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1More E1001: "Oh yeah, all right; don't stop the Dancing" [Review] 🇩🇪

Prolog:

Ich habe bereits ein paar von 1MOREs und Xiaomis Audio-Produkten rezensiert und alle boten meiner Meinung nach einen sehr guten Klang angesichts des Verkaufspreises.

Die chinesische Firma 1MORE (dies sind zwei Links zu 1MOREs englischem Distributor und dem hauptsächlichen Händler in Vereinten Königreich: https://uk.1more.com/, https://www.pocketrocketuk.com/) wurde 2013 gegründet und erlangte binnen kurzer Zeit eine recht hohe Aufmerksamkeit. Alle Audio-Produkte der Firma sind preislich recht günstig gesetzt und selbst die teuersten Kopfhörer befinden sich im gerade beginnenden dreistelligen oder oberen zweistelligen Euro-Preisbereich. Die sich aktuell in Produktion befinden Produkte werden auch damit beworben, in Zusammenarbeit mit einem Tontechniker, der bereits mit dem Grammy ausgezeichnet wurde, entwickelt worden zu sein.

Der E1001 ist 1MOREs aktuelles  In-Ear Flaggschiff und ein hybrider Triple-Driver mit drei Treibern (2x Balanced Armature, 1x dynamisch) je Hörerseite. Nichtsdestotrotz befindet sich sein Preis trotzdem noch im zweistelligen Bereich. Wird er es schaffen, mich zu überzeugen, wie es bereits die vorigen Produkte der Firma getan haben? Dies gilt es, in diesem Review herauszufinden.

Erhältlich sind die In-Ears übrigens auch bei Amazon: http://amzn.to/2giqOLT


Die E1001 In-Ears wurden mir von 1MORE UK für eine ehrliche Rezension zugeschickt. Abgesehen von der Aufforderung, die obigen beiden Links einzuarbeiten, bekam ich keine Auflagen. Wie bei all meinen Reviews erhalte ich keine finanzielle Entschädigung/Zuwendungen und was ihr lest, sind nichts weniger als meine ehrlichen und unzensierten Gedanken zum Produkt. Auf etwas anderes würde ich mich auch nicht einlassen und habe in der Vergangenheit alle Anfragen, die Auflagen beinhalteten, die meinen Moralvorstellungen und einer transparenten sowie ehrlichen Darstellung widersprachen, rigoros abgelehnt.


Technische Daten:

Preis: ~ 89-99$/₤/€
Treiber: 3 je Ohr (1x dynamisch, 2x Balanced Armature)
Frequenzgang: 20 – 40000 Hz
Empfindlichkeit: 99 dB/mW
Impedanz: 32 Ohm


Über hybride In-Ears:

Wie man den technischen Daten und der Einleitung bereits entnehmen kann, unterscheidet sich der E1001 von den meisten gängigen In-Ears und setzt nicht lediglich auf dynamische oder Balanced Armature Schallwandler, sondern kombiniert beide – bei ihm handelt es sich um einen hybriden In-Ear, einer in den letzten Jahren vermehrt aufkommenden Bauweise.

Die meisten In-Ears verwenden dynamische Treiber für die Audiowiedergabe. Diese haben den Vorteil, ohne allzu großen Aufwand das gesamte für den Menschen hörbare Frequenzspektrum abzudecken und ebenfalls ohne große Mühe einen stark angehobenen Bassbereich zu erzielen. Hochwertigen dynamischen In-Ears wird allgemein ein körperhafter, musikalischer Bassbereich nachgesagt, der im Ausklang jedoch meist eher weich als hart und analytisch ist. Im Gegensatz zu anderen Wandlerprinzipen besitzen dynamische Treiber jedoch meist auch eine etwas niedrige Detailauflösung.

Im höherpreisigen und professionellen Bühnenbereich findet man fast nur In-Ears mit Balanced Armature Treibern vor, welche in der Regel eine höhere Auflösung als ihre dynamischen Konsorten besitzen und sehr detailreich, schnell, präzise und auch sehr pegelfest aufspielen, was insbesondere für Bühnenmusiker von Bedeutung ist. Auf der Schattenseite steht, dass ein einzelner BA-Treiber kaum oder nur mit größerem Abstimmungsaufwand den größten Teil des hörbaren Frequenzspektrums abdecken kann und dabei nur mit größerem Aufwand, wie mehreren und voluminösen Treibern für den Tiefton in der Lage ist, extremere Betonungen zu erzielen. Einige Menschen empfinden den Klang von In-Ears mit BA Treibern auch als analytisch, leblos, klinisch oder kalt (in meinen Jahren der Mitgliedschaft, Reviews und Kaufberatung in einem großen deutschen Onlineforum für Audio sind mir diese Begriffe schon mehrfach in Bezug auf die Wahrnehmung von BA-basierten In-Ears, insbesondere bezogen auf den Tiefton,  begegnet).

