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Trinity Audio Engineering Delta V-II: Unboxing und Klangeindrücke [/"Mini-Review"] 🇩🇪

Prolog:

Wie bereits neulich berichtet, habe ich den Trinity Audio Engineering Delta V-II für etwas unter 100€ vorbestellt. Der normale Verkaufspreis beträgt mittlerweile um die 130€.
Ich war sehr gespannt auf den Klang des In-Ears und kann nach mehr als zwei Wochen nun recht gut einen kurzen Eindruck darüber geben, was ich gelungen finde und insbesondere, wo mich der Kopfhörer enttäuscht hat. Hier folgt nun also mein bebildertes Unboxing mit knappen klanglichen Eindrücken.

Der Delta in der zweiten Version ist, wie auch sein Vorgänger, den ich jedoch nicht kenne, ein hybrider In-Ear, der einen dynamischen Treiber für den Bassbereich sowie einen BA-Treiber für die Reproduktion höhere Töne verwendet. Diese Technik findet insbesondere ihre Anhänger bei allen, denen ein reiner BA-Tiefton zu steril sowie trocken ist, die jedoch nicht auf die gute Detailauflösung und Sprachverständlichkeit von BA-Treibern verzichten wollen.
Der Delta V-II wird nun mit austauschbaren Kabeln geliefert, von denen sich zwei im Lieferumfang befinden - eines mit und eines ohne Fernbedienung. Ebenso gibt es beim Hörer, wie bei manchen anderen In-Ears auch, akustische Filter, die sich auf den Klang und die tonale Abstimmung auswirken - der Trinity Audio Engineering In-Ear kommt standardmäßig sogar mit sieben dieser Filter.


Lieferumfang:

Toll ist die Menge an inkludiertem Zubehör.









Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die CNC-gefrästen In-Ears sind gut verarbeitet (wenngleich optisch nicht unbedingt attraktiv, aber das ist nur meine Meinung).







Das Kabel lässt sich beim ersten Mal nur mit viel Kraft anbringen, danach gelingt der Tausch recht simpel und ohne großen Kraftaufwand.



Tragekomfort, Isolation:

Der Tragekomfort ist ganz gut, wenngleich man nicht unbedingt sehr enge Gehörgänge haben sollte. Kabelgeräusche nehme ich bei einer Trageweise mit dem Kabel über den Ohren und dem verdrillten Kabel nicht wahr.

Die Isolation ist bestenfalls mittelmäßig, im Hoch- und Mittelton jedoch stärker als im Tiefton ausgeprägt.


Klang:
Hauptsächlich zum Einsatz kamen zum Hören bis jetzt mein iPhone 4, iPod Nano 7G sowie der iBasso DX80. Mit meinem DX90 habe ich den Delta auch gehört, wenn ich mich nicht täusche.

Tonalität:

Wie anfangs erwähnt, gibt es sieben Filter-Paare: 1x dunkelgrau/gunmetal, 2x gold, 2x lila und 2x silber. Die dunkelgrauen Filter sowie je eines der anderen Paare besitzen einen zusätzlichen akustischen Dämpfer, während die anderen Filter hohl sind und sich nur durch eine unterschiedlich große Belüftungsöffnung unterscheiden.

v.l.n.r.: 3 unbedämpfte und 4 bedämpfte Filter

Am besten ist der Unterschied zwischen den einzelnen Filtern anhand von Frequenzgangsmessungen erklärt (Informationen über meine Messmethode gibt es hier: http://frequency-response.blogspot.de/p/about-measurement-graphs.html). Die Farbe der einzelnen Graphen stimmt hierbei mit der Farbe der einzelnen Filter überein:

Bedämpfte Filter:



Unbedämpfte Filter:



Anmerken möchte ich bei den Messungen (geneigte Leser, die meinen obigen Link angeklickt haben, sollten wissen, dass man bei 3 kHz um die 5 und bei 6 kHz um die 10 dB gedanklich hinzufügen sollte), dass der Hochton beim Delta V-II in meinen Ohren weniger präsent ist (in den mittleren Höhen höre ich eine breitbandige Senke) und dass der ~ 9 kHz Peak der bedämpften Filter in meinen Ohren nur marginal oberhalb der Nulllinie liegt - vermutlich entweder aufgrund des Einsetzwinkels in meinen Ohren oder aufgrund dessen, dass ich den Delta V-II etwas tiefer einsetze.


