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Custom Art Ei.3: Ein sowohl klanglich als auch technisch sehr überzeugender (C)IEM - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Wer ein Hobby besitzt, das nicht nur ein Hobby, sondern eine persönliche Leidenschaft ist, die einen sehr hohen inneren Stellenwert besitzt, wird sich womöglich mit der Zeit zu einem Experten auf diesem Gebiet entwickeln.
Für Piotr Granicki begann alles mit einer großen Leidenschaft für Musik und In-Ears. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieses Hobby weiter zu einem themenverwandten und Piotr begann, hobbymäßig maßgefertigte In-Ears (auch als „CIEMs“ bekannt) herzustellen, was gute mathematische Fertigkeiten (zum Berechnen der Widerstands- und Kondensatorwerte der Frequenzweiche und der Schallkanalbreite als auch -länge sowie Wert der akustischen Dämpfer für die angestrebte tonale Abstimmung) und Fingerspitzengefühl (zum Erstellen der Gussform basierend auf den Ohrabdrücken und dann zum Fertigen der In-Ears) sowie mehr erfordert.

Piotr ist es gelungen, was manche Menschen anstreben, es aber oft doch nicht bis zum Ende durchziehen – er hat seine Leidenschaft in eine erfolgreich geführte Firma, Custom Art, gewandelt und verdient seinen Lebensunterhalt nun mit der Herstellung von maßgefertigten In-Ears, was er recht gut zu machen scheint, wenn man sich die Beurteilungen seiner Kunden und einiger Reviewer ansieht (allzu verwunderlich ist dies nicht, denn er besitzt alles, was man dafür benötigt: die Leidenschaft, das Wissen und die Ausrüstung).

Der Ei.3 (http://thecustomart.com/ei-3/) war der erste CIEM von Custom Art, der lediglich mit einem Acryl-Gehäuse lieferbar war – alle bisherigen Produkte waren aus Silikon hergestellt, das mehr Zeit zur Produktion der In-Ears benötigt und auch am Ende teurer und schwieriger zu verarbeiten ist. Der Ei.3 ist als erschwinglicher und mitreißend sowie bassbetont aber noch immer natürlich klingender, maßgefertigter In-Ear gedacht, den man innerhalb der EU schon für weniger als 350€ erstehen kann (im Basispreis inbegriffen sind bereits verschiedene Farben und Designs).
Die Produkte von Custom Art waren bereits im Vergleich zu vergleichbaren Modellen von großen Firmen mit Distributoren in der EU preislich ziemlich günstig für von Hand maßgefertigte In-Ears, aber mit dem Ei.3 wurde ein In-Ear mit drei Treibern und drei akustischen Wegen präsentiert, der womöglich der weltweit günstigste maßgefertigte In-Ear mit drei akustischen Wegen unter der Verwendung von lediglich BA Treibern ist.

Wer wie ich ist und das Handling sowie den Sitz von universellen In-Ears gegenüber CIEMs bevorzugt, kann bei Custom Art auch freundlich nachfragen, ob eine Ausnahme gemacht werden kann und man einen In-Ear mit einem universellen Gehäuse bekommen kann. Natürlich gibt es keine Garantie, dass das Endprodukt klanglich identisch mit dem maßgefertigten Pendant ist, aber wenn man Ohren besitzt, in welchen normale In-Ears sehr gut sitzen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Klang extrem ähnlich ist, recht hoch (als ich meinen UERM CIEM anfertigen ließ, konnte ich ihn mit dem universellen Demo-Modell vergleichen und der Klang war extrem ähnlich, ja gar fast deckungsgleich, weshalb ich mir damals wirklich gewünscht hätte, dass Ultimate Ears seine In-Ears auch auf Anfrage mit einem universellen Gehäuse ausliefert).


Bevor ich mit meinem Review fortfahre, möchte ich mir noch die Zeit nehmen, um mich persönlich bei Piotr und Custom Art für das Zusenden eines Rezensions-Exemplars des Ei.3 (auf Anfrage hergestelltes universelles Gehäuse) für ein ehrliches Review und unbefangene Vergleiche zu bedanken.


