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HiSoundAudio HA-2: HSA verspricht einen günstigen Killer-Hörer - wie viel Wahrheit steckt in dieser sehr gewagten Behauptung? - [Review] 🇩🇪

Prolog:

HiSoundAudio (http://www.hisoundaudio.com/en/index.asp, nicht aktuell) ist ein chinesischer
Hersteller von Audio-Produkten und für seine In-Ears und digitalen Audio-Player bekannt. Neben dem neuen Player, der bald herauskommt, wurde auch ein neues In-Ear Modell angekündigt.
In den Gesprächen mit Jack von HiSoundAudio kam heraus, dass die Firma enorm von ihrem bald erscheinenden Single-BA In-Ear überzeugt sei, welcher welcher um die 60$ oder weniger 99$ (der Preis wurde nachträglich angepasst) kosten soll. Er sagte mir sogar, dass sie so überzeugt vom HA-2 (so heißt der In-Ear) seien, dass sie einen viel höheren Preis, der oberhalb des mittleren dreistelligen Dollar-Bereichs läge, verlangen könnten und dass der Hörer sogar besser als einige viel teurere Dual- und Triple-Driver In-Ears wäre – nun, das zweifle ich schon recht an und halte es für utopisch, aber dieses Review soll zeigen, wie viel „Magie“ HSA wirklich anwenden konnte, um die Limitierungen des Single-BA Designs zu umgehen.


Der HA-2 wurde mir für diesen Test von HiSoundAudio als Vorproduktions-Testmuster zur Verfügung gestellt, um meine klanglichen Eindrücke in Worte zu fassen und ein ehrliches Review zu schreiben.


Technische Daten:

Treiber: Balanced Armature (1x)
Impedanz: 36 Ohm
Empfindlichkeit: 109 dB
Maximaler Schalldruck: 125 dB (1 kHz, 1 Vrms)
Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz
Kabellänge: 109 cm


Lieferumfang:

Mein Testmuster kam lediglich mit dem Aufbewahrungsetui sowie einem Paar an Silikonaufsätzen an; die Verkaufs-Version kann und wird sich davon unterscheiden und eine vollwertige Verpackung besitzen.




Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die Gehäuse der In-Ears bestehen gänzlich aus Metall und sind zweifarbig schwarz und goldfarben gestaltet. Die Gehäuseform des HA-2 ist etwas ungewöhnlich, so gibt es einen längeren Steg, an dem dann seitlich eine kleine Kugel befestigt ist, in der sich der Balanced Armature Treiber befindet (das Design erinnert mich ein wenig an einen Duschkopf oder eine Straßenlaterne). Auf der Innenseite befinden sich die Modellbezeichnung sowie Seitenmarkierung. Das Gehäuse wirkt sehr stabil und gut gefertigt; scharfe Kante gibt es nicht.

Das Kabel ist dem des SoundMAGIC E10 und insbesondere Brainwavz M3 sehr ähnlich, so sind die Litzen verdrillt und dann mit einer dünnen, schwarzen Gummischicht überzogen und oberhalb des Y-Splitters gibt es keinen Kinn-Schieber. Der um 45° gewinkelte 3,5 mm Klinkenstecker ist klein im Profil und besitzt einen guten Knickschutz, wie auch die Stelle direkt unterhalb des Y-Splitters, darüber und an den In-Ears selbst  fehlt er jedoch.

Das kleine Etui mit dem HiSoundAudio Logo auf der Außenseite ist innen gut gepolstert.






Tragekomfort, Isolation:

Der Steg erleichtert das Einsetzen und Positionieren der In-Ears, kann je nach Ohr-Anatomie (besonders bei kleinen Ohren) jedoch zu Problemen beim Tragekomfort führen. Ich mit meinen großen Ohrmuscheln habe damit kein Problem, bei mir sitzt der HA-2 bequem und ich spüre ihn kaum.
Durch die Stege ist wohl eine Trageweise mit dem Kabel nach unten vorgesehen, was auch gut funktioniert. In meinen Ohren ist es auch möglich, die In-Ears um 180° zu drehen und das Kabel über die Ohren zu verlegen (was nicht nur den Komfort und die Sicherheit erhöht, sondern auch Kabelgeräusche deutlich mildert), was bei kleinen Ohren jedoch schwierig werden könnte. Dass es keinen Kinn-Schieber gibt, ist beim Tragen ein wenig schade.

Im Gehäuse gibt es eine kleine Belüftungsöffnung, dennoch ist die Isolation überdurchschnittlich gut (vergleichbar mit dem MEE A151, also ziemlich stark).


Klang:

Als Abspielgeräte dienten vornehmlich der iBasso DX80, DX90 sowie HiFiMe 9018d; das Quellmaterial lag im FLAC, Hi-Res, DSD und MP3-Format vor.
Zum Hören verwendete ich die größten Silikon-Aufsätze von SoundMAGIC, die den gleichen Innendurchmesser sowie die gleiche Länge wie die mittleren Standard-Aufsätze hatten (um den Klang nicht zu verfälschen).

