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FiiO EM3 Earbuds: bassstark und günstig, jedoch mit (zu) verfälschten Mitten - [Review] 🇩🇪


Prolog:

Earbuds – ich mag Earbuds, eigentlich zumindest. Bei günstigeren Audio-Playern und den meisten Smartphones befinden sich Earbuds statt In-Ears im Lieferumfang, manchmal sind diese sogar recht brauchbar. Für den durchschnittlichen Verbraucher sind Earbuds sogar vorteilhafter, denn diese müssen sich nicht damit herumplagen, die richtige Aufsatzgröße zu finden, wie es bei In-Ears ein Muss für einen guten Klang ist.
Earbuds isolieren nicht. Das kann sowohl ein Vor- als auch ein Nachteil sein – ein Vorteil, da man seine Umgebung nahezu gänzlich mitbekommt, ein Nachteil insofern, dass die Musik in lauter Umgebung stark maskiert wird (was bei manchen Menschen dazu führt, dass sie ihre Earbuds in Lautsprecher zur Umgebungsbeschallung umwandeln, aber auch das habe ich schon bei manchen Trägern von In-Ears erlebt).
Die günstigen und anständig klingenden EarPods von Apple verwende ich gern zum Sport, aber auch gelegentlich zu Hause zum Entspannen höre ich Musik mit Earbuds, wenngleich auch weniger kritische.

FiiO bedarf wohl keiner großen Vorstellung mehr, so ist der chinesische Audiokonzern besonders in den letzten paar Jahren stark expandiert. Nun bietet das Unternehmen in seinem Produktportfolio seinen dritten Kopfhörer an – der erste war der als OEM-Produkt in Zusammenarbeit mit DUNU entstandene EX1 („earphone for X1“, als preisgünstige Killer-Kombo unter 200$ in Verbindung mit dem X1 angepriesen), der zweite die weißen Earbuds, die dem Low-Budget Player M3 beilagen. Kopfhörer Nummer drei ist der EM3 (na, was bedeutet wohl die Namensgebung?
J), der praktisch identisch mit dem Beipack-Hörer des M3 ist, jedoch in schwarzer Farbe, einem gewinkelten Stecker sowie einer höheren Impedanz entwickelt wurde und kein OEM-Produkt, sondern eine Eigenkreation von FiiO ist. Um möglichst viele Menschen ansprechen, hat FiiO die UVP sehr niedrig gesetzt – denn der EM3 soll weltweit unter 20$ kosten.

 Bei Head-Fi hat FiiO eine Ausschreibung gestartet und nach 20 Reviewern für den EM3 gesucht. Ich habe mich eingeschrieben und wurde auch ausgewählt – danke dafür, FiiO! Daraufhin habe ich die Earbuds kostenfrei für einen ehrlichen und unbefangenen Test erhalten, was jedoch meine Meinung in keinster Weise beeinflusst – generell spiegelt jedes Review von mir meine ehrliche Meinung über das Produkt wieder.


Technische Daten:

http://fiio.net/en/products/52
Weltweiter Preis: < 20$; UVP = 9,99$
Treiber: dynamisch, 14,8 mm
Frequenzgang: 20 Hz – 20 kHz
Impedanz: 47 Ohm
Empfindlichkeit: 109 dB
Gewicht: 13,6 g
Kabellänge: 120 cm


Lieferumfang:

Bei einem so günstigen Produkt darf man hier nicht allzu viel erwarten, doch ist der EM3 eine angenehme Überraschung. Die Verpackung der Earbuds ist recht klein, schmal und lang, bildet das Produkt ab und benennt es. Das EM3 Logo unten auf der Vorderseite ist ganz clever gemacht und stellt auch horizontal gespiegelt noch „EM3“ dar.
Auf der rechten Seite befindet sich das von FiiO bekannte Rubbel-Siegel zum Überprüfen der Authentizität des Produkts, die Rückseite bildet, sauber dargestellt, die technischen Daten in chinesischer sowie englischer Sprache als auch QR-Codes zu FiiOs Web- und Social Media-Seiten ab.




Öffnet man die matte, unbeschichtete Kartonverpackung, kann man das Behältnis mit den Earbuds wie eine Schublade mit einer Art Ausziehhilfe herausnehmen. Nimmt man den semitransparenten Kunststoffdeckel ab, erblickt man neben den Earbuds eine Schnellstartanleitung sowie eine kleine Schachtel, in der sich eine Tüte mit drei Paaren an Schaumstoff-Überzügen befindet.

Obwohl der EM3 ein günstiges Produkt ist, kann man erkennen, dass man sich bei der Gestaltung hier Gedanken gemacht hat.


