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Schall und Rauch: Al Capone "Pockets Filter" und "Sweet Cognac" im Test [Lounge-Tech] 🇩🇪

Prolog:

Ich bib definitiv kein Raucher - mein Konsum von Tabak-Produkten liegt jährlich bei durchschnittlich weniger als zwei Zigarren; Zigaretten rühre ich überhaupt nicht an und finde sie geschmacklich uninteressant bis abstoßend.
Dennoch genehmige ich mir in der vor- und nach-weihnachtlichen Zeit eine bis zwei der gerollten Tabak-Spezialitäten, wobei ich die kompakteren Formate, jedoch mit Longfiller-Einlage, bevorzuge.

Bei Zigarren (, deren Rauch übrigens nicht inhaliert, sondern gepafft wird,) verhält es sich dabei wie mit guten Kopfhörern und guter Musik - sie dienen zum entspannten, gezielten Genuss, und man möchte die ganze Vielfalt an Aromen und Nuancen, die sich fein entfalten, gezielt aufnehmen und bewusst erleben.
Mit dem ständigen Inhalieren von Zigarettenrauch wie bei "Nikotin-Junkies" hat bewusster Zigarren-Konsum also so wenig gemeinsam, wie das unbewusste Hören von extrem Loudness-komprimierter
Musik über billige und/oder schlechte PC-Lautsprecher/Kopfhörer mit dem bewussten und konzentrierten Hören über gute Schallwandler nicht vergleichbar ist.

Neulich sah ich eine Internet-Anzeige eines Tabak-Herstellers namens "Al Capone", die eine Metall-Dose für Zigaretten/kleine Zigarillos als Werbegeschenk gegen Angabe seiner persönlichen Daten bewarb. Die Datenschutz- und Nutzungsbedingungen lasen sich vertrauenswürdig, also bestellte ich eine der kostenlosen Dosen, die ich zur Aufbewahrung von Kleinkram oder als Gehäuse für einen kleinen mobilen Kopfhörer-Verstärker zu nutzen gedachte, wie ich ihn bereits ein Mal in einer geräumigeren Kaugummi-Blechdose aufbaute.
Ein paar Wochen später trudelte dann zeitgleich mit einem Rezensionsmuster der ORIVETI BASIC In-Ears ein Luftpolsterumschlag bei mir ein, in dem sich neben der Metalldose zu meiner Überraschung auch noch ein paar Filter-Zigarillos befanden, denen ich eine kleine Rezension widmen möchte, so zeigen sie nämlich, wie sich qualitativ gute Tabak-Ware eben nicht darstellen sollte.


Was die Gratisprobe beinhaltete:

In der Metalldose befand sich eine luftdicht verschlossene Verpackung mit 18 Filter-Zigarillos von Al Capone, die sich "Pockets Filter" nennen. In einem flacheren Karton-Schuber befanden sich noch
zusätzlich drei kleine Filter-Zigarillos, die sich später als "Sweet Cognac" herausstellen sollten.

Die Metalldose ist kompakt und erscheint robust. Auf dem Boden befindet sich ein Loch, durch das man die Zigarillo-Packung herausschieben kann. Sollte ich mal aus Spaß einen kleinen Kopfhörerverstärker in die Box bauen, wird dieses womöglich für einen kleinen Lade-Anschluss dienen.
Um zu realisieren, wie man den Deckel öffnet, verging eine kleine Weile, doch dann realisierte ich, dass man seitlich auf ihn drücken muss, damit er aufspringt.



Erster (optischer) Eindruck:

Die Zigarillos sind klein und dürften das Zigaretten-Ringmaß besitzen, scheinen jedoch etwas kürzer.
Da es sich um Filter-Zigarillos handelt, befindet sich am Mundstück ein zweiteiliger Filter, der aus einem kürzeren und einem längeren Watte-Stück mit kleinen Aktivkohle-Stücken im längeren besteht.
Das Deckblatt der Zigarillos wirkt recht billig und hat nicht viel mit der Qualität höherwertiger Zigarren und Zigarillos gemeinsam.
Der Füll-Tabak ist wie bei Zigaretten üblich in winzige Schnipsel geschnitten und scheint nicht in ein Umblatt gewickelt worden zu sein, sondern wurde wahrscheinlich direkt in das zuvor zylindrisch verklebte Deckblatt gepresst.


Rezension "Sweet Cognac":


Nach dem Herausnehmen eines der Zigarillos war ich etwas enttäuscht, denn die flüchtigen
Geruchsnuancen von Tabak "out of the box" im nicht glimmenden Zustand, die es normalerweise gibt, sind bei den "Sweet Cognac" Zigarillos einfach nicht vorhanden.

"Sweet" trifft definitiv auf diese Zigarillos zu, den setzt man die Lippen an, selbst solange der Zigarillo noch nicht angezündet ist, schlägt einem ein sehr süßes Aroma entgegen, das nicht wirklich an Cognac, sondern eher an Zucker erinnert. Wie es scheint, sind sowohl das Deckblatt als auch der Filter aromatisiert.