Tonalität:

Tonal klingt der HA-2 sehr ausgewogen und natürlich mit geringfügig stärkerer Tendenz zum Warmen, Dunklen.

Im Midbass, Oberbass und unteren Grundton ist der Pegel ein wenig (ca. 4,5 dB im Vergleich zum Etymotic ER-4S) nördlich von neutral, von 300 bis 600 Hz fällt die moderate Betonung dann gleichmäßig auf ein normales Niveau und ist dann bis etwas über 1 kHz neutral, flach. Von da an sinkt der Pegel dann gleichmäßig gen 2,7 kHz ab; der Präsenzbereich befindet sich also etwas im Hintergrund. Bei 3,5 kHz gibt es einen moderaten Peak, bei 5 kHz ist der Pegel wieder etwas weiter im Hintergrund und um 7 kHz gibt es dann wieder eine breitbandigere Betonung (beide Anhebungen befinden sich dennoch unterhalb von 0 und man hört sie nur wirklich mit einem Sinusgenerator). Ab 10 kHz rollt der Pegel dann gleichmäßig ab, wobei dies für einen Single-Driver in Ordnung geht und bei 11,5 kHz noch genug Pegel vorhanden ist. Unterhalb von 40 Hz rollt der Tiefbass übrigens auch etwas ab.
Für Menschen, die einen kräftigeren Tiefton suchen, wird der HA-2 sehr wahrscheinlich zu ausgewogen klingen, ganz neutral ist er jedoch auch nicht, sondern recht ausgeglichen klingend. Im Vergleich zu neutralem Klang besitzt der HA-2 etwas mehr Wärme im Grundton und auch etwas dunklere und wärmere Mitten (und somit Stimmen) mit einem sanften Hochton, der ganz geringfügig zurückgesetzt ist. Wer einen eher sanften, gut ausgewogenen und natürlichen Klang sucht, sollte bei diesem In-Ear fündig werden.

Der Klang ist insgesamt natürlich und wirkt realistisch, mit authentisch dargestellten Instrumenten uns Stimmen, auch wenn sich diese ein wenig mehr auf der entspannten und dunklen Seite befinden.

Auflösung:

Der Klang des In-Ears ist extrem zusammenhängend und wirkt wie aus einem Guss. Im Vergleich zu einigen Single-BA In-Ears um 100$ weicht der Bass des HA-2 auch gen Tiefbass nicht auf, sondern behält eine gute, recht hohe Geschwindigkeit. Auch insgesamt ist der Bass schnell, recht trocken und kontrolliert.
Das Detailniveau des HA-2 würde ich als höher als bei den meisten BA In-Ears um 100$ sehen, jedoch trotzdem unterhalb der Single-BA Referenz, dem Etymotic ER-4S.
Was hier geboten wird, weiß zu gefallen und der In-Ear spielt detailliert und präzise auf, mit guter Kontrolle und sehr guter Kohärenz.

Räumliche Darstellung:

Die Versprechung seitens HiSoundAudios bezüglich einer großen Bühne wird eingehalten: der imaginäre Raum des HA-2 ist tatsächlich sehr groß, typisch für die meisten Single-BA In-Ears sehr zusammenhängend, klingt natürlich, realistisch, rund und dreidimensional. Die Projektion würde ich als etwas nach vorn gerichtet und ein wenig distanziert beschreiben. Auch bei schnellen Musikstücken bricht die Bühne nicht in sich zusammen, sondern bleibt noch relativ konstant und präzise.
Die Instrumentenplatzierung ist gut sowie präzise und der HA-2 besitzt auch eine gute Trennung einzelner tonaler Elemente und ist hier etwas besser als übliche gute Single-BA In-Ears, erreicht dennoch nicht die Präzision eines Etymotic ER-4S.

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Im Vergleich mit anderen Single-BA In-Ears:

MEE A151 (2nd Generation):
Beide In-Ears sind im Tiefton ähnlich warm, der MEE spielt im Hochton dunkler und besitzt auch den dunkleren sowie dickeren, direkteren Mittelton. Im Hochton ist der HA-2 auch etwas präsenter als der A151 und klingt dadurch ausgewogener, weniger dunkel.
Den A151 bezeichnete ich schon als besser als den teureren UE600, und der HA-2 ist die Klangqualität betreffend auch nochmal ein Stück besser als der A151, mit einer höheren Detailfülle, präziserem Klang und schnelleren Bässen.
In Sachen Bühnendarstellung ist der MEE in der zweiten Generation sogar nochmal ein Stück weiter, bei gleicher Tiefe wie der HA-2, welcher jedoch die präzisere räumliche Darstellung mit besserer Instrumentenseparation besitzt.

Phonak Audéo PFE 132 (graue Filter):
Der Phonak ist neutraler, mit etwas weniger Bass und Wärme, den tonal richtigeren Mitten und dem helleren Hochton mit einem Peak in den oberen Höhen (der jedoch nicht unbedingt störend ist).
In Sachen Auflösung sind sich beide recht ähnlich, wobei ich dennoch dem HA-2 den Sieg zusprechen würde, bei trotz dunkler Signatur mehr feinen Details. In Sachen Bassgeschwindigkeit sind beide auf Augenhöhe.
Die räumliche Projektion des Phonak empfand ich leider schon immer als etwas künstlich, daher wundert es mich hier nur wenig, dass der HA-2 hier in meinen Ohren echter klingt; obendrein besitzt der HSA auch die größere Bühne mit der besseren Instrumentenseparation und –platzierung.

