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Shozy Zero: noch so ein gehypter, angeblicher Low Budget Game-Changer (?) - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Seit Jahren als OEM-Produzent und Entwickler für Audio-Produkte im Hintergrund agierend, hat ein Team aus Entwicklern 2012 beschlossen, unter eigenem Namen eine Firma zu gründen und Audio-Produkte für Hi-Fi-Begeisterte herzustellen. So ist Shozy, eine Handelsmarke von Cozoy International, entstanden.

Vor einiger Zeit stand ich mit Shozy in Kontakt, ein Produktreview der schick anmutenden Cygnus
Earbuds betreffend. Der Shozy-Mitarbeiter erwähnte beiläufig, dass sie einen günstigen In-Ear mit Rosenholzgehäuse und einem dynamischem Treiber je Seite in Planung hatten, ein Modell mit dem günstigen Preis von 50$, das angeblich bis zu 10 Mal besser sein sollte, als es der Preis suggeriert. Nun, diese Geschichte ist nichts Neues (, so gibt es in amerikanischen Internetforen etliche Nutzer, die einem 10-30$ Produkt die Performance eines für bis zu/über 1000 nachsagen, was sich jedoch in so gut wie jedem Fall als gänzlicher Nonsens herausgestellt hat, besonders einmal, als dem 10$ Ivery IS-1 von vielen Nutzern im dazugehörigen Head-Fi Thread, der später entfernt wurde, eine hohe Neutralität mit den technischen Fertigkeiten eines Sennheiser HD 800 nachgesagt wurde, was ich zwar nicht im Ansatz glaubte aber dennoch ein Exemplar kaufte, um dann festzustellen, dass es sich bei ihm um einen der schlechtesten, Bass-übertriebensten, an Kontrolle mangelnden In-Ears, die ich je gehört hatte, handelt, obwohl es tatsächlich manche In-Ears gibt, die technisch besser sind, als es der Preis vermuten ließe, aber nicht im geringsten so dermaßen deutlich), so teilte ich ihm ehrlich mit, dass ich nicht wirklich interessiert sei, doch er antwortete mir, dass er einfach ein Exemplar mit einpacken werde und es dann meiner Entscheidung obliege, ob ich den In-Ear aus Rosenholz, dessen Name sich dann später als „Zero“ herausstellte (http://www.shozy-hk.com/zero-earphone/), testen werde oder eben nicht.
Nun, wie man sehen kann, habe ich ihn getestet, obwohl mich solche Übertreibungen und Hypes schon im Vornherein innerlich negativ stimmen - eine Grundeinstellung, die es zu vermeiden galt, um so objektiv wie möglich zu bleiben.

Erhältlich sind die In-Ears auch bei Amazonhttp://amzn.to/2d85Ez2


Technische Daten:

Preis: ~ 50$
Empfindlichkeit (bei 1 kHz): 94 dB
Frequenzgang: 20 Hz – 18 kHz


Lieferumfang:

Mein Modell kam ohne richtige Verpackung, da diese zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig war. Ich erhielt lediglich den In-Ear mit drei Silikonaufsatz-Paaren.




Optik, Haptik, Verarbeitung:

Keines der Bilder, meine eigenen inklusive, stellen den In-Ear in seiner wahren Pracht dar. Auf den Bildern wirkt das Rosenholz durchschnittlich bis billig – in Wirklichkeit sieht es sehr schön aus und fühlt sich auch sehr gut an, mit einer schönen Maserung.
Die In-Ears, der Y-Splitter (dem leider ein Kinnschieber fehlt, der dafür jedoch sehr schön „Zero“ eingraviert hat) und auch der 3,5 mm Klinkenstecker (ebenfalls mit eingraviertem „Shozy“ logo) sind aus hochwertig anmutenden Rosenholz gefertigt. Der Knickschutz ist überall gut und direkt unterhalb des Y-Splitters ausreichend.
Die Seitenmarkierungen sind recht klein und schwierig zu erkennen.
Das Kabel: kennt ihr die In-Ears von KZ (Knowledge Zenith)? Es ist mit diesem identisch und nur etwas dunkler. Wie auch schon bei den KZ In-Ears erwähnt, ist das Kabel ziemlich gut, flexibel, scheint robust, ist etwas Gummi-artig und besser als manche Kabel höherpreisiger In-Ears.







Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears sind etwas kleiner als durchschnittlich und einfach einzusetzen. In meinen großen Ohren sind der Komfort sowie der Sitz exzellent. Wie bei den meisten In-Ears dieses Typs kann man das Kabel sowohl klassisch nach unten aber auch professionell über die Ohren geführt tragen – Letzteres praktiziere ich mit so gut wie allen In-Ears. Dies hilft auch, die Mikrofonie drastisch zu reduzieren, denn bei der „klassischen“ Methode ist sie durch das Fehlen eines Kinnschiebers recht stark ausgeprägt.

Ich kann keine Belüftungsöffnungen erkennen, dennoch ist die Geräuschisolation eher durchschnittlich, vielleicht minimal besser. Definitiv kein UE200- oder SE425-Niveau, zwei In-Ears, die gänzlich geschlossen sind und sehr gut isolieren.


Klang:

Wie von Shozy vorgeschrieben, habe ich den Hörer vor dem Testen für 200 Stunden (D’oh!) mit symphonischer Musik einspielen lassen, obwohl ich kein Vertreter der Burn-In Theorie bei Kopfhörern bin.
Zum Hören verwendete ich hauptsächlich den LH Labs Geek Out IEM 100, Leckerton UHA-6S.MKII, iBasso DX90 sowie DX80 und die größten mitgelieferten Silikonaufsätze.

Tonalität:

In meinen Ohren ist der Klang sanft mit bassig-warmer jedoch eher badewanniger Tendenz.

Der Bass ist voluminös, reicht bis in die tiefsten Register, streut nicht zu sehr in die unteren Mitten, ist schnell, ohne Weichheit oder Übertreibung (im Preisbereich). Er steht im Vordergrund, ist aber nicht allzu nervig oder übertrieben wirkend. Der Klang ist bassig, jedoch musikalisch genießbar, wenngleich ein ganzes Stück bassstärker als der Etymotic ER-4S oder auch UERM (besonders im Oberbass). Wer einen geringfügig ausgeprägten oder gar neutralen Tiefton sucht, sollte sich trotzdem eher anderweitig umsehen.

Obwohl die Messungen um 12 dB im Vergleich zum Etymotic signalisieren, höre ich mit dem ER-4S mit EQ-Eingriffen und Sinus-Sweeps nur etwa 10 und im Vergleich zum UERM 7 dB mehr Bass als neutral wäre. Der Tiefton ist voll und präsent, für Bassheads wahrscheinlich jedoch zu wenig. Für meinen Geschmack gibt es meist zu viel Bass, besonders Kickbass, was aber auch daran liegt, dass der Oberbass/untere Grundton recht präsent ist, etwas, das ich nicht so sehr mag – meiner Meinung nach könnte der Bereich weniger präsent und kickend sein.
Der Bass beginnt bei 800 Hz anzusteigen und erreicht seinen Höhepunkt bei etwa 90 Hz, ist aber auch schon zwischen 100 und 200 Hz recht voll und bollernd (bei guter Kontrolle) – die Form der Bassbetonung folgt eher einem Buckel als einer Linie und ist deshalb bereits recht präsent und warm im Grundton sowie den unteren Mitten (mit geringerer Ausprägung).
Ja, der Bereich der Stimmen befindet sich mehr auf der voluminösen und warmen, etwas dunklen Seite, dennoch würde ich ihn nicht als verfärbt oder unnatürlich betrachten.
Zwischen 1 und 3 kHz höre ich eine moderate Senke beim Sweepen, gefolgt von ansteigendem Pegel oberhalb von 3 kHz, der in einen breitbandigen Peak oberhalb von Null zwischen 5 und 8 kHz endet. Darüber ist der Pegel etwas geringer ausgeprägt, reicht jedoch noch mit sehr gutem Pegel bis mehr als 16 kHz.

Der Klang ist insgesamt doch recht natürlich, musikalisch. Der Bass wird durch den Hochton ausgeglichen, steht dennoch nicht zu sehr im Mittelpunkt und sorgt lediglich für die richtige Menge Glitzern und wahrgenommener Luftigkeit. Dennoch, der mittlere und obere Hochton befinden sich in meinen Ohren unbestreitbar im Vordergrund – etwas, das sich nicht wirklich auf Messgraphen zeigt (zumindest nicht in den mittleren Höhen) sondern gegenteilig ist; in meinen Ohren stellt sich das Ganze dennoch anders dar – möglicherweise handelt es sich dabei um eine Resonanz in meinem Gehörgang.
Die Natürlichkeit ist relativ gut, da die Peaks, wie bereits erwähnt, breitbandig ausfallen und der Abklang der oberen Frequenzen weder zu schnell noch zu langsam erfolgt. Bei geringen Abhörlautstärken passt die Klangsignatur dann auch wieder und klingt dann sehr ausgewogen (Stichwort: Loudness).