Technische Daten:

Preis (je nach Farbe und Design beginnend ab): 1359PLN/340€ innerhalb der EU, 1100PLN/275€ außerhalb EU
Treiber: 3x BA je Seite
Akustische Wege: 3 (1x rückseitig belüfteter Tieftöner, 1x Breitbänder, 1x Hochtöner)
Empfindlichkeit: 118 dB @ 1 kHz @ 0,1 V
Impedanz: 48 Ohm @ 1 kHz
Tonumfang: 10 Hz – 17 kHz (+/- 20 dB in einen IEC 711 Kuppler)


Lieferumfang:

Wie auch bei der maßgefertigten Variante wurde mein universeller Ei.3 in einem Peli 1010 Etui mit transparentem Deckel geliefert (persönlich würde ich einen nicht durchsichtigen Deckel mit Polsterung sowie ein Custom Art Logo auf der Außenseite bevorzugen), in welchem sich die In-Ears, ein Reinigungswerkzeig sowie eine Trockenkapsel und Garantiekarte mit weiteren interessanten Informationen befanden. Als universelles Exemplar kamen die In-Ears ebenfalls mit einer Auswahl an verschiedenen Ohrpassstücken.





Optik, Haptik, Verarbeitung:

Hier möchte ich nicht zu sehr ins Detail gehen, da man bei den maßgefertigten In-Ears zwischen etlichen Farben und Designs wählen kann und ebenfalls eine Auswahl an verschiedenen Faceplates und Finishes hat (wie bei allen CIEM Herstellern sind hier manche im Basispreis inklusive, während
andere einen Aufpreis kosten). Individuelle Artworks, Bilder und Texte sind ebenfalls möglich.

Falls sich jemand fragen sollte, welche Farbe ich bekam, so kann ich sagen, dass ich einen Ei.3 mit Metallic-Bernstein-farbenen Gehäusen sowie Metallic-schwarzen Faceplates und negativen goldenen Custom Art Logos erhielt. Auf der Innenseite der Gehäuse findet man die Seriennummer in roter sowie blauer Farbe wieder – zwei Farben, welche wie üblich zur jeweiligen Seite passen (rechts und links). Der Ei.3 besitzt ein Dual-Bore Design mit, je Seite, einem großen und einem kleinen Schallkanal, die am Ende des Schallaustritts ins Ohr strahlen.
Die Verarbeitungsqualität der Acryl-Gehäuse ist exzellent und auch die Faceplates sind nahtlos und sauber mit den Gehäusen verbunden.





Das verdrillte schwarze Kabel besteht unterhalb dem Y-Splitter aus drei einzelnen Strängen und besitzt einen transparenten Kinn-Schieber. An allen Übergängen befindet sich ein sehr guter Knickschutz.




Tragekomfort, Isolation:

Hier möchte ich ebenfalls nicht zu sehr ins Detail gehen, da der Sitz eines universellen Demo-Hörers/universellen In-Ears entscheidend von der individuellen Ohranatomie abhängt und da der Sitz
und Komfort des maßgefertigten In-Ears in höchstem Maße von der Qualität der genommenen Ohrabdrücke abhängt, die das Labor erreichen (deshalb sollte man am besten einen recht erfahrenen Audiologen die Ohrabdrücke nehmen lassen, wenn man sich für einen maßgefertigten In-Ear entscheidet, und auch am besten die Abdrucknahme-Anleitung mitnehmen, die von den meisten Herstellern maßgefertigter In-Ears auf der Website zum Download angeboten wird).

Der universelle Hörer zumindest sitzt exzellent in meinen Ohren und dichtet sehr schnell und gut ab. Persönlich würde ich mich auch freuen, sofern Custom Art die Version mit universellem Gehäuse zusätzlich auch standardmäßig auf der Website anbieten würde.

Aufgrund der geschlossenen Acrylgehäuse ist die Geräuschisolation auch sehr hoch.


Klang:

Meine hauptsächlich zum Hören genutzten Quellgeräte waren mein iBasso DX90, mein Chord Mojo + Leckerton UHA-6S.MKII Stack, der Cowon Plenue M2 und der LH Labs Geek Out IEM 100.

Während des Hörens nutzte ich ausschließlich die größten Silikonaufsätze aus dem Lieferumfang des universellen In-Ear Kopfhörers.

