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Über den Eigenklang von Audio-Geräten (DAPs, DACs, Amps, ...) 🇩🇪


Einleitung -oder- Was ist eigentlich Geräte-Eigenklang?:

Die Theorie des Geräteklanges legt zugrunde, dass Komponenten des gleichen Types in der Klang-Kette vor dem Kopfhörer (also Wiedergabegeräte, Wandler, Verstärker) nicht gleich klingen, sondern sich (mehr oder minder deutlich) unterscheiden und es bessere und schlechter klingende Geräte gibt.

In Sachen Geräte-Eigenklang gibt es eigentlich zwei große Lager - die einen Nutzer, die ihn vehement vertreten und diejenigen, die ihn strikt ablehnen.

Gibt es den Eigenklang von Geräten? Nein, ja, jein, es kommt darauf an, manchmal, ... Na was denn nun? Ja, es gibt ihn, aber eigentlich ist er vernachlässigbar und fällt in der Regel minimal aus, wenn man die Geräte korrekt miteinander vergleicht und ist meist irrelevant, gar nichtig in seiner Ausprägung.
Hier folgt die Darstellung meiner Sicht auf das Thema "Geräte-Eigenklang".


Richtig vergleichen:

Ein direkter Vergleichstest mit den identischen Audiodateien bei der exakt gleichen Lautstärke zwischen den zu testenden Geräten ist entscheidend. Ein Angleichen der Lautstärke per Gehör ist nicht ausreichend, denn unser Gehör ist kein genaues Messinstrument. Eine schon geringfügig unterschiedliche Lautstärke wird in der Regel zu Gunsten des lauteren Gerätes ausgelegt (in meinem Review des Alpha & Delta AD01 wurde der Klang mit dem Upgrade-Kabel als minimalst besser wahrgenommen, da die Lautstärke mit diesem um 0,5 dB anstieg - ein Absenken um 0,5 dB führte zum exakt gleichen Klang), weshalb es wichtig ist, denn Pegel exakt messtechnisch anzugleichen, mit einer Lautstärke-Differenz der Testgeräte von weniger als 0,5 dB.
Obendrein sollten zur gleichen Zeit auf allen Geräten die gleichen Stücke abgespielt werden und der Vergleich zeitnah (binnen Sekunden) stattfinden - auf das Langzeitgedächtnis darf man sich bei solchen Kleinigkeiten nicht verlassen.


Den Eigenklang unterschiedlicher Geräte sollte man nicht überbewerten:

Die möglichen klanglichen Unterschiede, die manchmal gar nicht und oder nur minimal vorhanden sind, sollte man nicht überbewerten. Bei ihnen handelt es sich in der Regel um Nuancen, die beim normalen Hören abseits des gezielten Direktvergleiches von verschwindend geringer Relevanz sind.
In seltenen Fällen kommt es vor, dass sich ein Gerät hörbar von einem anderen unterscheidet, aber das bedeutet nicht unbedingt, dass es besser als das andere klingt, sondern einfach nur anders ist und dadurch besser zu den persönlichen Präferenzen passt. Und wenn dies der Fall ist, bedeutet das in der Regel auch, dass der Klang des Gerätes vom Ideal mehr oder minder stark abweicht (denn ein gut konstruiertes Gerät soll keinen wirklichen Eigenklang besitzen).
Und ganz wichtig dabei ist, dass die (ich kann es nicht oft genug betonen:) minimalen Unterschiede nicht überbewertet werden sollen, denn wir sprechen hierbei von Nuancen.


Die Eigenschaften und Messwerte formen den Klang:

