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SpinFit Tips: Meine Negativerfahrung/Weshalb sie nicht immer funktionieren - [Review] 🇩🇪


Prolog:

Ich bin kein Freund von Kopfhörer-Modifikationen, was keineswegs an meinen mangelnden Fertigkeiten diesbezüglich, sondern schlichtweg an meiner Einstellung gegenüber der hundertprozentigen Originalität der Klang-relevanten Eigenschaften von Audio-Komponenten liegt. So, wie der Schallwandler die Fabrik verlassen hat, soll er auch bleiben, und ich verändere nichts an ihm, kaufe also auch kein Zubehör wie etwa Ohrpolster und verändere auch nicht die Bedämpfung oder ähnliches. Ich will meine Kopfhörer einfach naiv gesprochen „so belassen, wie es der Hersteller vorgesehen hat“, auch wenn sich durch recht simple Modifikationen oft der Klang gezielt verändern und verbessern lässt.
So kommt es auch nicht allzu überraschend, dass ich für meine In-Ears weder Spiral Dots noch Sony Hybrid, SpinFit oder weiß der Geier welche anderen (Silikon-) Aufsätze gekauft habe, sondern
„schön brav und obrigkeitsgehorsam“ die Aufsätze verwende, welche im Lieferumfang enthalten sind.

Vor ein paar Monaten habe ich in einem kleinen Wettbewerb eine Packung an SpinFit Aufsätzen gewonnen. Von diesen gibt es zwei Varianten (kleiner oder großer Innendurchmesser des Stamms); die verlosten waren die gängigeren mit dem größeren Innendurchmesser. Neugierig, wie ich bin, habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, die Aufsätze gleich mit ein paar In-Ears zu testen.
Im Laufe der Monate haben sich noch ein paar mehr SpinFit Aufsätze zu mir gesellt, aber weniger gezielt als vielmehr eher „zufällig“ als Teil des Lieferumfanges von ein paar In-Ears, darunter etwa die von mir vorbestellten Trinity Audio Engineering Vyrus In-Ears, über die ich wie beim Delta V-II sowohl gute als auch schlechte Eigenschaften zu berichten habe, wobei beim Vyrus die positiven doch im Vergleich zum Dual-Driver etwas überwiegen (mal sehen, vielleicht nehme ich mir auch die Zeit für einen kurzen Testbericht des Vyrus).

Anyway, here we go mit einem kleinen Testbericht und meinen Erfahrungen eines der beliebtesten „Upgrade“-Produkte für In-Ears, den SpinFit Tips, die auch bei Amazon erhältlich sind (http://amzn.to/2bVYmvp).


Aussehen:

Die Aufsätze befanden sich in vier verschiedenen Größen in einer kleinen Plastiktüte, jedoch gibt es auch andere Variationen, die in einer Blisterverpackung eingeschweißt sind.

Die Aufsätze selbst bestehen aus recht dünnem und weichem, semi-transparent weißem Silikon, dessen Stamm etwas länger als bei vielen anderen In-Ear Aufsätzen ist und farblich nach Größe unterschiedlich codiert ist.
Zwischen dem Stamm und dem Schallaustritt befindet sich das charakteristische „Gelenk“.


Spin me, Baby!


Die „360° Rotation“ Beschreibung, von der ich des Öfteren gelesen habe, ist ziemlich irreführend, denn bei den SpinFit Tips dreht sich gar nichts – das Gelenk sorgt lediglich dafür, dass sich der Aufsatz in alle Richtungen biegen lässt, wodurch er sich etwas besser der individuellen Gehörgangs-Anatomie anpasst.


Tragekomfort:

Ich habe große und recht gerade Gehörgänge, für welche ich auch die größten SpinFit Aufsätze benötige. Bei diesen ist die Stabilität etwas geringer als bei anderen typischen Aufsätzen, weshalb ich mir wünsche, dass die Aufsätze etwas dickwandiger wären, was besonders für die größeren vorteilhaft sein könnte.
Ansonsten muss ich sagen, dass ich aufgrund meiner weiten und ziemlich geraden Gehörgänge sind mit der Mehrzahl an In-Ears keine Komfortprobleme habe. De facto kann ich bei einer dreistelligen Zahl an Gehörgangs-Hörern diejenigen, welche nicht ideal oder komfortabel in meinen Ohren sitzen, wortwörtlich an einer Hand abzählen. Und bei drei aus vier Fällen ist es in der Tat so, dass durch den etwas längeren Stamm der Komfort in meinen Ohren merklich verbessert wird.
Nur mit meinem Audio Technica ATH-IM03 halten die SpinFit Aufsätze noch schlechter in meinen Ohren als die originalen, welche ich stets verwende (, obwohl die großen MEE audio M6 Pro und Xiaomi Piston Colorful Starter Edition Aufsätze aufgrund ihrer Größe viel komfortabler sind und korrekt abdichten – aufgrund meiner persönlichen Einstellung kommen jedoch nur die originalen Aufsätze in Frage, da es mit den zwei anderen - wenn auch geringe - Änderungen der Tonalität gibt).