Hybride In-Ears vereinen die positiven Aspekte aus beiden Welten und setzen auf einen dynamischen Schallwandler für die tiefen Frequenzen und mindestens einen BA Wandler für die mittleren und hohen. Dadurch bleien der Körper und der oft als „musikalisch“ beschriebene Charakter des dynamischen Basses und die Detailauflösung und Präzision des Balanced Armature Mittelhochtöners erhalten – und auf genau diese hybride Technologie setzt 1MORE mit seinem E1001 und spricht damit diejenigen an, welche den klinisch-schnellen Bass eines BA-Treibers als unnatürlich empfinden, jedoch die Auflösung, Schnelligkeit und Präzision in den Mitten und Höhen beibehalten wollen.


Lieferumfang:

Die Verpackung der In-Ears ist wie ein Buch gestaltet und besitzt einen mit einer „1More Design“
Plakette verdeckten Magneten, der den Deckel schließt. Im Inneren gibt es einige schöne Skizzen der In-Ears und ihrer Bestandteile sowie einen schönen kleinen Text.
Das Zubehör ist in kleineren Kartons sauber verstaut.
Im Inneren befinden sich, neben den In-Ears, eine Aufbewahrungstasche aus Kunstleder, ein Flugzeugadapter, Papierkram, ein 1More Sticker, eine Krawattennadel, fünf Paare an unterschiedlich großen Silikonaufsätzen und drei Paare an unterschiedlich großen Schaumstoffaufsätzen.







Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die In-Ears sind gänzlich aus zweifarbigem Aluminium gefertigt, welches goldfarben und unter
starkem Licht etwas an Mercedes-Benz‘ Farbcode „Bornit Metallic 481“ erinnernd gefärbt ist.
Das Kabel ist unterhalb dem Y-Splitter mit Stoff ummantelt, welcher mit der Zeit zum Ausfransen neigen wird und sich auch mit Flüssigkeit vollsaugen kann, weshalb ich solche Ummantelungen bei In-Ears nicht mag. Darüber erscheint es sehr widerstandsfähig und ist aus Gummi gefertigt, mit einer Kabelfernbedienung mit drei Tasten auf der rechten Seite. Der Knickschutz ist ausreichend, doch fehlt leider ein Kinnschieber.







Tragekomfort, Isolation:

Die E1001 In-Ears sind so konzipiert, dass man sie, wie den Großteil der günstigeren In-Ears, mit dem Kabel nach unten tragen soll. Im Gegensatz zu jenen kann man die 1More In-Ears aber nicht mit den Kabeln über den Ohren tragen.

Verglichen zur professionelleren Trageweise in Verbindung mit dem Fehlen eines Kinnschiebers gibt es dadurch auch vermehrt Kabelgeräusche.




Die Geräuschisolation ist in etwa durchschnittlich – weder super schlecht noch sehr stark.


Klang:

Meine hauptsächlich genutzten Quellgeräte waren der iBasso DX80, Cowon Plenue M2 und HiFime 9018d.

Zum Hören verwendete ich die größten Silikonaufsätze aus dem Lieferumfang.

Tonalität:

Randnotiz: Die innenliegende Belüftungsöffnung kann je nach Ohranatomie den „bassigen“ Klang zu einem „basslastigen“ mutieren lassen, wenn sie durch den Sitz in den Ohren verschlossen wird. In meinen Ohren ist Letzteres eher der Fall.

„Bassig“ und „musikalisch“ sind Attribute, die mir in den Sinn kommen, wenn ich an den E1001 denke, ebenso wie "badewanniger Charakter".

In meinen Ohren höre ich sowohl beim Hören von Musik als auch Sinussignalen, dass der Tiefton um 750 Hz anzusteigen beginnt und bei ca. 90 Hz seinen Höhepunkt erreicht. Dieser kann bis 38 Hz
aufrechtgehalten werden. Darunter, gen 20 Hz, verliert der Tiefbass geringfügig an Quantität, weshalb der Klang des Tieftons am ehesten als „midbassig“ beschrieben werden kann, mit einer kräftigen Betonung von etwa 15 dB im Vergleich zu einem Diffusfeld-neutralen In-Ear wie dem Etymotic ER-4S, auch wenn der Tiefbass laut Sinus-Sweeps noch immer klar vorhanden und ausgeprägt ist.
Aufgrund der recht früh beginnenden Betonung befindet sich der Grundton auch auf der wärmeren und fülligeren Seite und fügt dem Klang etwas hinzu, das gern als „Musikalität“ umschrieben wird, mit einem ausgeprägten und körperhaften Fundament.
1 kHz, der Bereich der zentralen Mitten, ist etwas zurückgesetzt, steigt jedoch gen 3 und 4 kHz an, wodurch der Mittelton zugleich sowohl warm als auch etwas hell klingt, was ihn aber auch ein wenig hohl erscheinen lässt.
Um 6 kHz höre ich eine eher enge Senke, welche Headroom für die Betonung des unteren Hochtons schafft und die Obertöne des Mitteltons auch bedämpft, wodurch dieser sanft klingt.
Im Superhochton oberhalb von 10 kHz, der für Musikinformationen nicht mehr so relevant ist, kann ich einige Peaks und Betonungen hören, die dem Klang subtiles Glitzern hinzufügen. Der Hochtonumfang ist dabei gut.

