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Brainwavz XF200: Klang relativ top, Komfort hingegen flop - [Review] 🇩🇪



Prolog:

Das Jahr 2016 hat gerade erst begonnen, da hat Brainwavz schon das zweite neue Kopfhörer-Modell herausgebracht.
Nach dem Omega folgt nun der XFit XF200 (http://www.brainwavzaudio.com/products/xfit-xf200-noise-isolating-sport-iem-earphones-w-3-button-remote-microphone), welcher mit einer UVP von 25$ ein preisgünstiger In-Ear für den Sport ist und mit einer vollwertigen Fernbedienung inklusive Mikrofon und drei Tasten daherkommt sowie in zwei Farben erhältlich ist.

Ich bin jemand, der viel aktiven Laufsport im Freien ausübt und pro Jahr kommen da schon ein paar tausend Kilometer zusammen (in den letzten eineinhalb Jahren waren es wegen der häufigeren Reviews deutlich weniger).
Oftmals verwende ich dabei In-Ears, welche die meiste Zeit über jedoch still bleiben und lediglich nach der Hälfte oder im letzten Drittel, wenn ich etwas „Unterstützung“ benötige, starte ich üblicherweise die Musikwiedergabe. In der Regel bevorzuge ich dafür recht ausgewogen abgestimmte Modelle (und stelle somit also eher die Minderheit dar), wozu der XF200 als „typischer Sporthörer“ wahrscheinlich nicht gehören wird.
Wie sich die preisgünstigen In-Ears, die mir von Brainwavz für einen ausführlichen Test zugeschickt wurden, behaupten, werde ich im Verlauf dieses Reviews herausfinden.


Erhältlich ist der XF200 auch bei Amazonhttp://amzn.to/1slnsKf


Technische Daten:

Treiber: dynamisch, 9 mm
Impedanz: 16 Ohm
Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz
Empfindlichkeit: 95 dB bei 1 mW
Eingangsleistung: 10 mW
Kabellänge: 1,4 m





Lieferumfang:

Die simple Plastik-Verpackung der In-Ears ist schon von anderen günstigen Brainwavz-Modellen bekannt, fällt aufgrund des etwas umfangreicheren Lieferumfangs jedoch auch ein wenig breiter aus. Von der Aufmachung signalisiert sie bereits, dass es sich beim XF200 um einen für den Laufsport orientierten In-Ear handelt.

Durchbricht man das Siegel, findet man einen recht üppigen Inhalt in Anbetracht des Preises vor: das typische Brainwavz-Aufbewahrungsetui, einen Kabelbinder aus Klett-Stoff, einen Shirt-Clip, ein Paar Comply Foam S-400 Aufsätze, ein Paar Doppelflansch-Silikonaufsätze, sechs Paare Silikonaufsätze (drei Größen, doppelte Ausführung), eine Gebrauchsanweisung sowie schließlich die In-Ears selbst.





Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die Gehäuse der In-Ears bestehen aus leichtem Plastik, das jedoch verhältnismäßig stabil wirkt.
Der Knickschutz ist gut, könnte oberhalb des Y-Splitters jedoch besser sein. Gut finde ich, dass es einen Kinn-Schieber gibt.
Das Kabel ist mit dem des Jive und anderen Modellen von Brainwavz identisch.






Tragekomfort, Isolation:

Ich habe recht große Ohren sowie Gehörgänge und in der Regel auch keinerlei Probleme, mit In-Ears einen guten Sitz als auch Seal zu erreichen – mit dem XF200 (dessen Gehäuse übrigens ziemlich klein sind) hingegen war es bei mir eine enorme Fummelei, bis ich einen Seal erreichte, dann war der Tragekomfort jedoch überaus schlecht und die Gehäuse drückten in meinen Ohren und verursachten warme Stellen. Das kurze Schallröhrchen zusammen mit dem Winkel und der Gehäusegeometrie vertragen sich bei diesem Modell leider gar nicht gut mit meinen Ohren. Für den Test habe ich die Schmerzen jedoch ertragen und die In-Ears täglich bis zu drei Stunden genutzt.
Bei den Ohrbügeln handelt es sich übrigens nicht um Drahtbügel, sondern einen Gummischlauch, der seine Form jedoch gut beibehält und weich ist; Kabelgeräusche werden in meinen Ohren gänzlich eliminiert.

So, wie die In-Ears in meinen Ohren saßen, war die Isolation in etwa mittelmäßig (trotz Seal).


Klang:

Zum Testen verwendete ich den iBasso DX80, LH Labs Geek Out IEM 100 sowie mein für die Audiowiedergabe optimiertes iPhone 4. Verwendet habe ich die größten Silikonaufsätze.

Ausschließen, dass ich vielleicht doch keinen 100%ig guten Seal hatte (obwohl der „Summ-Test“ positiv war), kann ich hier leider nicht, deshalb sind die folgenden Eindrücke bitte mit Vorsicht zu genießen und höchst subjektiv, obwohl ich normalerweise versuche, objektiver zu sein, was aufgrund des schlechten Komforts in meinen Ohren bei diesem Modell jedoch leider nicht ganz möglich war.

Tonalität:

Generell würde ich den Klang als warm, sanft und bassbetont beschreiben.