Auflösung:

Der Zero ist definitiv nicht der super duper Killer, der viel teurere In-Ears mit mehreren Treibern an die Wand spielt (das ist er nicht mal im Ansatz). Auch ist er nicht der beste dynamische In-Ear, den ich kenne. Nichtsdestotrotz ist das, was für etwa 50$ geboten wird, sehr gut und der Shozy spielt gleich gut wie andere als sehr gut gehandelte dynamische In-Ears im niedrigeren Preisbereich (z.B. TE-02, B3 Pro I, A65, M3 (Direktvergleiche weiter unten)). Manche Dinge macht der Zero sogar geringfügig besser als diese anderen In-Ears, die auch mehr kosten könnten, was die reine Klangqualität betrifft.
Sind die meisten höherpreisigen dynamischen In-Ears überteuert oder sind die guten Budget-Modelle (einschließlich des Zero) einfach nur besser, als es der Preis suggeriert? Oder etwas von beidem? Das darf jeder gern für sich selbst entscheiden. Wenn man sich die Herstellungs- und Einkaufspreise ansieht, sind dynamische viel günstiger als BA Treiber, Marketing und Entwicklung fließen aber natürlich auch in den Endpreis ein. Deshalb könnten gut klingende dynamische In-Ears auch zu geringen Preisen angeboten werden, wenn der Hersteller keinen großen Gewinn je einzelner Verkaufseinheit einfährt und die Kosten für Entwicklung/Marketing/Design/Fertigung niedrig gehalten werden können.
Aber genug Bla-Bla, zurück zum Shozy Zero: er klingt für den Preis gut. Kann er mit manchen anderen dynamischen In-Ears um 200$ mithalten? Ja. Ist er technisch besser als die meisten In-Ears mit mehreren Balanced Armature Treibern? Nicht im Geringsten, aber wer dynamische Treiber generell präferiert, könnte den Shozy trotzdem als für sich selbst besser empfinden, besonders wenn die Tonalität zu den eigenen Präferenzen passt. Objektiv ist er dann aber doch noch ein größeres Stück von guten Multi-BA In-Ears entfernt.

Die Bassqualität ist für einen dynamischen In-Ear sehr gut. Schnell, präzise, knackig, gut kontrolliert und ohne Schwammigkeit/Weichheit. Schnelle Musik mit komplexen, schnellen Basslinien stellt kein Problem dar. Dennoch, wenn wir schon im höheren Preisbereich sind, könnte der Shozy hier detaillierter sein. Aber er kostet nicht so viel; von daher geht dies schon in Ordnung. Für 500$ würde ich mir mehr Details wünschen. Bei 200$ nicht unbedingt und erst recht nicht bei einem Preis von 50$. Die ist der Zero nämlich allemal ohne wirkliche Einschränkungen wert.
Details im Mittelton werden schön präsentiert. Nicht so wunderbar wie bei einem LEAR LHF-AE1d, aber mit dennoch guter Aufdeckung feiner Details und guter wenngleich nicht überragender Sprachverständlichkeit (kein BA-Niveau).
Der Hochton klingt relativ natürlich und gut gezeichnet, mit guter Luftigkeit. Wäre ich pingelig, könnte ich sagen, dass Violinen einen geringen Hang zu Schärfe hätten und dass diejenigen, die keinen etwas betonten oberen Hochton mögen, mit dem Zero nicht ganz glücklich bei höheren Lautstärken werden, aber generell ist fast kein In-Ear gänzlich perfekt (weder mein UERM noch mein heißgeliebter ER-4S). Der Abklang im Hochton ist auf den Punkt genau.
Für 50$ bekommt man mit dem Zero schon eine Menge geboten, aber das gilt auch für andere gute Budget-Modelle. Abgesehen von vielleicht der Kohärenz bei manchen Modellen wird man mit guten Multi-BA In-Ears zwischen 200 und 500$/€ nochmal um einiges mehr geboten bekommen. Wer den Charakter dynamischer In-Ears mag, könnte dennoch subjektiv mehr Gefallen am Zero finden.