Optik, Haptik, Verarbeitung:


„Tarnmodus“ – nichts auf den Earbuds deutet darauf hin, dass sie von FiiO stammen, lediglich kleine Seitenmarkierungen in Form der klassischen L & R Buchstagen gibt es.
Das Kabel, das ein gängiges Standard-Modell ist, könnte zwar minimal flexibler sein, wirkt dafür jedoch sehr stabil. Der 3,5 mm Klinkenstecker ist gewinkelt, sieht robust aus und weist einen sehr guten Knickschutz auf, den es auch an den Earbuds selbst gibt. Am Y-Splitter fehlt dieser jedoch leider.
Etwa auf Höhe des Halses befindet sich auf der linken Seite ein Mikrofon mit einer Taste zur Wiedergabe- und Anrufsteuerung, die sich gut erreichen und betätigen lässt.
Die Earbuds selbst sind recht simpel gestaltet und besitzen, wie die alten Apple Earbuds, ein feinmaschiges Drahtgeflecht vor dem Treiber.

„Form follows Function“ lautet hier die Devise.






Tragekomfort, Isolation:

Der Tragekomfort bei Earbuds fällt natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich aus. In meinen großen Ohren habe ich keine Probleme mit den EM3 von FiiO, denn diese sitzen sicher und relativ bequem, auch wenn sich die EarPods von Apple oder die Earbuds von Pai Audio noch etwas bequemer tragen lassen.
Der Halt ist recht gut und ich kann sogar einen Handstand machen, ohne dass die Ohrhörer verrutschen.
Die Mikrofonie (Kabelgeräusche) ist eher durchschnittlich, lässt sich jedoch umgehen, wenn man die Earbuds regulär einsetzt und das Kabel schließlich über die Ohren führt.

Über Isolation brauche ich hier wohl eher nicht zu sprechen, denn Earbuds sollen Prinzip-bedingt Umgebungsgeräusche gar nicht ausblenden und dies auch nicht sollen.


Klang:

Als Quellgeräte nutzte ich meinen FiiO X3, iBasso DX90, sowie den DX80 und AGPTek C05.
Sicherheitshalber habe ich die Earbuds vor dem Nutzen für 50 Stunden mit Rauschsignalen eingespielt, obwohl ich kein Vertreter der Burn-In Theorie bei Kopfhörern bin.

Tonalität:

Ohne Schaumstoff-Aufsätze:

Bei Earbuds ändert sich der Klang teils recht stark, in Abhängigkeit davon, wie dicht die Ohrhörer den Gehörgang abschließen. Beim EM3 tritt dieser Effekt ziemlich deutlich zum Vorschein: setze ich ihn tiefer ein, sodass er meinen Gehörgang komplett und fest abschließt, klingt er ziemlich bassig und sehr dunkel, mit Mitten, die viel zu sehr auf der dunklen und verfärbten Seite spielen (die unteren Mitten sind ziemlich stark angedickt). Lockere ich den Sitz ein wenig (der EM3 sitzt jedoch noch immer bombenfest in meinen Ohren), nimmt der Bass etwas an Quantität ab (ist jedoch noch immer hörbar betont), der Hochtonpegel steigt ein wenig an (befindet sich jedoch noch immer auf der zurückhaltenden, dunklen Seite) und die Mitten erscheinen ein Stück weniger verfärbt, bei einem noch immer unbestreitbar stark dunklen und warmen Charakter. Ohne Equalizer kann man den Earbuds so also keinen neutralen Mittelton oder Brillanz im Hochton entlocken.

Höre ich mit einem Sinus-Generator und Rausch-Signalen, stellt sich die Tonalität wie folgt dar: zwischen 50 Hz und 1,2 kHz gibt es einen gleichmäßigen Bass- und Grundton-Buckel, welcher dem Klang diese Fülle verleiht und die unteren Mitten stark anfettet. Von um die 12 dB herum kann man da ruhig sprechen. Positiv fällt dabei jedoch auf, dass es auch um 50 Hz herum noch einen mehr oder minder ordentlichen Tonumfang gibt, auch wenn der Tiefbass darunter bauartbedingt natürlich klar weniger stark vorhanden ist. Für einen Earbud ist das schon eine ziemlich beachtliche Performance, was auch daran liegt, dass der Pegel unterhalb von 100 Hz gleichmäßig und nicht zu schnell abrollt.
Oberhalb von 1 kHz befindet sich dann alles hörbar im Hintergrund (abgesehen von sehr flach und gleichmäßig ausfallenden Pegel-Anstiegen bei 3, 5,7 sowie 10 kHz in meinen Ohren, die jedoch noch immer klar unterhalb der Null-Linie liegen), was dem Klang eine Dunkelheit und Entspanntheit verleiht. Oberhalb von 12 kHz rollt der Pegel dann ab.
Positiv erwähnenswert dabei ist, dass es keine schmalbandigen Betonungen oder Senken gibt, dennoch fehlt es der Abstimmung etwas an Natürlichkeit.