Gehör-mäßige Experimente mit einem Equalizer, Sinusgenerator sowie die Messung in meinem Vibro Veritas Kuppler zeigen eine Bassbetonung von mehr als 13 dB unterhalb von 50 Hz, die sich beim tatsächlichen Hören von Musik jedoch deutlich geringer anhört – der RHA T20, der laut Messungen und EQ- sowie Sinus-Experimenten klar weniger Pegel zwischen 50 und 200 Hz besitzt, klingt hier subjektiv deutlich basslastiger, obwohl Gehör-Experimente mit einem EQ und meine Messungen belegen, dass er weniger Bass als der Brainwavz besitzt – ob dies doch an einem nicht 100%igen Seal beim Brainwavz liegt, wodurch einiges an Bassenergie verpufft? Möglich wäre es, jedenfalls hört sich der XF200 in meinen Ohren gerade noch nicht basslastig, sondern nur stärker bassbetont und warm an, obwohl der Pegel zwischen 100 und 50 Hz schon recht hoch ist und auch so ankommt, bei entsprechenden Aufnahmen, jedoch nicht mit dem typischen Druck (als Referenzhörer dient mir hier unter anderem der Etymotic ER-4S und ich bevorzuge auch allgemein „privat“ stationär neutrale oder sehr ausgewogene In-Ears, von daher kenne ich neutralen Klang und habe auch eine große Hörerfahrung verschiedener Klangsignaturen sowie Modelle von 5 bis 2000€ in meiner Sammlung).

Wie dem auch sei, hier folgen nun also meine sehr subjektiven Höreindrücke: von 600 Hz abwärts steigt der Pegel langsam an, mit dem Klimax bei etwa 50 Hz. Der Kickbass bei 100 Hz mit dem unteren Grundton bei 200 Hz ist etwas weniger angehoben, nach Quervergleichen und EQ-Justierung wohl mit etwa 8 dB, baut jedoch nicht viel Druck auf. Der Tief- ist genauso stark wie der Midbass ausgeprägt und rollt nicht ab, in den tiefen Gefilden kann der XF200 also schon gehörig Pegel und Kellerrumpeln generieren.
Kurz vor 1 kHz ist der Pegel etwas zurückgesetzt; Stimmen klingen somit gleichzeitig warm sowie leicht hohl, insgesamt jedoch eher dunkel. Bei 4,6 kHz gibt es in meinen Ohren einen kleinen Peak, darüber befindet sich der Pegel im Hintergrund. Insgesamt wirkt der Hochton sanft und steht ab den mittleren Höhen etwas im Hintergrund, jedoch so, dass der Klang leichtfüßig sowie ein wenig entspannt-dunkel jedoch nicht dumpf und warm wird.

Durch den Peak bei 4,6 kHz ist der Anschlag von Schlagwerk etwas künstlich (etwas metallisch und platt), was jedoch beim Preis keine wirkliche Kritik darstellt. Insgesamt gibt es nirgends im Frequenzgang deutliche Peaks oder Senken; der Klang ist beim XF200 schön gleichmäßig und recht gut gemacht.

Auflösung:

Ich behaupte jetzt einfach mal nach einigen Quervergleichen, dass der XF200 einer der besseren und kohärenteren dynamischen Single-Driver für unter 50$ ist.
Um mit dem ADV.Sound M4 oder TTPod T1 (non-E) gleichzuziehen, fehlt nicht mehr viel und das allgemeine Detailniveau befindet sich auf einem sehr soliden Level, welches das eines einfachen (Sport-) Kopfhörers für 25$ klar überschreitet.
Mittel- und Hochton erscheinen mir hier in Sachen Details angemessen als auch recht differenziert und ebenfalls der Tiefton fügt sich recht harmonisch in das Gesamtgeschehen ein, obwohl er etwas fester als auch detaillierter sein könnte (der Bass befindet sich eher auf der weichen Seite, mit einem recht langsamen Einschlag jedoch relativ schnellen Ausklingen). Die 25$ ist der XF200 zumindest mal ganz locker wert.

Räumliche Darstellung:

Die räumliche Darstellung des Brainwavz gestaltet sich als recht dreidimensional und luftig, mit einer etwa durchschnittlichen Bühnenausdehnung, bei der Tiefe und Breite sehr gleichmäßig sind. Eingeengt wirkt der Klang nicht, jedoch auch nicht so luftig wie bei einem Pai Audio DR1 oder Havi B3 Pro 1.
Eine punktgenaue und scharfe Instrumentenseparation sowie Tiefenstaffelung darf man hier bei dem Preis natürlich nicht erwarten und auf der Z-Achse gehen die Ebenen etwas neblig ineinander über, einen Klangmatsch erhält man jedoch auch nicht.





Fazit:

Tonal kann ich meine Eindrücke aufgrund des Sitz-Problems nicht ganz zu 100% festmachen und somit auch nicht sagen, ob der In-Ear nun bei einem besseren, bequemeren Sitz bassstärker und somit schon basslastig wäre oder ob meine Eindrücke so in etwa mit denen von Menschen, die einen korrekten Sitz erzielen können, konform sind.
In Sachen Klangqualität bietet der XF200 zumindest einen sehr guten Gegenwert für das Geld und kann in Angesicht des geringen Preises überzeugen - wäre da nicht der unsägliche Tragekomfort in meinen Ohren.

Bei einer 70% (Klang für den Preis; 4,5 von 5 Sternen) zu 30% Gewichtung (Komfort; 1 von 5 Sternen) komme ich noch immer auf sehr respektable 3,45 Sterne – wer mit dem XF200 einen guten Sitz erzielen kann, bekommt für wenig Geld sehr solide In-Ears mit reichlich Zubehör und einer Kabelfernbedienung.