Räumliche Darstellung:

Luftig. Luftig und gut positioniert. Muss ich mehr sagen? Nicht unbedingt, aber es schadet nicht.
Die seitliche Ausprägung ist etwas präsenter als durchschnittlich, jedoch nicht deutlich. Eingeengt klingt dennoch nichts. Die räumliche Tiefe ist gut und sowohl Staffelung als auch Trennung sind schön. Zwar sind die Größe und Luftigkeit nicht so deutlich wie beim Havi B3 Pro I oder DUNU Titan 1 ausgeprägt, aber nicht im Geringsten schlecht. Kein besseres BA-Niveau, dennoch richtig gut für einen dynamischen In-Ear.

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Im Vergleich mit anderen dynamischen In-Ears:
Mal sehen, wie sich der Zero im Direktvergleich mit anderen exzellenten Budget-In-Ears und ein paar teureren Exemplaren behauptet.

Fostex TE-02:
Glaubt es oder nicht, der TE-02 ist bereits ein exzellenter Budget-In-Ear. Ignoriert einfach mal das Preisschild, es sagt gar nichts über den Klang des Fostex aus. Wäre ich nicht zufällig durch ein paar Beiträge in einem Deutschen Forum auf den TE-02 gestoßen, hätte ich ihn wohl total ignoriert. Er ist eines dieser Super-Budget-Modelle (< 30€), wenn nicht sogar das einzige Modell dieser, bei denen ich persönlich ohne Schwierigkeiten einen Preis von über 100€ sehen könnte, den Klang betreffend.
Der Fostex ist der klar neutralere In-Ear der beiden, besitzt einen ziemlich flachen bass, keinen wirklichen Hang zum Warmen in den Tiefen und besitzt in meinen Ohren den etwas dunkleren, weniger präsenten Hochton.
Insgesamt sehe ich nur einen sehr geringen Vorteil des Zero in Sachen Mittel- und Hochtondetails (der obere Hochton klingt natürlicher aus). Beide sind hingegen gleichauf, was die Geschwindigkeit und Kontrolle im Bass angeht.
Die Bühne der beiden In-Ears scheint gleich breit, die des Zero etwas tiefer. Räumlich sind beide gleich präzise.

Havi B3 Pro I:
Der Havi B3 Pro I ist ein exzellenter In-Ear – sein einziger Mangel für den Preis ist, dass er in meinen Ohren nicht zu 100% kohärent klingt; davon abgesehen ist er ein sehr empfehlenswertes Einstiegsmodell. Der Zero klingt mit seinem einzelnen Treiber zusammenhängender. Der Havi ist ausgewogener abgestimmt, mit weniger Bass und Grundtonwärme, obwohl er auch einen kleinen Boost im mittleren Grundton besitzt. Der Zero besitzt mehr Pegel in den mittleren Höhen wo der Havi eine Senke aufweist, der B3 besitzt jedoch etwas mehr oberen Hochton.
Wieder einmal gibt es keinen klaren Gewinner. Beide sind im Bass gleich schnell sowie kontrolliert und lösen auch vergleichbar gut auf.
Die Bühne des Havi ist in beide Richtungen stärker ausgeprägt, mit der etwas besseren Instrumentenseparation.

Fidue A65:
Der A65 ist ein sehr schöner In-Ear mit Titan-überzogenen Treibern und sehr stabil sowie hochwertig verarbeitet. Geschmeidig, natürlich, sehr genießbar und mit wirklich guter Bassqualität und Bühne (nicht wirklich die Größe aber die Trennung betreffend) stellt er sich dar.
Der Shozy klingt bassiger und auch etwas dicker, mit mehr Präsenz im Tief- und Midbass. Der Hochton ist vergleichbar obwohl der A65 etwas weniger Pegel in den mittleren sowie oberen Höhen besitzt.
Auflösung: der Zero besitzt den minimal schneller abklingenden Bass aber der des A65 klingt etwas greifbarer, mit dem schöneren Körper und mindestens ebenbürtiger Kontrolle. Der Fidue klingt sogar im Tiefton etwas detaillierter. In den Mitten sind beide vergleichbar obgleich ich dem Shozy hier eine geringfügig höhere Detailfülle zusprechen würde. Im oberen Hochton klingt der Zero etwas natürlicher aus (weniger schnell als der Fidue), aber beide sind hier ebenbürtig, was die Auflösung betrifft.
Bühne: die des Zero ist in beiden Dimensionen stärker ausgeprägt, dennoch sind beide gleich präzise.