Generell würde ich den Klang als warm, bassig, musikalisch und durch die Anhebung des oberen Mitteltons und den Oberen Hochton/Superhochton badewannig einordnen. Um 1 kHz hätte ich mir etwas mehr Pegel statt der Doppelbetonung der unteren und oberen Mitten gewünscht.

Instrumente im unteren Frequenzbereich befinden sich auf der voluminösen Seite, ohne jedoch zu zu sehr aufgebläht zu wirken, und der Grundton strahlt nicht zu sehr in den Mittelton hinein, verfärbt ihn aber trotzdem etwas zur sanfteren und wärmeren Seite.
Im Hochton scheint das Timing zu stimmen und Instrumente klingen weder zu schnell aus noch zu lange nach.

Auflösung:

Im Mittel- und Hochton klingt der E1001 detailliert, ohne kantig, scharf oder unnatürlich zu wirken. Sein Hochton generiert ein gutes Detailniveau, das für den Preis definitiv zu den besseren In-Ears gehört, und auch die Separation und Darstellung von Noten im Hochton wirkt glaubhaft.

Die Sprachverständlichkeit ist gut und auch wenn der 1More nicht zu den besten In-Ears in seinem Preisbereich zählt und es für die Detaildarstellung im Sprachbereich manche Single-BA In-Ears gibt, die einen besseren Job abliefern, würde ich ihn noch immer zum oberen Drittel zählen.

Über den Bassbereich jedoch kann ich mich wirklich nicht so positiv äußern – der E1001 In-Ear ist
für schnelle Musikstücke und Genres eher nur bedingt geeignet, das ist sicher.
Sein Bass ist weder der schnellste noch der trockenste, weshalb er sehr nah dran ist, undefinierbar und schwammig zu klingen. Nur das mehr oder minder halbwegs kontrollierte Ausschwingen bewahrt ihn davor, dass Noten nicht mehr wahrnehmbar sind. Die Bassattacke jedoch ist recht weich und der dynamische Treiber gehört definitiv zur langsameren Sorte. In Sachen Bassqualität sind mir im gleichen Preisbereich einige bessere In-Ears bekannt und lediglich der Sennheiser IE 80, Trinity Audio Engineering Delta V-II, NuForce NE800M und die In-Ears von Chord & Major liefern hier noch weniger Qualität im Tiefton.
Dementsprechend finde ich den Klang auch nicht so zusammenhängend, wie er sein könnte. Abgesehen von der Weichheit und Trägheit empfinde ich den Tiefton auch in Sachen Detailwiedergabe als unterdurchschnittlich.

Zusammenfassend hätte ich mir gewünscht, dass 1More den dynamischen Treiber herausgelassen hätte und stattdessen ein Dual- oder Triple-BA Design gewählt hätte. In Sachen Eignung ist der E1001 definitiv eher ein In-Ear für langsame und weiche Musik als für schnelle Genres.

Räumliche Darstellung:

Die räumliche Präsentation ist eher überzeugend – der E1001 klingt relativ offen, mit einer etwas breiter als durchschnittlichen Bühne und einer ordentlichen Tiefendarstellung, die in Sachen Quantität etwas hinter der Breite steht. Die Instrumententrennung ist für den Preis auch ordentlich bis gut, doch könnte die Staffelung auf der Z-Achse geringfügig präziser sein.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:


Fidue A65:
Der A65 besitzt nur etwa halb so viel Bass wie der 1More, vergleichbare Wärme im Grundton und den weniger warmen Mittenbereich mit mehr Präsenz im zentralen Stimmbereich. Im Hochton klingt er etwas dunkler, jedoch gleichmäßiger als der E1001, wenngleich Noten bei ihm im oberen Hochton ein wenig zu schnell ausklingen.
In Sachen Bassqualität sehe ich den Fidue definitiv vor dem 1More, da er einfach trockener, fester und kontrollierter im Tiefton klingt und auch zusammenhängender erscheint. Ich sehe ihn auch geringfügig im Mittelton vorn. Im Hochton hingegen trennt der 1More tonale Elemente geringfügig sauberer und klingt minimal detaillierter.
Die Bühne des A65 ist kleiner, in meinen Ohren jedoch etwas präziser.