Randnotiz: Auch wenn dies bei meinem maßgefertigten UERM und seinem universellen Demo-Hörer nicht der Fall war, kann es natürlich sein, dass meine Eindrücke des universellen Ei.3 zu einem gewissen Grad von der maßgefertigten Version abweichen.

Tonalität:

Die Klangbeschreibung auf der Custom Art Website ist meiner Meinung nach sehr passend, was basierend auf Piotrs/Custom Arts Hintergrund und der Transparenz der Firma aber auch nicht allzu verwunderlich ist.

Was man bekommt, ist ein präsenter, aber nicht übertriebener Bass, der stark ist, jedoch nicht in den Mittelton hineinstrahlt und auch nicht fehl am Platz scheint. Definitiv ist der Ei.3 hingegen kein In-
Ear für Bassheads, denn allzu viel Bassquantität besitzt er letztendlich doch nicht und fügt dem Geschehen gerade die richtige Menge hinzu, um die Musik spaßig und nicht langweilig klingen zu lassen – die Mehrheit an In-Ears mit dynamischem Treiber für den Tiefton ist bassiger, was auch für manche der bassstärksten In-Ears mit BA Treibern (wenngleich zu einem geringeren Grad) gilt – solange die Musik es nicht fordert, mischt der Ei.3 ihr nichts hinzu, was nicht da ist.
So, wie die Beschreibung es sagt, besitzt der Triple-Driver von Custom Art eine gute Balance zwischen einem ausgewogenen und mitreißenden Klang.
Der Bass reicht tief bis in den Tiefbass und besitzt einen kraftvollen Einschlag im Mid- und Oberbass, zusammen mit etwas Wärme im Grundton, der jedoch nicht den Mittelton einstrahlt.
Der Stimmbereich klingt natürlich, realistisch und verfärbungsfrei. Beim Ei.3 ist der Mittelton in meinen Ohren einfach auf den Punkt genau ziemlich korrekt.
Der Hochton klingt insgesamt sanft und nicht offensiv, abgesehen von einer kleinen Klarheits-Betonung im oberen Hochton, welche diesen aber ebenfalls nicht scharf klingen lässt.

Wenn ich mittels des Einsatzes eines Sinusgenerators stärker ins Detail gehe, höre ich, dass der Tiefton um 600 Hz gleichmäßig sowie langsam ansteigt und um 100 Hz seinen Höhepunkt erreicht. Dieser Pegel kann bis in den Tiefbass aufrecht gehalten werden und verliert nur unterhalb von 35 minimalst und kaum merklich an Quantität. Meine Ohren sagen mir, dass die Betonung des Basses etwas mehr als 7 dB mehr als der Pegel eines Diffusfeld-neutralen In-Ears beträgt, was eine Betonung ist, die manche Menschen, die einen wirklich neutralen Klang nicht kennen, noch immer als ausgewogen bezeichnen würden – wie schon erwähnt, ist der Bass eben alles andere als übertrieben dosiert.
Zwischen 1,5 und 3 kHz höre ich eine sehr geringe Senke, woraufhin der Pegel um 5 kHz wieder auf einem neutralen Niveau ist und zwischen 7,1 und 8,5 kHz eine Betonung formt. Der Superhochton oberhalb von 10 kHz rollt dann langsam ab (hier oberhalb von 10 kHz gibt es also nicht so viel subtiles Glitzern wie bei manch anderem In-Ear, dennoch ist der Hochtonumfang noch immer gut).

Insgesamt nehme ich den Klang als sehr zusammenhängend wahr, mit einer guten Balance zwischen Spaß und tonaler Genauigkeit. Der Klang ist somit definitiv nicht neutral, aber auch nicht zu sehr gesoundet, und der Ei.3 klingt realistisch – es gibt nichts, das fehl am Platz klingt, und Instrumente klingen realistisch. Von Chris für gut befunden.