Brainwavz M3:
Der M3 – ein sehr schöner In-Ear, recht ausgewogen, mit nur mäßigem „Fun“. Sehr schöne räumliche Tiefe. Durchschnittliches Kabel.
Der Brainwavz besitzt klar weniger Bass und Wärme. Im mittleren Hochton ist der M3 entspannter, im oberen hingegen ist der Peak steiler und deshalb etwas heller klingend.
Der Bass des Zero ist schneller, ebenso ist auch die Kontrolle besser. Der Mittelton des M3 klingt etwas detaillierter und die Sprachverständlichkeit ist höher. Der Hochton des Zero ist höher auflösend, mit etwas mehr Details.
Bühne: der M3 besitzt mehr Tiefe, weniger Breite. Die Tiefe des M3 ist schon ein wenig magisch. Beim M3 klingt die Breite etwas eingeengt im Vergleich (meiner Meinung nach). Der Shozy ist räumlich ein wenig präziser, etwas weniger neblig.

RHA T20 („Reference“ Filter):
Der T20 ist ein gut verarbeiteter dynamischer In-Ear und harmoniert meiner Meinung nach gut mit älterer Rockmusik. Die Auflösung im Mittel- und Hochton ist recht gut obwohl die Höhen etwas gleichmäßiger sein könnten (es gibt geringfügiges „Brutzeln“). Mit der Zeit habe ich gemerkt, was ich nicht am T20 mag: es ist der Bass. Er ist zwar schnell im Einschlag, rumpelt jedoch. Kein Rumpeln im positiven Sinn, sondern Rumpeln im Sinn von etwas mangelnder Kontrolle. Ja, der Bass ist dadurch besser „spürbar“, jedoch wirkt er auch etwas aufgezwungen. Vergleicht man den T20 dann mal direkt mit sehr guten Budget-In-Ears, wird einem auch klar, dass er insgesamt schon ein stückweit überteuert ist, besonders aufgrund seiner Bassperformance.
Beide In-Ears sind im Oberbass gleich stark ausgeprägt, jedoch ist der des Zero schneller und besser kontrolliert, weshalb er subjektiv etwas weniger vordergründig, weniger bassig klingt als der des T20. Dies liegt auch daran, dass der Zero im Tiefbass weniger abfällt. Der obere Hochton des Zero ist vordergründiger.
In Sachen Bassgeschwindigkeit und insbesondere -kontrolle ist der Zero, so muss ich leider sagen, besser. Die einzelnen Bassnoten sind besser heraushörbar, es rumpelt weniger, der Tiefton ist schneller im An- sowie Ausklang. Auf den ersten Blick scheint es so, als löse der Zero in den Mitten und Höhen etwas höher auf, was jedoch nicht so ist und nur am Boost des oberen Hochtons liegt. Beim genaueren Hinhören in den nächsten zwei Stunden stellte sich hingegen heraus, dass der T20 feine Details in Stimmen geringfügig besser darstellt, dies dem Hörer jedoch nicht aufdrückt, da der Pegel im oberen Hochton geringer ist, dennoch ist der T20 nur geringfügig besser, da der Zero nicht „brutzelt“, wie es der T20 manchmal tut. Ist dieser kleine Auflösungs-Vorteil den viel höheren Preis wert? Definitiv nicht, denn ich würde klar sagen, dass die Bassqualität des Zero besser ist und er auch insgesamt etwas besser ist, insbesondere wenn man den Preis-Leistungsfaktor mit einbezieht, wo der T20 nun, direkt mit sehr guten Budget-Lösungen, gar nicht mehr so gut dasteht und nur allerhöchstens mittelmäßig ist. Dennoch, der RHA besitzt die offensichtlich bessere Verarbeitung, das flexiblere Kabel und die schönere Verpackung – und seine Bühne ist recht gut: etwas mehr Breite und Tiefe als beim Zero, etwas mehr Präzision bei der Darstellung, die bessere Frontprojektion, aber auch weniger räumliche Kontrolle bei bassigeren Musikstücken.
Wenn man bereit ist, einen recht hohen Aufpreis für das Design, die Verarbeitung, die etwas bessere Bühne sowie Auflösung im Mittel- und Hochton zu bezahlen, kann der RHA noch immer ein individuell betrachtet solider dynamischer In-Ear sein, ist jedoch in Anbetracht seiner Performance (besonders im Tiefton) im Vergleich zu teils merklich kontrollierteren Budget-Modellen wie dem Zero zu teuer.