Die Filter ohne akustischen Dämpfer am Gewinde sind eigentlich recht unbrauchbar für mich, da sie einen hohlen und halligen Mittelton ausgeben. Das muss bei einem Spaß-Hörer nicht unbedingt schlecht klingen, wie manch andere In-Ears mit ebenfalls etwas hohl klingenden Mitten gezeigt haben, hier jedoch geht die Rechnung nicht auf und Stimmen klingen fürchterlich verfremdet und wie aus einer Röhre, was unter anderem auch an der Auflösung liegt, dazu aber später mehr.
Zum Glück gibt es aber die Filter mit akustischem Dämpfer. Diese senken zwar die oft recht spaßige Hochtonbetonung merklich ab, verbessern gleichzeitig aber auch erheblich den Mittelton, welcher nicht mehr hohl und Echo-artig sondern präsenter und nicht mehr hallig klingt.

Die silberfarbenen Filter machen schon Spaß mit ihrem drückenden, präsenten Tief- aber insbesondere Midbass (der dann aber auch schon mal überfordernd vordergründig sein kann), sind jedoch nicht meine präferierte Kombination auf längere Sicht.

Die bedämpften lilafarbenen Filter klingen moderat warm und voluminös im Grundton, mit etwas angewärmten, präsenten Mitten und einem sanften, moderat dunklen Hochton. Peaks oder deutliche Senken nehme ich nicht wahr.
Meinen Geschmack treffen die bedämpften lilafarbenen Filter wohl am besten (wenngleich ich mir hier dennoch etwas weniger Grundtonwärme und mehr Präsenz im Hochton wünschen würde, denn dieser befindet sich etwas auf der dunklen Seite). Wahrscheinlich liegt die Präferenz dieser Filter auch an der geringsten Bassbetonung unter den Filtern, denn der Tiefton ist leider recht weich (dazu gleich mehr).
Zum entspannten, nicht so kritischen und etwas warmen, "analogen" Hören eignen sich die lilafarbenen Filter ganz gut, dann kommt jedoch das große "Aber", nämlich die Detailauflösung betreffend:

Auflösung:

Ich muss ehrlich zugeben, hier definitiv etwas mehr erwartet zu haben.

Der Bass könnte gern knackiger und fester sein, ebenso würde ich mir etwas mehr Details im Mittel- und Hochton wünschen. Hier sehe ich den PMV A01 und insbesondere Fidue A73 in Sachen Detailauflösung doch ein gewisses Stück vorne. Sehe ich mir den BA-Treiber des Delta an, sieht dieser für mich auch nicht unbedingt nach einem Qualitätsprodukt aus, wobei ich mich hier natürlich auch täuschen kann - schade, hier gibt es im Preisbereich um 100€ doch einige Single-BA, dynamische und hybride In-Ears, die ich dem Delta V-II vorziehen würde.
Beim Delta V-II wirkt die Kombination aus dynamischem Tieftöner und BA-Treiber für den Rest leider etwas diffus auf mich. Man merkt dem Mittel- und Hochton zwar an, dass der Klang BA-typisch "leichtfüßig" ist, aber so gut wie alle Single-BA In-Ears, die ich kenne, sind im mittleren und oberen Frequenzband etwas detaillierter. Und auch die beiden anderen günstigsten hybriden In-Ears in meinem Inventar, nämlich der Fidue A73 und PMV A 01, sind hier doch noch einen Tick detaillierter. Positiv kann man dem Delta dennoch hier anrechnen, dass er selbst mit den unbedämpften Filtern weder spitz noch einschneidend klingt und alles gleichmäßig wirkt.
Was für mich jedoch der größte Pferdefuß des Delta V-II ist, ist der dynamische Treiber. Dass dynamische Treiber in der Regel weicher und langsamer als ihre "BA-Kollegen" sind, dürfte klar sein, was ja auch die Intention ist. Der Delta ist mir hier dann aber doch eine gehörige Spur zu weich und langsam und matscht bei komplexerem, schnellerem Material im Tiefton dann doch etwas zu viel. Ja, ich empfinde ihn im Tiefton als noch etwas langsamer und weicher als den hier bereits recht trägen Sennheiser IE 80.
Der Bass wabert eher und ist weich, anstatt fest und knackig einzuschlagen - selbst für dynamische Treiber ist mir die Geschwindigkeit des Tieftons zu gering. Hier ist der preislich ähnlich positionierte Fidue A73 (den es als UPQ Q-music QE-50 sogar für 50$ weniger gibt) doch ein hörbares Stück schneller und knackiger im Anschlag, auch wenn er im Vergleich zu höherpreisigen hybriden In-Ears das Nachsehen im Bassbereich hat (im Vergleich zu rein BA-basierten In-Ears sowieso, was aber auch die Intention des Einsatzes eines dynamischen Tieftöners ist (um den "klinischen, unnatürlichen" BA-Bass zu umgehen)).