Fidue A73:
Der A73 besitzt weniger Bass als der E1001, wenngleich sein Tiefton noch immer prominent, jedoch nicht übertrieben ist. Auch im Grundton besitzt er etwas Wärme, aber weniger im Stimmbereich. Im unteren Hochton ist der Fidue etwas präsenter, während er im oberen Hochton in etwa die gleiche Quantität besitzt.
Der Bass des A73 klingt geringfügig langsamer als beim 1More aus, jedoch schlägt er fester ein, ist weniger weich, besser definiert und detaillierter als der des E1001. Im Mittelton sehe ich beide in etwa gleichauf, während der A73 für mich im Hochton das Rennen macht.
Der A73 besitzt in meinen Ohren die größere und auch etwas besser separierte Bühne.

PMV A 01:
Der PMV besitzt ein paar dB weniger Bass in meinen Ohren (je nach individueller Ohranatomie kann der Bass des A 01 aber auch merklich weniger präsent ausfallen). Im Mittelton klingt der A 01 dünner und auch sein Hochton ist heller. Der Hochton des 1More ist ein wenig gleichmäßiger.
Der Bass des A 01 ist weniger weich und schneller. Im Mittel- und Hochton sehe ich in Sachen Detailauflösung jedoch einen geringen Vorteil für den E1001.
Die Bühne des APMV ist geringfügig breiter und ein wenig besser getrennt.

1MORE C1002:
Der C1002 besitzt den weniger betonten, hörbar ausgewogeneren Bassbereich in meinen Ohren. Im Mittelton ist er weniger warm und besitzt mehr Präsenz im zentralen Stimmbereich sowie den oberen Mitten. Anders als der E1001 besitzt der Dual-Driver keine Sanftheits-fördernde Senke im mittleren Hochton bei 6 kHz, sondern sogar eine Betonung und ist auch insgesamt sehr hell im Hochton. Beide besitzen oberhalb von 10 kHz ein paar Peaks und einen sehr guten Hochtonumfang, wenngleich der C1002 definitiv für viele Menschen sibilant klingen wird.
In Sachen Bassqualität sehe ich den Dual-Driver definitiv vorn, so besitzt er mehr Trockenheit und Geschwindigkeit. Auch würde ich sagen, dass er im Tiefton detaillierter klingt. Im Mittel- und Hochton hingegen besitzt der E1001 die geringfügig bessere Differenzierung und zeigt die minimal bessere Sprachverständlichkeit, auch wenn seine zentralen Mitten etwas zurückgesetzt sind.
Der C1002 besitzt in meinen Ohren in etwa so viel Bühnenbreite wie der Triple-Driver, jedoch etwas mehr räumliche Tiefe. In Sachen Instrumententrennung sehe ich den E1001 minimal vorn.

AAW Nebla 2:
Der Nebula 2 besitzt die gleiche Bassmenge in meinen Ohren, während sein Oberbass ein wenig präsenter als beim 1More ausfällt. Der E1001 ist im Grundton der wärmere In-Ear; der AAW besitzt die tonal richtigeren Mitten, die im Gegensatz zu denen des Triple-Drivers keine Senke im zentralen Stimmbereich besitzen. Im mittleren Hochton erscheint der 1More aufgrund seiner Senke um 6 kHz etwas dunkler, ist im oberen und Superhochton jedoch heller.
Der AAW besitzt den schnelleren und festeren Bassbereich mit besserer Definition und mehr Details im Mittel- und Hochton.
Beide besitzen in etwa eine gleich große Bühne und sind auch in Sachen räumlicher Präzision vergleichbar.


Fazit:

Der 1More E1001 ist ein musikalisch klingender, warmer und bassiger In-Ear mit genügend
gegenwirkender Helligkeit im oberen Mittelton sowie Superhochton und einer im Mittel- und Hochton wirklich überzeugenden Detailreproduktion.
Jedoch passt der dynamische Tieftöner meiner Meinung nach nicht wirklich zu diesem In-Ear, denn ihm fehlt es an Schnelligkeit, Details und Festigkeit. Ich denke, dass es besser gewesen wäre, wenn 1More stattdessen einen großen und rückseitig belüfteten BA-Treiber für den Bassbereich verwendet hätte. Zusammen mit dem stoffummantelten Kabel ohne Kinnschieber und einer Trageweise, die nur mit dem Kabel nach unten möglich ist, was Kabelgeräusche verstärkt, hinterlässt dies schon einen ziemlich bitteren Beigeschmack bei einem ansonsten recht soliden In-Ear.