LEAR LHF-AE1d (Upgrade-Schallröhrchen):
Hier geht es nun weiter mit einem meiner liebsten dynamischen In-Ears. Weshalb ich diesen so mag? Gute Verarbeitung & Kabel, variabler Bass, recht natürlicher Klang mit exzellentem Mittel- als auch Hochton und einer tollen Authentizität. Die Bassquantität ist von der Position des Potentiometers abhängig und kann von weniger als neutral bis hin zum Basshead-Pegel reichen. Mit den Upgrade-Schallröhrchen ist der Mittelton flacher, etwas heller als der etwas warme des Zero. Der LEAR ist im Mittel- und Hochton gleichmäßiger, mit einer entspannten Senke bei 5 kHz. So wie ich den AE1d nun habe, ist das Potentiometer in einer Position, in welcher der In-Ear ziemlich neutral im Bass aufspielt.
Die einzige Kategorie, die der Zero für sich entscheiden kann, ist die Bassgeschwindigkeit sowie -kontrolle bei schneller Musik – die Gehäuse des LEAR besitzen je zwei Belüftungsöffnungen, wodurch der Bass etwas weicher wird. Die Details, die beide In-Ears im Bass präsentieren, sind etwa vergleichbar, doch klingt der des LEAR weniger stumpf. Im Mittel- und Hochton hingegen ist der AE1d dem Zero merklich überlegen und spielt im Mittelton detaillierter, authentischer sowie natürlicher und löst auch im Hochton höher auf. In Sachen Natürlichkeit ist der AE1d einfach schwierig zu schlagen und der Zero kommt nicht einmal wirklich nah – darum ist der LEAR auch einer meiner liebsten dynamischen In-Ears.
Bühnendarstellung: der LEAR hat etwa gleich viel Breite, spielt jedoch etwas tiefer und die Bühne erscheint natürlicher. Die Instrumentenseparation beider In-Ears ist vergleichbar.

Sennheiser IE 800:
Ich weiß, dies ist keine faire Gegenüberstellung. Der IE 800 ist ein enorm guter dynamischer In-Ear, der auf Spaß getrimmt ist. Der Bass ist super schnell und kontrolliert. Die Separation ist exzellent. Dennoch, der Hochton kann etwas künstlich klingen (Anschlag von Becken) und na ja, das Kabel ist bei dem Preis qualitativ wohl ein ganz schlechter Witz.
Der IE 800 folgt eher der klassischen Badewanne mit einem drückenden Tiefbass und eher schmalbandig betonten oberen Höhen. Der Zero vesitzt nicht wirklich weniger Tiefbass, baut jedoch viel weniger hörbaren Druck auf. Im Oberbass sind beide vergleichbar, dennoch klingt dieser beim IE 800 durch den präsenter wirkenden Tiefbass weniger aufdringlich. Der Tiefton des IE 800 bleibt den Mitten etwas besser fern. Der IE 800-Hochton ist eine recht klassische Badewanne: zurückgesetzte mittlere, betonte obere Höhen (welche beim Sennheiser stärker ausgeprägt sind).
Der IE 800 ist dem Zero überlegen, aber das sollte er bei seinem Preis auch besser: offensichtlich bessere Darstellung feiner Details, noch mehr Basskontrolle und -geschwindigkeit. Das Ansprechverhalten des IE 800-Treibers scheint schneller. Im Bass, den Mitten als auch den Höhen ist der IE 800 detaillierter. Wechselt man zum Zero, scheint dieser etwas verhangen. Der IE 800 ist feinzeichnender, ebenfalls im Hochton, wo er jedoch Becken ein wenig künstlich darstellt. Ist der IE 800 12 bis 14 Mal besser als der Zero? Nicht im Geringsten. Wir sprechen hier von Audio, wo der Preis exponentiell ansteigt und das Qualitätswachstum beschränkt ist. Für eine andere Darstellung sowie etwas mehr Details zahlt man meist einen recht hohen Aufpreis.
Alles, was nun noch übrig bleibt, ist ein Vergleich der Bühnendarstellung. Die des IE 800 ist breit. Nicht super-duper-deutlich-aus-deinem-Kopf weit, jedoch weit. Und präzise. Die Instrumentenseparation auf der X-Achse ist sehr gut. Soo super weit ist die Bühne eigentlich nicht (keine Westone W4R Ausprägung), dafür hingegen sind Instrumente sehr fein abgegrenzt platziert und lassen sich die Position betreffend sehr gut ausmachen. Die Bühne des Zero ist nicht so präzise und auch nicht so breit, dafür jedoch tiefer und runder.