Bisher konnten mich alle der hybriden In-Ears, die ich getestet habe, klanglich überzeugen - beim Delta bin ich hier leider besonders aufgrund des Tieftons enttäuscht, der einfach zu weich und langsam für meine Ansprüche ist. Wie meinen IE 80 werde ich den Trinity Audio Engineering Delta V-II also eher für langsamere und weniger komplexe Musik, vorwiegend seicht besetzte, nicht sonderlich komplexe akustische Aufnahmen, verwenden (wenn überhaupt), denn hier merkt man den Treibern das Defizit an Geschwindigkeit noch nicht wirklich an.


Bühnendarstellung:

Die Bühnendarstellung ist recht ordentlich, könnte jedoch etwas präziser sein.
Wirkliche Kritik gibt es nicht, aber auch keine deutlichen Lobgesänge. Insgesamt ist die Bühne recht räumlich und besitzt eine sehr angenehme Breite und auch Tiefe; ja, ich würde die räumliche Präsentation sogar als recht geräumig und groß für einen In-Ear bezeichnen. Also doch eher auf der positiven Seite, wenngleich nur gering. Aber wie gesagt, etwas mehr Trennungsschärfe wäre nicht schlecht, was jedoch wohl dem recht langsamen dynamischen Treiber geschuldet ist.

Fazit:

Mein Fazit fällt eher (mittel-) mäßig aus, so sehr ich die Delta V-II In-Ears auch mögen möchte - ich habe einfach das Gefühl, dass beim Zubehör und den ganzen Filter der Klang einfach etwas auf der Strecke bleibt. Bei einem Preis von ~ 130€ sehe ich für gleich viel und weniger Geld bessere hybride und nicht hybride Alternativen. Klar, das Zubehör, das tolle Kabel und die Filter sind beeindruckend, aber in Sachen Auflösung kann mich der Delta leider nicht so wirklich überzeugen und lässt auch mein Interesse an den weiteren hybriden In-Ears der Firma schwinden.
Na ja, mal abwarten, wie sich der günstigere dynamische In-Ear namens Vyrus, den ich ebenfalls vorbestellt habe, schlägt, und ob dieser mich wenigstens halbwegs überzeugen kann. Der Delta V-II zumindest hinterlässt (leider) recht gemischte Gefühle und kann mich im Gegensatz zu den bisher getesteten hybriden In-Ears anderer Firmen nicht begeistern.

Auf der positiven Seite stehen also die ganzen verschiedenen Filter (wenngleich mich hier auch nur die bedämpften längerfristig wirklich überzeugen können, und von diesen auch nur ein Paar), die tolle Auswahl an Zubehör, die Verarbeitung, die austauschbaren Kabel und der nicht nervige Klang mit der guten Räumlichkeit.
Auf der Schattenseite sehe ich hingegen den Klang selbst: bei langsamer Musik, sanftem akustischem Material sowie zum Entspannen eignet sich der Delta V-II ziemlich gut und hier merkt man auch den Vorteil des BA-Treibers. Bei normal komplexer und anspruchsvollerer Musik merkt man jedoch, dass nicht unbedingt der beste verfügbare BA-Treiber eingesetzt wurde und dass der Bassbereich doch etwas zu langsam und weich ist. Bei einem Preis von ~ 130€ gibt es meiner Meinung nach bessere Alternativen, wenn man auf die ganzen Filter und wechselbaren Kabel verzichten kann. Wer jedoch einen eher weichen und langsamen Bass, ähnlich wie beim Sennheiser IE 80, mag, könnte den Delta V-II lieben, da bei diesem der BA-Vorteil im Mittel- und Hochton im Vergleich zu einigen dynamischen In-Ears (einschließlich des Sennheisers) zum Tragen kommt, obgleich nicht unbedingt der beste BA-Treiber verbaut ist.
Der In-Ear ist durchschnittlich, also "okay". Rein klanglich ist er angesichts des aktuell auf dem Markt Vorhandenen jedoch nichts Besonderes, abgesehen von der großen Filterauswahl.

Für mehr als ~ 3,2 von 5 möglichen Sternen reicht es leider nicht. Schlecht ist der In-Ear nicht, jedoch ist die Konkurrenz aus Fernost sehr stark und der Klang beziehungsweise die (nicht wirklich vorhandene) Harmonie (der beiden verbauten Treiber) kann mich leider nicht so wirklich überzeugen und der In-Ear wirkt klanglich etwas diffus - schade.
Lobenswert zumindest ist der Kundenservice, denn um ein paar kleine Probleme, die ich während und nach der Bestellung hatte, hat man sich umgehend gekümmert.