Fostex TE-07:
Tonal sind sich beide im Mittel- und Tiefton ziemlich ähnlich, jedoch klingt der Mittelton des TE-07 entspannter. Im Hochton ist der HSA weniger dunkel.
Die Auflösung der beiden In-Ears ist recht ähnlich, wobei der TE-07 insgesamt etwas feiner und differenzierter im Hochton spielt. Der Bass ist bei beiden In-Ears gleich schnell.
Die Bühne des HA-2 ist hörbar größer, aber in Sachen Instrumentendarstellung sind beide In-Ears gleichauf.

Etymotic ER-4S:
Als einer der neutralsten In-Ears überhaupt klingt der Ety natürlich linearer, flacher.
Der ER-4S löst insgesamt noch eine ganze Ecke höher auf und klingt natürlicher als auch echter, durch seine Abstimmung ist der HA-2 jedoch weitaus gnädiger bei schlechteren Aufnahmen.
In meinen Ohren ist die Bühne der beiden In-Ears in etwa vergleichbar groß (der HA-2 scheint dennoch ein wenig geräumiger), der ER-4S besitzt jedoch die schärfere Instrumentenseparation und genauere Platzierung einzelner Elemente im Raum.


Fazit:


Kommen wir zur Ausgangsfrage zurück: wäre es rechtfertigbar seitens HiSoundAudio, einen höheren dreistelligen Dollar-Betrag für ihren Single-BA namens HA-2 zu verlangen, von dem sie behaupten, er würde manche Dual- und Triple-Driver In-Ears klangtechnisch übertreffen? Obwohl das sehr starkes Selbstvertrauen ist, findet man mit dem HA-2 nicht den Super-Killer-Budget-In-Ear, der die ganze viel teurere Konkurrenz vernichtet, aber das habe ich sowieso zu keinem Zeitpunkt angenommen – könnte der Hörer dies, müsste schon größere Magie am Werke sein, um die Limitierungen des einzelnen BA-Treibers zu umgehen.
Nichtsdestotrotz ist der In-Ear ein extrem gut klingender Hörer mit einen einzelnen Balanced Armature Treiber je Hörerseite und spielt definitiv unter den besseren (/besten) Single-BAs und kommt beinahe in das Territorium des Etymotic ER-4S oder Fostex TE-07, von denen der erste mein liebster Single-BA In-Ear aller Zeiten ist. Ja, der HA-2 ist ein richtig gut klingender Single-Driver In-Ear, jedoch sollte man von ihm definitiv nicht die Performance besserer und deutlich teurerer Dual- und Triple-Driver In-Ears erwarten. Wo er hingegen (wie sehr viele Single-Driver) besser als die Konkurrenz mit mehreren Treibern ist, sind Sachen wie Natürlichkeit, Bühnendarstellung und insbesondere Kohäsion – der HSA besitzt eine nahtlos zusammenhängende Präsentation mit runder Bühne – Dinge, an denen manche In-Ears mit mehreren Treibern scheitern.

Alles in Allem bietet der HA-2 tatsächlich einen sehr guten Gegenwert – wäre ich bereit 500$ und mehr für ihn auszugeben? Definitiv nicht, hier gibt es klanglich (Auflösung, Geschwindigkeit, Instrumentenseparation) etliche hörbar bessere Multi-Driver In-Ears. Wäre ich bereit, zwischen 150 und 200$ für ihn auszugeben? Ja, womöglich, für den reinen Klang mit der guten Kohäsion, der höheren Auflösung und dem knackigen Single-BA Bass, dazu ist die Bühnendarstellung auch noch schön und der Abstand zum Etymotic ER-4S auch nicht mehr arg groß. Dennoch, für einen höheren Preis müsste das Kabel hochwertiger sein – aber da HiSoundAudio keinen übertriebenen Preis sondern lediglich 60$ verlangt, ist das Kabel eigentlich recht egal und man kann es dem In-Ear für diesen Betrag wirklich nicht anlasten.

Er klingt wirklich gut, insbesondere für den verlangten Preis, nichtsdestotrotz handelt es sich bei ihm noch immer um einen Single-BA In-Ear, der nicht die Kontrolle, Geschwindigkeit und Auflösung von besseren Multi-Drivern erreichen wird. Dennoch, für 60$ ist der Gegenwert sehr gut und der HA-2 übertrifft klanglich sehr viele Single-BA In-Ears in diesem Preisbereich.
Deshalb bekommt er recht einfach 5 von 5 möglichen Sternen.


Nachträgliche Änderung: Die UVP wurde von ~ 60 auf 99$ angehoben. Ab diesem Preisbereich sollte ein Kabel meiner Meinung nach schon flexibler und hochwertiger sein. Die Wertung wurde daher angepasst und auf 4,5 Sterne herabgestuft.