Hier gibt es Eigenschaften, die offensichtlich sind: Frequenzgang (bspw. bei nicht sauber konstruierten Geräten oder NOS und Slow Roll-Off Filtern bei DACs), Ausgangsimpendanz (wichtig bei Kopfhörern und In-Ears, deren Impedanzverlauf keine glatte Linie ist) sowie Rauschverhalten (insbesondere mit empfindlichen Kopfhörern, aber auch bei weniger empfindlichen habe ich manchmal feststellen können, dass der Bass bei einem erhöhten Grundrauschen nicht mehr ganz so fest und sauber erscheint).
Nehmen wir mal an, zwei Geräte haben mit komplexer und ganz ohne Last einen perfekt linearen Frequenzgang (womit die Ausgangsimpedanz logischerweise auch sehr niedrig ist) sowie ein gutes Eigenrauschverhalten: selbst dann kann es in manchen Fällen vorkommen, dass die Geräte nicht identisch klingen. Nehmen wir uns hier mal der "Klangsignatur" von Geräten an - hier kann es zwischen zwei Geräten einen Unterschied geben: eine (von sich sehr überzeugte und elitäre) Audio-Firma spricht hier von Noise Floor Modulation, also der Modulation des Grundrauschens. Dies legt zugrunde, dass das Grundrauschen eines Wandler- oder Verstärker-Chips in manchen Fällen nicht über das gesamte Frequenzspektrum linear und gleichmäßig ist, sondern bei manchen Geräten z.B. in den tieferen respektive höheren Frequenzlagen stärker ausfällt und dadurch den Klang tonal (mehr oder minder geringfügig) verändert. Ganz ehrlich: ich halte dies für plausibel und definitiv nicht für Voodoo und Bauernfängerei. Nehmen wir mal zwei Geräte, den iBasso DX80 sowie HiFiMe 9018d DAC: beide haben ein hohes Grundrauschen und eine geringe Ausgangsimpedanz, dennoch klingt der DX80 bei angeglichenem Pegel (beide haben eine sehr feinstufige Lautstärkeregelung mit Stufen, die über den gesamten Regelbereich gleich bleiben, deshalb funktioniert dies messtechnisch relativ einfach) mit In-Ears (auch mit weniger sensitiven wie dem IE 800) tonal anders (der iBasso ist dunkler und wärmer, der HiFiMe heller und vergleichsweise kühler). (Gleiches gilt auch für den Shanling M2 im Vergleich zum DX80, wenn man beide mit dem IE 800 verwendet (aufgrund der hohen Ausgangsimpedanz des M2 kann man ihn nicht mit Mehrtreiber In-Ears verwenden, da deren Frequenzgang an ihm bedingt durch die Ausgangsimpedanz verändert wird).)
Die "Sanftheit/Geschmeidigkeit" und auch Dunkelheit/Wärme des Klanges, so habe ich im Nachhinein nach Betrachtung der Messungen festgestellt, kann bei manchen Geräten messbar sichtbar ausfallen, was hauptsächlich an THD-Spitzen bei angeschlossener Last liegt (iPod Classic, Elekit TU-HP02), die sich jedoch eigentlich noch unterhalb dessen befinden, was hörbar sein sollte (ganz subtil nimmt man sie wohl doch mit empfindlichen In-Ears wahr). Aber auch hier muss man sehr konzentriert hören und schon gezielt nach den Unterschieden suchen - sind diese deutlich hörbar, ist die Implementierung nicht ganz sauber.
Weshalb die Bühnendarstellung mancher Geräte mit denselben In-Ears bei exakt angeglichener Lautstärke und identischen Musikstücken variiert, ist mir bis jetzt noch nicht ganz schlüssig und die einzige Eigenschaft, deren Erklärung sich mir noch nicht aus den Messwerten oder Eigenschaften erschließt. Dass einzig allein der Stereo-Crosstalk, also das Kanal-Übersprechen, dafür verantwortlich ist, glaube ich nämlich nicht.

Und zum Schluss sei noch angemerkt, dass sich diese geringfügigen, häufig vernachlässigbaren Nuancen nach meiner Erfahrung in der Regel nur mit empfindlichen und technisch aufwändigeren Multi-Treiber In-Ears feststellen lassen; bei Bügelkopfhörern (selbst mit meinem LCD-X oder HD 800) fallen diese Kleinigkeiten dann wieder weg und alle Quellgeräte klingen in der Tat quasi gleich in ihren Attributen (wobei ich sagen muss, dass es bei manchen Geräten einen minimalst festeren Bass als bei anderen gibt, wenn ich orthodynamische Kopfhörer verwende).
Auf Sachen wie "Auflösung" bei Verstärkern, DACs und Playern will ich gar nicht erst eingehen, denn diese existiert so meiner Meinung nach einfach nicht. Dabei gibt es einfach Geräte, die sehr solide konstruiert sind, mit guter Implementierung der Teile, und solche, die mittelmäßig konstruiert sind und daher mit empfindlichen In-Ears etwas weniger transparent und dynamisch klingen. Wenn der innere Aufbau mit den Messwerten besonders gut ist, kann sich dies mit manchen In-Ears durch einen ganz geringfügig transparenteren Klang bemerkbar machen - aber auch hier, so sollte man beachten, ist das Resultat mit korrekt angeglichenen Pegeln in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle verschwindend gering.