Auflösung:

Nicht immer, aber manchmal klingen In-Ears mit drei akustischen Wegen etwas detaillierter im Mittelton als In-Ears mit nur zwei akustischen Wegen – ich erinnere mich noch, dass als ich meinen Audio Technica ATH-IM03 importierte, ich fälschlicherweise anfangs dachte, es handle sich um einen In-Ear mit drei Treibern und zwei akustischen Wegen (2x Tieftöner, 1x Mittel-Hochtöner), ausgehend davon, was ich gelesen hatte. Als ich den ATH-IM03 zum ersten Mal in meine Ohren setzte und die Wiedergabe startete, dachte ich „hmmm, auf mich wirkt der Mittelton etwas höher auflösende als bei zwei-Wege-In-Ears und besitzt mehr Details als auch einen anderen ‚Charakter‘“ – dieser „Charakter“ kann von mir nicht wirklich in Worte gefasst werden, sondern ist eher etwas, das man einfach wahrnimmt, wenn es da ist. Wie dem auch sei, was ich zu wissen glaubte und was ich hörte, passte nicht zusammen, also suchte ich nach mehr Informationen über die Treiber-Konfiguration und fand heraus, dass der ATH-IM03 eigentlich drei akustische Wege besitzt. Nun
passte das, was ich in Erfahrung bringen konnte, endlich mit meinem Gehörten zusammen.

Eins kann ich jetzt schon sagen – der Custom Art Ei.3 klingt um ein gutes Stück besser, als ich es für den Preis erwartet hatte, ausgehend vom Hören anderer Demo-Hörer maßgefertigter Einsteiger-In-Ears (bei dieser Aussage beziehe ich mich hauptsächlich auf den UE4 Pro).

Der Ei.3 besitzt nicht den härtesten BA-Sound, sondern nimmt dem Bass eine gewisse Aggressivität, was aber sehr gut gemacht wurde: Sein Bass ist nicht so fest und trocken wie bei ein paar anderen BA-basierten In-Ears (wenn ich diesen Eindruck in Zahlen fassen müsste, würde ich sagen, dass der Ei.3 70% absolute Geschwindigkeit besitzt, wobei 7 ironischerweise die Zahl ist, welche von Custom Art in der Auflistung der Bassqualität des Ei.3 auf der Website steht), besitzt jedoch noch immer eine sehr gute Qualität. Was ich persönlich am meiner Meinung nach wirklich gut gemachten Tiefton des Ei.3 so verführerisch finde, ist, dass der Einschlag etwas weicher ist, wodurch für einen etwas körperhafteren Bass und Tiefbass gesorgt wird, wobei der Tiefton schnell ausklingt, wodurch Weichheit und Langsamkeit vermieden werden. Ja, insgesamt ist der Klang noch schnell, sauber und detailliert im Tiefton, weshalb ich persönlich einen In-Ear mit ausschließlich BA-Treibern beim ernsthafteren und konzentrierteren Hören aufgrund dieser Eigenschaften einem Modell mit einem dynamischen Tiefton bevorzuge (hierbei gibt es wirklich nur sehr wenige Ausnahmen, welche hauptsächlich, aber nicht ausschließlich manche Single-BA In-Ears betreffen). Was ich auch sehr gut am unteren Frequenzbereich des Ei.3 finde, ist dass dieser trotz des Einsatzes eines rückseitig belüfteten Treibers nicht zu langsam oder weich klingt, was meiner Meinung nach manchmal beim InEar StageDiver SD-2 und Fischer Amps FA-4E XB der Fall ist (bei letzterem ganz gegensätzlich zum regulären FA-3E, welcher ebenfalls zwei rückseitig belüftete Tieftöner besitzt, aber schnell, hart und sauber klingt).

Entgegen der Beschreibung auf der Internetpräsenz von Custom Art bin ich aber nicht wirklich der Meinung, dass der Ei.3 „die beste Wahl für EDM- oder Rap-Genres“ sei, denn im Bereich der Stimmen gibt er sich definitiv keine Blöße. Sein Mittelton klingt detailliert und auch bei der Sprachverständlichkeit gibt es nichts Negatives zu berichten, denn diese fällt hoch aus. Der In-Ear eignet sich ebenfalls für jemand, der vielleicht hauptsächlich zu stimmlastiger Musik im Plattenschrank greift, jedoch keinen extra betonten Mittelton oder einen solchen, der männliche oder weibliche Stimmen favorisiert, möchte.

