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Über Produkte aus Fernost (und solche derer, die es bei uns im Westen nicht gibt) sowie den ATH-IM03, mein neuester Kopfhörer-Kauf 🇩🇪


Asien - Kontinent der Stereotype, technologischen Hochkulturen und Zufluchtsort der Audiophilen und HiFi-Fanatiker. Viele meiner liebsten Kopfhörer und insbesondere In-Ears kommen von asiatischen Herstellern (und der Großteil der Produkte der westlichen Hersteller, die ich besitze, ist "Made in Asia"), entstammen jedoch eher nicht den kleinen Hinterhof-Bastelbuden (entschuldigt bitte den teils nicht gerechtfertigten Ausdruck), sondern kommen von den großen Herstellern, den professionellen "Big Players" dieser Szene.
Auch gibt es manche Hörer westlicher Hersteller, deren hauptsächlich verantwortlicher Ingenieur, der für den Auftrag kontaktiert wurde, ein Asiate ist (so wie etwa für den Echobox Finder X1 - George Gill hat im privaten Meinungsaustausch mit mir ein Paar Marken angedeutet, für die Fang, der Entwickler, für die Konzeption eines Modells kontaktiert wurde, konnte und durfte mir trotz meiner Neugierde und dem Versprechen, dass ich es für mich behalten werde, jedoch nicht sagen, welche Produkte und Hersteller es genau seien und ob ich eines davon in meinem Inventar besäße - die Geheimhaltungsverträge mit den Herstellern liefen teilweise noch immer).

Noch mehr als in China boomt der asiatische HiFi-Markt in Japan, mit einer stark ausgeprägten mobilen Hörkultur und Geschäften, von denen man im Westen als HiFi-begeisterter Mensch nur träumen kann. Manche der Produkte, und leider scheint sich dieser Trend in den letzten sowie nächsten Jahren fortzusetzen, sind "Japan only" Veröffentlichungen, bleiben also uns Europäern oder den Einwohnern der US of A fern, sofern man sie nicht selbst importiert. Zu diesen Produkten gehört (leider) auch die Produkt-Linie ATH-IM0X von Audio Technica - wobei, ganz richtig ist dies wiederum auch nicht, in der Hochburg der Schusswaffen und des frittierten Specks wurde die Serie auch veröffentlicht. Das Nachsehen dabei hatten und haben wir Biertrinker ohne Tempolimit als auch die Schnecken-Gourmets, Holzschuhträger, steifen Monarchisten, Mafiabosse, Steuerhinterzieher sowie der Rest Europas (sollte es nicht ersichtlich sein: dies ist keineswegs rassistisch sondern humoristisch gemeint - sollte sich jemand dadurch beleidigt fühlen, bitte ich um Verzeihung).

Wer einen dieser Audio Technica In-Ears kaufen wollte, musste ihn sich aus Japan importieren. Und so geschah es, dass ich beinahe 335€ in das Land der Flagge mit rotem Kreis auf weißem Hintergrund via PayPal überwies, um einen ATH-IM03 zu importieren (gekauft habe ich ihn in diesem Shop), der dann auch schon keine zwei Wochen später unversehrt und neu bei mir eintraf.
Klanglich hat sich der Import zumindest gelohnt (mehr dazu etwas weiter unten) und durch ebay sowie einen Verkäufer, welcher der englischen Sprache zum Glück mächtig war, stellte der Prozess dann auch keine Schwierigkeiten dar.