Fazit:

Klang ist eine Sache des persönlichen Geschmacks – wenn die Tonalität zu den eigenen Präferenzen passt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man einen Kopfhörer sehr mag, auch wenn die objektive Qualität nicht unbedingt an höherpreisige Modelle heranreicht.
Wer den Charakter dynamischer In-Ears mag und ein Fan von Musikalität, etwas Fülle, Bass und oberem Hochtonglitzern ist, wird den Zero wahrscheinlich lieben. Er klingt mit den meisten Genres ziemlich natürlich und besitzt einen qualitativ hochwertigen Bass. Er kann sich sehr gut mit anderen sehr guten Budget-Modellen messen, ist in manchen Kategorien minimal besser und übertrifft Modelle wie den RHA T20 in manchen Kategorien etwas. Im Bass ist er auch qualitativ etwas besser als mein dynamischer All-Time-Favorit, der LEAR LHF-AE1d, welcher jedoch natürlicher klingt und nochmals hörbar höher auflöst, was beim vierfachen Preis aber auch erwartet werden dürfte, ebenso wie beim deutlich teureren Sennheiser IE 800, der den Zero in allen Kategorien bis auf die Natürlichkeit im oberen Hochton ohne große Probleme schlägt.
Ist der Zero ein gutes Budget-Modell. Ja, doch ist er nicht merklich besser als andere gute Kandidaten in diesem Preisbereich, wenn man die In-Ears direkt miteinander vergleicht. Kann er mit besseren Multi-BA In-Ears konkurrieren? Nicht im Geringsten, es sei denn, man bevorzugt persönlich den Charakter von In-Ears mit dynamischem Treiber.
Er ist kein Killer, klingt für den Preis jedoch gut, mit einem richtig guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Für meinen persönlichen Geschmack könnte der Oberbass dennoch etwas weniger präsent sein.

So gut wie der Zero objektiv angesichts des Preises auch ist, stört mich mal wieder der um ihn generierte Hype in diversen Internetforen - der Zero ist einfach nicht der einzige sehr gute In-Ear im niedrigen Preisbereich. Wer bewusst keinen neutralen/moderat ausgeprägten Bassbereich sucht und trotzdem nicht auf Kontrolle und Auflösung verzichten will, kann jedoch beherzt zugreifen. Unterhalb von 198$ fällt mir zumindest kein bassiger/etwas badewanniger dynamischer In-Ear ein, der gänzlich an die Leistung des Zero heranreicht (der DUNU Titan 5 wäre da vielleicht dennoch erwähnenswert und löst besser auf, ist im Hochton aber auch heller abgestimmt). Sucht man weniger Bass, bekommt man um die 50$ aber auch andere ebenbürtige oder stellenweise bessere Modelle mit dem Havi B3 Pro I, Fostex TE-02, Fidue A65 oder FiiO EX1 (je nach klanglichen Vorlieben).
Auch gefällt mir Shozys zwar stellenweise gerechtfertigte, dennoch etwas überzogene Überzeugung der Überlegenheit des eigenen Produkts nicht und ich empfinde dies als offensives Marketing und sogar etwas dreiste Kundenbeeinflussung - allein dafür würde ich der Firma am liebsten einen Stern in der Bewertung abziehen, was ich aber nicht mache, da ich das Produkt und nicht die Firma an sich bewerte.


Bei meiner üblichen 70% Klang/Preis-Leistung (97/100 angesichts des Preises) zu 30% Verarbeitung/Komfort/Lieferumfang (89/100; könnte sich ändern, sofern ich die finale Verpackung sichte) Gewichtung erzielt der Zero 4,73 von 5 möglichen Sternen - ein sehr respektabler In-Ear für den Preis, sofern man diese tonale Abstimmung sucht.