Während der Hochton nicht detailarm klingt, fehlt es ihm ein wenig an Offenheit sowie Separation und er klingt etwas eingeengt, aber was soll’s?! Der Ei.3 ist ein preislich extrem fair gesetzter maßgefertigter In-Ear aus Acryl, der gut klingt und zudem noch eine wirklich überzeugende Bühnendarstellung besitzt (darauf gehe ich wie üblich gleich in einem gesonderten Teil näher ein), und was ich dabei noch anmerken kann, ist, dass ich nicht glaube, dass es viele (oder etwa gar keine?) anderen maßgefertigten In-Ears in diesem Preisbereich gibt, die a) die gleiche Technologie sowie Qualität besitzen, oder b) sich auf dem gleichen technischen Niveau bewegen – beispielsweise kommt Ultimate Ears‘ günstigster maßgefertigter In-Ear, der UE4 Pro, nicht an die Präzision und das Detailniveau des Ei.3 heran und ist zudem noch um ein gutes Stück teurer.

Was ich bisher flüchtig über den Ei.3 von anderen Personen gelesen habe, ist definitiv keine Lüge – bei ihm handelt es sich um einen sehr gut verarbeiteten maßgefertigten In-Ear mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis.

Räumliche Darstellung:

In meinen Ohren klingt die Bühne des Ei.3 ziemlich offen, dreidimensional und auch recht holographisch. Die Ausdehnung zu den Seiten ist sehr ordentlich und überschreitet etwas die Basis zwischen meinen Ohren, wobei sie mit einer recht guten räumlichen Tiefe und Höhe einhergeht, wenngleich ich sagen würde, dass die Bühne ein wenig breiter als tief ist.
Die Staffelung und räumliche Tiefe klingt glaubhaft, was etwas ist, bei dem einige In-Ears mit Balanced Armature Treibern in diesem Preisbereich noch etwas straucheln – nicht so jedoch der Ei.3.

Die Positionierung von Instrumenten erfolgt präzise. Getrennt werden jene gut, wenngleich nicht perfekt – Instrumente strahlen nicht ineinander hinein, bleiben bei komplexeren Aufnahmen aber
auch nicht so fokussiert wie bei höherpreisigen In-Ears, wobei ich noch immer Schwierigkeiten damit
habe, einen günstigeren Multi-BA In-Ear zu finden, welcher den Custom Art in Sachen absoluter räumlicher Präzision übertrifft oder sehr nah kommt (der Pai Audio MR3 ist das einzige Konkurrenzprodukt, welches mir hier in den Sinn kommt).

Meiner Meinung nach ist die Bühne großartig – sie klingt sehr dreidimensional, mit guter Staffelung und sehr guter Reproduktion von räumlicher Tiefe sowie Höhe. Nach meiner Erfahrung ist dies nur äußerst selten bei anderen preislich ähnlich gesetzten Multi-BA In-Ears der Fall.
Die sehr überzeugende und dreidimensionale Bühne des Ei.3 war auch eine der ersten Eigenschaften des In-Ears, die es vermochte, mir direkt beim ersten Hören ein breites Grinsen ins Gesicht zu zaubern, welches (ohne auch nur im Ansatz zu übertreiben) selbst nach mehreren Stunden des Hörens nicht wich, da ich dieses Auflösungsniveau und die Bühne nicht bei einem eigentlich maßgefertigten In-Ear in diesem Preisbereich erwartet hatte. Selbst die räumliche Präsentation des Ei.3 allein rechtfertigt (meiner Meinung nach) bereits den Preis.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:



Noble Audio SAVANNA:
Der SAVANNA ist ein ziemlich neutraler In-Ear. Verglichen mit dem Ei.3 besitzt er weniger Bass, rollt gen Tiefbass aber etwas ab und besitzt keine Betonungsspitze im oberen Hochton, sondern ein flaches/neutrales und extrem gleichmäßiges oberes Frequenzband.
Ich würde sagen, dass der Noble im Mittel- und Hochton detaillierter klingt. Der SAVANNA besitzt den etwas schneller einschlagenden Bass, während der Custom Art Ei.3 im Tiefton geringfügig schneller ausklingt.
Beide In-Ears besitzen eine überzeugende räumliche Darstellung, während die des Noble etwas sauberer ist und Instrumente bei diesem etwas besser positioniert und getrennt werden. Die Bühne des SAVANNA ist auch ein wenig größer.