Einen Stereotyp möchte ich mir dann doch noch an dieser Stelle erlauben - der IM03 wurde merklich für Menschen mit den kleineren Dingen im Leben gebaut, womit ich mich auf die Körper- und Ohrgröße beziehe. Das Kabel ist geringfügig kürzer als bei manchen West-Hörern, die Aufsätze sind eher klein und S, M sowie L sind eher XS, S und M, wenn man sie etwa mit denen von Ultimate Ears, Phonak oder Shure vergleicht.
Als Resultat dessen ist es für mich in Verbindung mit dem recht kurzen Schallröhrchen etwas schwierig, eine dauerhaft gleich gute Abdichtung zu erreichen ("Tip Rolling" kommt für mich übrigens nicht in Frage - Tip Rolling ist böööööse (es sei den, ich würde einen von der Beschaffenheit exakt gleichen Aufsatz in einer etwas größeren Größe finden)). Nach etwas Fummelei muss ich eine starre Gesichts- und Kieferposition einhalten, sonst kann sich der Seal in einem Ohr schnell lösen. Nun ja, manchmal ist es doch nicht so ganz von Vorteil für In-Ears, wenn man weite, recht gerade Gehörgänge und eher tiefe, ebenfalls ziemlich große Ohrmuscheln besitzt. Aber wie dem auch sei, "gerade so noch" bekomme ich schließlich noch einen guten Sitz sowie eine einwandfreie Abdichtung, die besonders bei In-Ears, die nur BA-Treiber verwenden, essenziell ist.

Klanglich macht der IM03 jedenfalls gewaltig Spaß, aber auf einem hohen, gepflegten Niveau. Die drei Treiber in drei-Wege Konfiguration zaubern eine sehr hoch auflösende, spaßige Harmonie mit badewanniger tonaler Abstimmung. Der Bassbereich ist angehoben (jedoch nicht übermäßig, also ohne überzogene Betonung wie bei vielen günstigen In-Ears oder dem UE11 Pro, der nochmal eine Ecke stärker zu Werke geht), mit tiefreichendem, betontem Tiefbass sowie einem genauso kräftigen Oberbass, der sehr fest und kontrolliert daherkommt. Die Mitten klingen etwas distanziert, wenn auch nur ein wenig, ohne jedoch dass es Stimmen an Details mangelt (vor dem ersten 'Reinhören war ich im Trugschluss, es handle sich um einen In-Ear, der in Triple-Driver-Two-Way Konfiguration aufgebaut sei, was ich nach den ersten Takten der Musik jedoch anzuzweifeln begann - der Mittelton glich in seinen Charakter eher Modellen mit drei Wegen, was sich nach einem Blick auf die Verpackung auch als wahr herausstellte), und der Hochton besitzt in den oberen Höhen einen Betonungs-Peak. Für eine genauere Beschreibung der Tonalität müsste ich länger und auch mit einem Sinusgenerator hören.
Die räumliche Darstellung des In-Ears ist ebenfalls überzeugend und ich müsste jetzt noch länger suchen, um überhaupt Dinge an ihm zu finden, die ich nicht mag.
Technisch gehe ich so weit, ihn in etwa in der Liga des Westone 4R (den ich persönlich tonal jedoch nicht sonderlich mag), Shure SE846 und UERM einstufen, wozu ich jedoch länger und konzentrierter hören sowie diese Modelle ausführlicher direkt miteinander vergleichen müsste.
Was ich höre, finde ich jedoch sehr überzeugend, stimmig, spaßig und hochauflösend.

Stellt der ATH-IM03 womöglich das technische Upgrade des Ultimate Ears Triple.Fi 10 mit sehr ähnlicher Klangsignatur, nach dem ich mich insgeheim schon seit längerer Zeit sehne, dar? Sehr gut möglich, denn der Audio Technica klingt dem UE tonal sehr ähnlich, ist technisch jedoch besser.
Womöglich folgt ja irgendwann mal ein Review meinerseits zu dieser neu entdeckten Liebe.


Um wieder zum ersten Satz dieses Blogeintrages zurückzukehren - der IM03 ist ein technisch sehr guter In-Ear und definitiv ein "Keeper", der mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Weg in die (sich in der Entwicklung befindende) Liste der Audio-Produkte, die ich subjektiv sehr liebe, finden wird.
Weitere Produkte aus dem asiatischen Raum werden auch in Zukunft definitiv Einzug bei mir halten.