Wer mich kennt, weiß, dass ich die Bass- und Hochtonquantität eines Kopfhörers nicht wirklich bewerte (es sei denn, die Abstimmung wirkt sich hier zu sehr auf die Erträglichkeit aus), da dies einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, der Mittelton hingegen eine wichtige Position in der tonalen Wertung einnimmt und ohne große Ausbrüche zur zu hellen oder zu dunklen Seite erscheinen sollte. Und hier patzt der EM3 und verliert etwas an Punkten, denn Stimmen und Instrumente im mittleren Frequenzband werden hörbar auf die fülligere, dunklere Seite gezogen. Ein weiter untern beginnender Grundton mit mehr Pegel in den Oberen Mitten würde dazu führen, dass die Grundtonalität mit Fülle und bassstarkem, dunklem Klang erhalten bliebe, die tonale Balance im Mittelton jedoch korrekter wäre. Für einen ausgewogeneren Klang mit einem natürlicheren Mittelton und neutraleren Bässen/Höhen würde ich eine Equalizer-Kurve mit Ähnlichkeit zu einerFunktion wählen.

Freunde von warmen, dunklen, bassigen Klängen mit dicken unteren Mitten könnten hier auf ihre Kosten kommen. Tonal erinnert mich der EM3 an einen bassigeren, wärmeren sowie dunkleren Koss Porta Pro.


Mit Schaumstoff-Aufsätzen:
Mid- und Oberbass nehmen in meinen Ohren etwas ab, sobald die Schaum-Aufsätze aufgezogen sind, was zur Folge hat, dass der Bassbereich mitsamt dem Grundton etwas glatter und gleichmäßiger klingt. Leider hat die Nutzung der Überzüge auch den Nachteil, dass der Hochton nochmals etwas abgesenkt wird und die Mitten dementsprechend ebenfalls noch dunkler klingen. Wie auch erwartet, wird der Klang auch insgesamt etwas nebliger.
Die nachfolgende Bewertung der  eigentlichen Klangqualität fand daher auch ohne die Aufsätze statt.

Auflösung:

Für den Preis ist die Auflösung recht angemessen. Weder „super big bang for the buck“ noch zu enttäuschend. Über den gesamten Frequenzbereich zieht sich hier ein gewisser Schleier, der hier jedoch in Ordnung geht, und die EM3 Earbuds spielen insgesamt sauberer und mit weniger hörbaren Verzerrungen als meine BlackBerry WS-430 Earbuds, für die ich etwa 18€ ausgegeben habe, was schon mal ein gutes Zeichen ist.
Der Bass ist eigentlich recht kontrolliert, wirkt dennoch ein wenig matt sowie stumpf und könnte schneller sein (hier wäre bei gleichem Tieftonpegel mehr Kontrolle mit weniger Rumpeln vielleicht nicht allzu verkehrt). Qualitativ ist er nicht ganz schlecht und ich kann keine nennenswerten Verzerrungen heraushören, dazu ist der Basskörper angenehm, wenngleich nicht so gut definiert wie bei dem um ein Vielfaches teureren und besseren DUNU Alpha 1 (der jedoch leider das Problem hat, dass er nur mit einem guten Sitz und Seal auch gleichmäßig klingt).
Stimmen sind nicht die feingezeichnetsten und auch die Höhen könnten differenzierter klingen, aber insgesamt verrichtet der EM3 seinen Dienst ordentlich für einen günstigen Earbud mit Mikrofon und Verpackung.

Der Klang ist zwar nicht der detaillierteste, schnellste oder natürliche, jedoch angenehm, gefällig und ohne nervige Attribute und einer guten Langzeittauglichkeit.
Im Zweifelsfall würde ich manchen In-Ears in diesem Preisbereich dennoch den Vorzug gewähren (z.B. KZ HDS1 oder ATE, Xiaomi Piston Colorful Starter Edition), sofern man mit Silikonaufsätzen umgehen kann und nicht primär auf der Suche nach den Eigenschaften eines Earbuds ist.
Für etwa 10$ sollte man sich aber auch nicht übermäßig über die Performance beschweren.

Räumliche Darstellung:

Der gebotene Raum ist recht rund, offen und groß, mit einem sehr gut ausgewogenen Verhältnis zwischen Breite, Tiefe und Höhe in der Präsentation. Messerscharfe Instrumentenplatzierung oder eine Darstellung von Leere zwischen einzelnen Instrumenten sollte man hier jedoch nicht erwarten, was sich bei unter 20$ aber auch gut verschmerzen lässt.