Doch wie schmecken die Zigarillos nun?

Nach dem Anzünden fällt positiv auf, dass der Zugwiderstand nicht sonderlich hoch ausfällt, weshalb auch Neulinge problemlos gleichmäßige Züge nehmen können.

Nach ein paar Mal Paffen fällt mein Eindruck ziemlich enttäuscht aus - dass man bei dem wirklich geringen Stückpreis der Zigarillos nicht allzu viel Geschmack, Vielfalt oder Aromen erwarten darf,
erscheint logisch, aber trotz meiner sehr stark zurückgeschraubten Erwartungen ist die Enttäuschung recht groß.
Feine Leder- und Holz-Noten, Erdigkeit, etwas subtilen Kakao-Geschmack oder gar differenzierte Frucht-Noten sucht man vergeblich. Stattdessen hat man die künstlich wirkende Süße des Filters und Deckblattes auf der Zunge, während der Rauch in der Mundhöhle nur ein sehr mildes, undifferenziertes und monotones Aroma hinterlässt, das sich nicht näher spezifizieren lässt und etwas staubig wirkt. Mit viel Fantasie könnte man ein trockenes Heu-Aroma erahnen. Schärfe befindet sich im sehr milden Rauch aber auch keine.
Mein erster Gedanke war, dass dies sicher am Filter liegen muss, also brach ich diesen vorsichtig ab. In der Hoffnung auf neue und differenzierte Aromen nahm ich mit genügend zeitlichem Abstand ein
paar Züge in meine Mundhöhle auf und stieß sie wieder aus, aber der Eindruck blieb unverändert und undifferenziert, monoton und einfach nur lasch. Nein, selbst Zigaretten mit dem scharfen Geschmack ihrer Papier-Hülsen bieten beim Paffen eine breitere Aromen-Vielfalt, die in ihrer Differenziertheit aber ebenfalls weit (!) von der einer günstigen Zigarre entfernt ist.
Sollte man ein besonders ausgeprägtes Verlangen nach Nikotin besitzen, kann man dieses mit den Zigarillos ebenfalls nicht befriedigen, denn genau wie ihr Geschmack fällt der Nikotin-Anteil gering aus.

Einzig positiv kann ich das Abbrenn-Verhalten bewerten, ebenso wie auch, dass die Zigarillos Fehler wie durch zu häufige und zu intensive Züge zu hohe Temperaturen gutmütig verzeihen und nicht gleich scharf und bitter schmecken.


Rezension "Pockets Filter":


Im Großen und Ganzen trifft alles, was ich zu den "Sweet Cognac" Zigarillos schrieb, auch auf die "Pockets Filter" zu, die insgesamt im Vergleich aber die besseren Tabak-Produkte sind, auch wenn sie
qualitativ ebenfalls nicht überzeugen können.

Beim Öffnen der luftdichten Verpackung und Riechen an einem Zigarillo ist ein leichtes Tabak-Aroma wahrnehmbar, ganz anders als bei der geruchsneutralen "Sweet Cognac" Variante.

Der Zugwiderstand fällt identisch aus.

Die "Pockets Filter" Zigarillos besitzen logischerweise nicht die künstliche Süße der aromatisierten Ausführung, schmecken also natürlicher.
Durch den Verzicht der Aromatisierung kommen die eigentlichen Aromen der Zigarillos auch etwas besser zum Vorschein, bleiben aber noch immer monoton und sehr mild. Eine staubige und eintönige Note ist ebenfalls wahrnehmbar, jedoch gesellt sich zu ihr noch ein ganz leichtes Röst-Aroma zusammen mit einer geringen Erdigkeits-Note. Differenziert wirkt der Geschmack aber ebenfalls nicht und ist auch nicht intensiv. Schärfe gibt es im Aroma ebenfalls nicht.


Fazit:

Weder kostenlos noch wenn man mir Geld dafür gäbe (letzteres käme jedoch auf die Summe an...),
würde ich diese Zigarillos paffen oder rauchen. Argumentieren könnte man, dass sie sich zum Herantasten und Gewöhnen ans Rauchen eignen, was aber ein total schwachsinniger Grund wäre. Darauf und eine junge Zielgruppe scheinen es die Werbe-Texter auf der Hersteller-Seite jedoch abgesehen zu haben, was ich verwerflich finde. Wenn man sich Produktplatzierungen und Werbung der Tabakindustrie von vor ein paar Jahrzehnten ansieht, ist dies leider jedoch keine Ausnahme, sondern eher die Regel.

Zigarren-Genießern werden Aromen und Finesse fehlen, während die Intensität und der Nikotingehalt für Zigaretten-Raucher bei den Zigarillos von Al Capone zu gering ausfallen wird.
Es handelt sich meiner Meinung nach bei diesen Zigarillos schlicht um sehr seichte, milde Zigaretten in einem billigen Zigarren-Deckblatt, die das Anzünden nicht wert sind.