Audio is kein Hexenwerk mehr -oder- Teurer ist nicht unbedingt gleich besser:

..., es sei denn, man hört hauptsächlich mit seinem Geldbeutel und den Augen, denn die Psychoakustik ist ein nicht zu unterschätzendes Phänomen bei der Wahrnehmung des Klanges von Geräten - was das Gehirn wahrnimmt, muss nicht zwangsweise auch vorhanden sein, kann jedoch durch die Haptik, den Preis und die persönliche Einstellung beeinflusst werden.
Es ist kein Hexenwerk mehr, ein klanglich sauberes Produkt zu erschaffen und auch die Preise für die benötigten Halbleiter halten sich in überschaubaren Grenzen. Auch muss ein neueres Produkt nicht zwingend besser als ein altes sein (mein PD-S701 CD-Player aus den frühen 90er Jahren ist so z.B. direkt betrieben mit meinem Sennheiser HD 800 nicht minder gut als ein dedizierter moderner Kopfhörerverstärker, auch wenn ich (des besseren Gefühls wegen) den Ausgang des Pioneer nicht nutze und das Signal digital abgreife).
Dann gibt es natürlich auch Geräte, die sich von anderen klanglich unterscheiden, aber nicht unbedingt im Guten: mit dem UERM direkt am Phonitor 2, der einen sehr geringen Ausgangswiderstand besitzt (Crossfeed war selbstredend deaktiviert), war ich so etwa von der Abnahme an Transparenz im Vergleich zum Betrieb direkt am iBasso DX90 arg enttäuscht (obwohl ich damals noch mit dem Gedanken "alle Geräte klingen praktisch gleich" an das spontane Probehören heranging; der Phonitor 2 war es übrigens auch, der mir aufzeigte, dass es zwischen manchen Geräten doch einen (wenngleich auch meist sehr gering ausfallenden) klanglichen Unterschied gibt und mich ab da an genauer und konzentrierter sowie mit einer etwas veränderten Einstellung gegenüber des Geräte-Eigenklangs ("Unterschiede kann es geben, doch sind sie in der Regel vernachlässigbar gering") vergleichen ließ).
Andere Geräte klingen "anders" als andere, aber weder besser noch schlechter: eine dieser Ausnahmen, dass ein Gerät tonal etwas aus der Reihe fällt, ist der iBasso DX80, der selbst über den Line Out (Leckerton UHA-6S.MKII und Elekit TU-HP02 am Line Out des iBasso DX90 sowie Shanling M2 und FiiO X3 zum Vergleich) etwas wärmer und "organischer" als die anderen Audio-Player, deren Klang über den Line Out für mich exakt identisch ist, klingt. Dabei ist er (abgesehen vom hohen Grundrauschen) ansonsten jedoch nicht wirklich besser oder schlechter als der DX90, sondern einfach nur etwas "anders", was im Endeffekt Geschmacksache ist (und sich auch nicht als Tag- und Nacht-Unterschied darstellt, obgleich der Unterschied größer als sonst üblich ausfällt).
Um nochmal auf die "teuer ist nicht gleich besser" Thematik zurückzukommen (-> das eher etwas enttäuschende Erlebnis mit dem Phonitor 2 in Verbindung mit In-Ears): ein polarisierender Hersteller von Kopfhörern bietet auch einen Kopfhörerverstärker um 400€ an, dessen Schaltung sehr einfach aufgebaut ist (cMoy-Niveau) und sogar mit Bügelkopfhörern deutlich hörbar rauscht, also eigentlich partiell eine Fehlkonstruktion ist (auf die Nennung des Modellnamen verzichte ich, da ich das Produkt nicht persönlich gehört habe - eines sei dabei jedoch gesagt: es handelt sich um ein amerikanisches Produkt und den einzigen Kopfhörerverstärker des Herstellers).


Fazit:

Generell kann man sagen, dass die klanglichen Unterschiede zwischen verschiedenen Geräten üblicherweise nur (wenn überhaupt) sehr oder relativ subtil ausfallen und Ausrutscher zu den Extremen nur selten auftreten (bei korrekt angeglichenem Pegel beim Vergleichen). Klangliche Unterschiede zwischen Geräten sollten nicht überbewertet werden und da sie meist so klein sind, sind sie beim regulären und nicht super konzentrierten und gezielt vergleichenden Hören (was über Stunden gehen kann, um die Unterschiede gezielt zu suchen) recht irrelevant. Teurere Geräte sind nicht unbedingt besser als günstige - manche Produkte im Low Budget Bereich können durchaus besser sein als weitaus teurere. Die geringfügigen Unterschiede lassen sich in der Regel auch anhand der Messwerte unter Last nachvollziehen. Bügelkopfhörer reagieren viel weniger kritisch auf unterschiedliche Quellen und klingen an fast allen nahezu gleich. Audio ist subjektiv und beruht in hohem Maße auf Psychoakustik und der Erwartungshaltung des Hörers.