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Im Vergleich mit anderen Earbuds:



Blackberry WS-430 (für ~ 18€ gekauft):
Das Kabel des EM3 ist ein ganzes Stück besser und besitzt den wirksameren Knickschutz.
Die BlackBerry Earbuds sind die vergleichsweise neutralsten von den vier hier verglichenen Modellen, jedoch auch die mit dem schlechtesten Tieftonumfang (vergleichbar mit den alten Apple Earbuds). Die Mitten des WS-430 sind tonal korrekter, mit nur einem geringen Hauch von Wärme.
Der Bass des WS-430 ist etwas knackiger, aber in den anderen Frequenzbereichen ist der FiiO geringfügig detaillierter, was aber vom Grundton teils auch kaschiert wird.
Die Bühne des Blackberry erscheint geringfügig schmaler, jedoch tiefer und mit der präziseren Instrumentenplatzierung.

Pai Audio 3.14 Flat (für ~ 19€ gekauft):
Das Kabel des Pai ist flexibler als das des EM3.
Der FiiO im Bass klar betonter (Kickbass, Grundton) und insgesamt noch etwas dunkler und wärmer abgestimmt. Vergleicht man den Pai mit dem FiiO, klingt ersterer heller und natürlicher, obwohl der 3.14 Flat bereits schon ein im Hochton etwas dunkel spielender Earbud ist.
Beim Pai hatte ich schon bemängelt, dass dieser in den Mitten zu dunkel klingt, um gänzlich natürlich zu erscheinen und der mich deshalb insgesamt an den Koss Porta Pro mit besserer Balance erinnert. Der EM3 klingt nochmal eine ganze Ecke bassiger als der 3.14 Flat, mit den dunkleren Mitten und dem stärker bedämpften Hochton.
Durch die geringere Bassbetonung spielt der Pai etwas knackiger und besitzt den natürlicheren Körper, in Sachen Basskontrolle sind beide allerdings recht ähnlich. Die Auflösung im Mittelton ist bei beiden Earbuds gleich, im Hochton klingt der EM3 trotz des dunkleren Charakters geringfügig differenzierter. Die Bühne des Pai 3.14 Flat ist etwas breiter und weniger tief als die des EM3, dafür jedoch präziser, mit der genaueren Staffelung und Instrumentenplatzierung.

Apple EarPods (für ~ 28€ gekauft):
Die EarPods klingen badewanniger (Kickbass, unterer Grundton und untere Höhen betont), doch mit der geringeren Bassquantität.
Die Mitten der EarPods sind tonal besser gemacht, dennoch auch etwas künstlich bei höheren Stimmen (leichte Metalligkeit und etwas heller als neutral). Der Mittelton der EarPods spielt distanzierter, beim EM3 klingt dieser direkter. Im Hochton haben die EarPods auch eine leichte Metalligkeit, die dem EM3 fehlt, der hier sehr gleichmäßig, wenngleich auch ziemlich dunkel, klingt.
Der Bass des EM3 stärker betont und reicht etwas tiefer, dafür ist dieser bei den EarPods knackiger, kontrollierter und der Basskörper wirkt echter. Die Bühne ist bei beiden Earbuds in etwa gleich groß, mit etwas mehr Breite beim EM3, doch besitzen die EarPods die schärfere Instrumentenplatzierung und –separation.


Fazit:



Die FiiO EM3 Earbuds sind ein solides und insbesondere preisgünstiges Produkt mit einer sanften, bassstarken, bass-orientiert rumpelnden und dunklen, ermüdungsfreien tonalen Abstimmung und gutem Tiefgang, obwohl es sich „nur um Earbuds“ handelt. Der EM3 zeigt einige gute Attribute, könnte insgesamt jedoch etwas mehr Feinheit hier und da vertragen, besonders im Mittelton. Andererseits, FiiO war schon immer darum bemüht, die Interessen seiner Kunden gut umzusetzen (was in der Regel auch sehr gut gelungen ist), und hier passt der EM3 für einen preisgünstigen Earbud sehr gut ins Bild.
Dennoch würde ich es wertschätzen, wenn ein Teil der Kritik wahrgenommen würde und es vielleicht ein technisch höher angesiedeltes Earbud-Modell von FiiO gäbe, mit mehr Feingefühl und einem etwas realistischeren Mittelton.

61% oder 3 von 5 möglichen Sternen mit einer Empfehlung für Audio-Neulinge und diejenigen, die einen sanften, bassstarken und mitnehmenden Klang mit warmen, dicken (unteren) Mitten mögen.
Meine Empfehlung an FiiO ist, den oberen Grundton/die unteren Mitten abzusenken und den Pegel in den oberen Mitten anzuheben (im Rahmen der Abstimmungsmöglichkeiten mit dem Gehäuse/Treiber), um einen flacheren, natürlicheren Mittelton zu schaffen – der Basseinschlag bliebe erhalten und der Hochton behielt seinen dunklen Charakter, die Mitten wären hingegen korrekter.