Fischer Amps FA-4E XB:
Der Fischer Amps besitzt den präsenteren Bass und Grundton, welcher leider auch in den Mittelton einstrahlt, weswegen Stimmen voluminös und etwas dunkel klingen. Im oberen Hochton ist er auch der hellere der beiden In-Ears und betont Becken stärker.
Ich würde sagen, dass beide im Mittelton vergleichbar auflösen. Der FA-4E klingt im Hochton etwas besser separiert, während der Bass des Ei.3 etwas weniger weich sowie schneller ist und auch detaillierter für mich klingt.
Während der FA-4E XB eine wirklich solide Bühne besitzt, war er hier schon immer im Vergleich zu in diesem Bereich sehr guten In-Ears etwas rückständig (z.B. im Vergleich zum SD-2 und ATH-IM03). Die Bühne des Ei.3 ist in meinen Ohren größer und besitzt die präzisere Instrumentendarstellung und -trennung.

iBasso IT03:
Dies wird ein interessanter Vergleich: ein hybrider In-Ear mit einem schnellen dynamischen Bass gegen einen Multi-BA In-Ear mit einem Bass, der etwas mehr in die dynamische Richtung geht.
Der IT03 besitzt geringfügig weniger Präsenz im Oberbass, jedoch etwas mehr im Tiefbass, was ihn ein wenig mehr zum Tiefbass-fokussierten In-Ear werden lässt. Der iBasso besitzt den helleren Mittelton, der etwas heller klingt und weibliche Stimmen dadurch hervorhebt. Auch um 5 kHz ist er geringfügig heller.
Was den Basscharakter betrifft, liegen beide In-Ears überraschend dicht beieinander. Der Ei.3 jedoch klingt im Bass etwas schneller aus, was ihn insgesamt etwas trockener und schneller klingen lässt. In Sachen Detailauflösung sehe ich den Custom Art In-Ear ebenfalls im Tiefton vorn, während der iBasso den ein wenig besser getrennten Hochton besitzt. Im Mittelton sind beide vergleichbar auflösend.
Die Bühne des IT03 erscheint in meinen Ohren geringfügig weniger tief, wenngleich sie im Vergleich etwas breiter ist und ebenfalls die etwas genauere Instrumententrennung besitzt.

DUNU DN-2002:
Der DUNU besitzt geringfügig weniger Bass, jedoch den voluminöseren Grundton, welcher den In-Ear im Vergleich wärmer klingen lässt. Sein Stimmbereich ist etwas wärmer als der des Custom Art, wenngleich er nicht wirklich stark, sondern nur ein wenig verfärbt. Im mittleren Hochton um 5 kHz besitzt der DUNU eine Senke.
Im direkten Vergleich besitzt der DUNU den etwas „drückenderen“ und weicheren Bassbereich, was aufgrund der unterschiedlichen Treiber-Technologien (Multi-BA In-Ear vs. hybrider In-Ear) aber nicht allzu verwunderlich ist. Ich würde sagen, dass sich beide In-Ears auf dem gleichen technischen Niveau im Mittelton befinden und dass der DUNU im Hochton geringfügig besser separiert erscheint.
Die Bühne des Ei.3 erscheint ein wenig breiter, während beide In-Ears in meinen Ohren identisch viel räumliche Tiefe besitzen. Die Bühne des Custom Art In-Ears ist in meinen Ohren geringfügig schärfer getrennt.

Audio Technica ATH-IM03:
Wichtige Notiz: Ich betreibe den ATH-IM03 an Geräten mit sehr geringer Ausgangsimpedanz und nutze dabei die Silikonaussätze aus dem Lieferumfang, die manchmal mehr und manchmal weniger deutlich anders klingen als der In-Ear mit so gut wie allen Aufsätzen anderer Hersteller (mit den Originalaufsätzen klingt der Audio Technica heller in den Höhen und der Klang ist eher badewannig).
Der in Europa kaum zu findende (meinen importierte ich aus Japan) und trotz meiner großen Ohren eher schlecht sitzende ATH-IM03 besitzt nur geringfügig mehr Bass, die im Direktvergleich ganz minimal distanzierter wirkenden Mitten und einen vergleichbaren Hochton.
Der Audio Technica jedoch hebt alles auf ein noch etwas höheres Niveau, indem er den trockeneren/festeren Bass, etwas detaillierteren Mittelton und auch den besser separierten und differenzierteren Hochton besitzt.
In Sachen Bühnendarstellung besitzt der Ei.3 eine von den Abmessungen in meinen Ohren mit dem ATH-IM03 vergleichbare Bühne. Der Audio Technica jedoch kann mit der schärferen Instrumententrennung und -platzierung auftrumpfen.