Klang:

Der Klang von In-Ears wird generell von mehreren Faktoren beeinflusst, unter anderem dem Sitz und Winkel im Ohr.
Wie bereits genannt, habe ich große Ohren mit großen und recht geraden Gehörgängen, weshalb nur sehr wenige In-Ears nicht gut und bequem in meinen Ohren sitzen.

Die Werbeversprechungen der SpinFit Aufsätze besagen einen erweiterten Bass- und Hochtonbereich. Laut einiger Erfahrungen tritt dieser Effekt bei den meisten Menschen tatsächlich ein. Theoretisch scheint dies auch plausibel, da viele Menschen einen stärker gebogenen Gehörgang besitzen und der Schall in Verbindung mit den SpinFit Aufsätzen gegebenenfalls besser und direkter geführt werden kann.

Wie gesagt, habe ich diesbezüglich keine Probleme mit einer nicht idealen Schallführung der meisten
In-Ears, weshalb ich in Verbindung mit gut sitzenden In-Ears leider von keinem positiven Effekt der SpinFit Aufsätze berichten kann. Ganz im Gegenteil sogar – mit dem Großteil der mit den SpinFit Tips getesteten Modellen kommt es sogar dazu, dass der Superhochton beschnitten, der obere Hochton reduziert und der obere Mittelton angehoben wird, was so ziemlich das Gegenteil dessen ist, was der Werbetext verspricht.
Glücklicherweise bin ich nicht der einzige, bei dem diese Silikonaufsätze nicht zum beworbenen Effekt führen – physikalische Erklärungen führen dies darauf zurück, dass durch die durch das Gelenk bedingte Verengung in der Schallführung der Effekt eines inversen Horns eintritt, welcher zu eben diesem Effekt führt. Möglich ist dies meiner Meinung nach schon, nun ist es aber so, dass Frequenzgangs-Messungen der SpinFit Aufsätze gegenüber den originalen bei mehreren In-Ears tatsächlich auf dem Graph den beworbenen Effekt eines erweiterten Hochtonbereichs zeigen.
Wie kann es nun sein, dass die Graphen die Aussage von SpinFit stützen, meine Wahrnehmung und die einiger Weniger aber (klar) davon abweicht? Der Gehörgang ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich geformt und so kann es sein, dass der in einem Messkuppler aufgezeichnete Frequenzgang nicht mit dem tatsächlich gehörten Klang übereinstimmt, was ein Erklärungsansatz sein könnte.

Nun kommt hingegen das große Aber: von den vier In-Ears, die in meinen Ohren nicht ideal sitzen, gibt es zwei, bei denen tatsächlich der beworbene Effekt eintritt (bei einem der In-Ears erziele ich mit den SpinFit Aufsätzen einen noch etwas schlechteren Halt als mit den Original-Aufsätzen und beim anderen In-Ear kommt es trotz des Komfort- und Sitz-Zuwachses zum vor diesem Aufsatz beschriebenen gegensätzlichen Effekt).
Konkret handelt es sich bei diesen beiden In-Ears mit einer positiven Auswirkung um zwei günstige Modelle, nämlich den Brainwavz XF200 als auch den PMV A 01, zwei Exemplare, die aufgrund des Winkels ihres Schallröhrchens ganz und gar nicht bequem in meinen Ohren sitzen. Tatsächlich wird nicht nur der Komfort merklich bei beiden Modellen verbessert, sondern auch der beschriebene Effekt eines erweiterten Hochtons tritt ein und der Klang wird obenrum realistischer. Im Bassbereich hingegen kann ich keine Veränderung feststellen.


Festzustellen bleibt also, dass die Aufsätze bei manchen Menschen zu gut funktionieren scheinen, bei anderen hingegen meist nicht.


Fazit:

So unterschiedlich wie die einzelne Ohranatomie ausfallen kann, stellt es sich auch bei der
Wahrnehmung der SpinFit Tips dar. Enorm viele Menschen berichten von positiven Effekten, die mit den Werbeversprechungen übereinstimmen, jedoch gibt es auch (wenngleich sehr wenige) gegensätzliche Erfahrungen (, meine eingeschlossen), die von einem reduzierten oberen und angehobenen unteren Hochton berichten.
In meinem Fall kann ich also zusammenfassen, dass die SpinFit Aufsätze nur bei In-Ears, die in meinen Ohren sehr schlecht sitzen, wie beworben funktionieren – und dies ist bei lediglich zwei aus über 100 Exemplaren der Fall.

Hätte ich die Aufsätze also nicht gewonnen, hätte ich in etwa den Wert einer Audio-CD sinnlos ausgegeben, denn für Silikonaufsätze ist der Preis der SpinFit Tips nicht unbedingt gering.