nach übrigens auch gut, was insbesondere daran liegt, dass der Hochton sehr gleichmäßig ist und sich mit einer gen Hochton leicht ansteigenden Kurve beschreiben lässt.

Chord & Major 5’14 „World“:
Der CM World verhält sich im Bassbereich sehr ähnlich, klingt hier jedoch etwas mächtiger, was daran liegt, dass der Pegel im Grundton zwar auch bis in die oberen Gefilde reicht, sich jedoch minimal früher wieder auf Normalniveau begibt. Der Mittelton ist im Vergleich zum Classical wesentlich besser gelöst und der Pegel zwischen 1 und 2 kHz bleibt konstanter, wirkt durch den potenten Grundton trotzdem etwas dunkel. In den unteren Höhen befindet sich der Pegel etwas im Hintergrund, um der darauf folgenden Betonung in den mittleren Höhen bei 6 kHz Platz zu schaffen. Im oberen Hochton ist der Pegel wieder geringer, im Superhochton sogar recht abrollend.
Ich muss sagen, das Sounding des CM World passt hier sehr gut zu Instrumenten der Weltmusik – Trommeln klingen sehr körperhaft und nah, Zupfinstrumente sehr natürlich; da hilft der Peak bei 6 kHz ganz gut und passt einwandfrei. Bei Weltmusik konnte mich der CM World direkt mitreißen und durch seine Lebendigkeit direkt ins Geschehen hineinziehen.

Auflösung:

Beginnen möchte ich hier wieder mit dem Classical, obwohl sich die Auflösung der beiden nicht großartig unterscheidet: bei langsamerer und mittelschneller Musik ist alles gut, mit einer halbwegs ordentlichen Detailauflösung, die man jedoch ruhig mal zwei bis drei Klassen unterhalb des Preises ansehen sollte – die Auflösung ist deutlich geringer, als es der Preis vermuten lassen würde.
Der Tiefton ist sehr körperhaft, wirkt jedoch recht unkontrolliert und abgetrennt. Bei schneller Musik merkt man hier auch, dass er die Geschwindigkeit nicht so gut aufrecht halten kann und einzelne Töne nicht so gut voneinander trennt – Doppel- und Dreifach-Bässe sind so etwa nicht als solche heraushörbar.
Der Mittelton ist an sich ordentlich, jedoch wirkt er etwas neblig und verschleiert/verhangen.
Der Hochton ist bei der Auflösung die große Stärke des Chord & Major und wirkt präzise, natürlich und realistisch als auch mit einer guten Detailfülle.

Weiter geht es mit dem CM World, auf den man das gerade Geschriebene prinzipiell übertragen könnte.
Der Tiefton klingt bei langsamer Musik noch wunderbar und körperhaft, verliert bei schnelleren Stücken jedoch sofort die Kontrolle und wirkt sogar eine Spur langsamer als beim Classical.
Der Mittelton ist auch hier bedeckt und wirkt verhangen, jedoch etwas weniger als beim Classical.
Der Hochton ist auch hier die herausragende Stärke bei der Auflösung.

Räumliche Präsentation:

Chord & Major 9’13 „Classical“: Kurzum: die Bühnendarstellung des CM Classical ist gelungen und räumlich. Die seitliche Ausdehnung ist aber nicht übermäßig präsent und befindet sich noch im Kopf, wenngleich das Verhältnis zwischen Breite, Tiefe und Höhe hier sehr harmonisch aufeinander abgestimmt ist und der In-Ear eine weitläufige und auch ziemlich präzise Bühne aufspannt, die eine saubere Instrumentenseparation generiert und der es gelingt, leeren Raum zwischen Instrumenten glaubhaft darzustellen.

Chord & Major 5’14 „World“:
Die Bühnendarstellung des World ist ähnlich, nur seitlich weniger stark ausgeprägt, mit einem stärkeren Fokus auf die räumliche Tiefe und einer insgesamt intimeren Präsentation, aber der gleich guten Instrumentenplatzierung und -trennung.


Fazit:


Die In-Ears von Chord & Major bieten eine wundervolle, hochwertige Verarbeitung mit sehr viel Liebe zum Detail.
Zwar ist die Bühnendarstellung richtig gut gelungen und der Tiefton fällt auch gen Tiefbass nicht ab,
jedoch sind die Detailauflösung und Kontrolle im Bassbereich für den Preisbereich klar unterdurchschnittlich – die Verarbeitung mit dem Holz sowie die Detailverliebtheit schlagen sich hier dann doch leider im Preis wieder, dazu ist der Hersteller wohl auch etwas zu gierig.
Der Major 9’13 Classical eignet sich gut als Allrounder, besitzt jedoch einen sehr langsam ausschwingenden Bass und verhangene Mitten. Der 5’14 World hingegen ist eher genre-spezifisch und kein Allrounder, besitzt jedoch die besseren Mitten und klingt dabei in seinem Einsatzgebiet enorm lebendig und fesselnd - mit anderer Musik besitzt er jedoch keine Stärken.

Den Preis und die Verarbeitung im Hinterkopf habend bekommt der Classical von mir 2 und der World 2,25 von fünf möglichen Sternen - das Preis-Leistungsverhältnis stimmt einfach nicht wirklich und einen realistischen Preis sähe ich bei um die 60€.