Ultimate Ears Triple.Fi 10:
Der Triple.Fi 10 ist ein badewanniger In-Ear mit einem distanzierteren und geringfügig hohl sowie dünn erscheinenden Mittelton. Sein Hochton ist heller und spritziger (/metallischer) als der des Ei.3 und sein Bass ist ebenfalls minimal präsenter.
Was die technische Ebene betrifft, nehme ich den Ei.3 als den technisch überlegenden In-Ear wahr. Während der Bass des Triple.Fi 10 ein bisschen schneller einschlägt und dadurch geringfügig weniger weich wirkt, scheint der Ei.3 im Tiefton besser aufzulösen, was auch auf den Mittelton zutrifft, während die Auflösung im Hochton vergleichbar ist.
Ich habe die Bühne des Triple.Fi 10 noch nie als dreidimensional empfunden, sondern nahm sie schon immer als recht flach, eher breit und oval wahr. Der Ei.3 besitzt mehr räumliche Tiefe, einhergehend mit der besseren Staffelung, während die Bühne des UE ein wenig breiter ist. Beide sind in Sachen Instrumententrennung vergleichbar.


Fazit:

Neben einer sehr guten Verarbeitung mit einer Fertigung von Hand ist auch die Klangqualität des Ei.3 richtig gut. Der In-Ear bietet einen tiefreichenden, viszeralen Bass, der präsent, aber nicht im Entferntesten übertrieben ist (eigentlich ist er sogar gar nicht mal weit vom Tiefton eines ausgewogenen In-Ears entfernt) und strahlt auch nicht in den Mittelton hinein – dennoch besitzt der Bassbereich genug Quantität, um etwas Rumpeln und Druck von unten aufzubauen und mir ein breites Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Des Weiteren befindet sich das Detailniveau des Custom Art In-Ears auf einem sehr guten Niveau für den Preis und seine klangliche Bühne ist recht offen und
insbesondere sehr gut texturiert, gestaffelt, dreidimensional und authentisch klingend.
Was bekommt man also? Einen unterhaltsamen und zugleich noch relativ ausgewogenen In-Ear mit einem sehr guten Gegenwert und einer dreidimensionalen sowie überzeugenden Bühne zu einem guten Preis.

Manchmal fehlt es ihm noch ein wenig am letzten Quäntchen an Separation im Hochton und bei der Bühne, wenn man komplexes Musikmaterial wiedergibt. Sollte man den In-Ear deshalb meiden? Definitiv nicht! Wie hoch war nochmal der Preis? Etwas mehr als 300€? Dies ist, ganz ehrlich gesprochen, ein ziemlich guter Deal für das Gesamtpaket, und hierbei habe ich noch nicht einmal mit einbezogen, dass der Ei.3 eigentlich ein maßgefertigter In-Ear ist, dessen Produktion aufwendiger ist und er dadurch normalerweise etwas teurer als technisch vergleichbare universelle In-Ears sein sollte – beim Ei.3 hingegen bekommt man einen gut klingenden CIEM zu einem Preis, bei dem es kaum andere Konkurrenz an maßgefertigten In-Ears gibt.


Meine Gesamtbewertung beträgt 95,55% (bei meiner üblichen 70% Klang/Gegenwert für das Geld (94,5) zu 30% Verarbeitung/Tragekomfort (98) Gewichtung) – ja, man kann durchaus sagen, dass ich denke, dass es sich beim Ei.3 um einen exzellenten In-Ear für den Preis handelt und dass ich ihn persönlich auch sehr mag, respektive liebe (ich denke, dass er in Zukunft meine erste Wahl für einen bassigen aber nicht basslastigen In-Ear mit einer guten Bühnendarstellung zum Hören im Freien sein wird).