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EasyAcc BT28S: "Ich nenn' dich lieber Sunny" - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Der vor ein paar Jahren begonnene Trend der kompakten und portablen, Akku-betriebenen Stereo-Lautsprecher scheint nicht zurück zu gehen und immer mehr neue Hersteller und Modelle entern den Markt, darunter hauptsächlich von asiatischen Herstellern. In einigen Fällen ist die Klangqualität dieser Lautsprecher angesichts ihrer Größe und des Preises sogar wirklich beachtlich und man bekommt keinen unausgewogenen Brei, sondern mithilfe von gut berechneten Gehäusen und Treibern, sowie mittels moderner DSP-Technik und Passiv-Radiatoren kleine Begleiter, welche die Bezeichnung „Miniklangwunder“ tatsächlich verdient haben (mein absoluter persönlicher Budget-Favorit ist ganz klar der Xiaomi Mi Square Box Speaker), auch wenn sie natürlich keine Kompaktanlage oder gar vollwertige Hi-Fi-Anlage ersetzen können (dies können die kleinen Lautsprecher nämlich nicht mal im Ansatz – als portabel einsetzbare Beschallung und zum entspannten und unkritischen Musik-Genuss taugen einige Exemplare jedoch ziemlich gut).


Einer dieser Hersteller ist EasyAcc, der seine Lautsprecher hauptsächlich international auf Amazon anbietet.
So kam es, dass mich der BT28S interessierte und mir dieser kostenfrei und ohne Bedingungen zugesandt wurde. Einzig teilte man mir mit, dass man sich über eine Rezension freuen würde, sofern mir der Lautsprecher persönlich gefalle. Dies traf zwar nicht ein, jedoch habe ich ihm trotzdem ein objektives Review gewidmet, zumal seine bassbetonte tonale Abstimmung sicherlich auch ihre Anhänger finden wird.

Erhältlich ist der Lautsprecher für 45,99€ bei Amazon: http://amzn.to/2jpMhQH



Lieferumfang:

In der simplen Papp-Verpackung, in welcher der Lautsprecher geliefert wird, befinden sich neben dem BT28S noch eine multilinguale Schnellstartanleitung, zusammen mit einem 3,5 mm AUX- und Micro USB-Ladekabel.


Optik/Haptik/Verarbeitung:

Optisch und haptisch kann der BT28S definitiv überzeugen: Sein Design könnte man als schlicht und unauffällig bezeichnen.
Umlaufend an den Seiten befindet sich ein schwarzes Metallgitter, welches sehr sauber eingefasst ist. Generell können die Spaltmaße überzeugen und fallen sehr gering aus.
Die Oberseite des Lautsprechers wird von einer grauen Metallplatte geziert, deren Kanten schön abgeschrägt sind. Auf dieser befindet sich wiederum eine matte, schwarze Kunststoffplatte, welche eine gebürstete Optik besitzt.
Der Boden des Lautsprechers ist gänzlich gummiert und sorgt für einen guten und sicheren Stand.


Trotz der geringen Abmessungen fühlt sich der BT28S schwer, massiv und sehr solide in der Hand an und vermittelt ein gutes und fast schon hochwertig erscheinendes Gefühl. Einzig die Plastik-Tasten in Chrom-Optik auf der Oberseite wollen nicht gänzlich zu diesem Eindruck passen und sind zudem auch noch ein wenig schief montiert.


Anschlüsse:

Auf der Rückseite des Lautsprechers befindet sich ein 3,5 mm Klinkeneingang, über den sich sehr viele Quellgeräte kabelgebunden anschließen lassen.
Neben diesem AUX-Eingang findet man noch eine Micro USB-Ladebuchse vor.


Verbindung, Bedienung:

Eingeschaltet wird der BT28S über die kleine, schwarze Taste auf der Rückseite. Anschließend leuchtet die LED auf der Oberseite kurz grün auf, um dann blau zu blinken. Ist ein Quellgerät kabellos verbunden, leuchtet sie durchgehend blau (beim Anschluss eines kabelgebundenen Gerätes leuchtet die LED durchgehend grün).


Auf der Oberseite findet man sechs weitere Tasten vor, mit denen sich Anrufe, die Lautstärke und die Wiedergabe steuern lassen. Mit meinem Asus Google Nexus 7 (zweite Generation) Tablet funktioniert dies ohne Einschränkungen oder Probleme (die Taste zur Anrufsteuerung bleibt wenig verwunderlich ohne zugeordnete Funktion).



Klang:

Hier nutzte ich hauptsächlich mein Asus Google Nexus 7 Tablet (zweite Generation) im Bluetooth-Betrieb. Zwischen dem kabellosen und kabelgebundenen Betrieb konnte ich beim BT28S mit dem besagten Quellgerät keinen Unterschied feststellen.

Auf der Vorderseite des Lautsprechers befinden sich zwei kleine Breitbänder, die durch einen Passivradiator unterstützt werden. Auf der Rückseite hinter dem Gitter befindet sich ein weiterer, größerer Passivradiator.

Gut finde ich, dass das Einschalt-Jingle recht leise ist, was bei sehr vielen Bluetooth-Lautsprechern und -Kopfhörern leider überhaupt nicht der Fall ist. Auch der Ton, welcher bei einer erfolgreichen Verbindung abgespielt wird, ist nicht übertrieben laut.

Die Lautstärke lässt sich sowohl über den Lautsprecher als auch über das Quellgerät einstellen. Beide Lautstärkeregelungen arbeiten dabei unabhängig voneinander, weshalb es auch möglich ist, ohne Software-Kniffe sehr leise zu hören und die Lautstärke recht feinstufig zu regeln.
Positiv fällt auch die Abstinenz von Eigenrauschen des Bluetooth-Lautsprechers auf.

Tonalität:

Wie klingt denn nun der BT28S? Etwas anders als alle kleinen Bluetooth-Lautsprecher, die ich zur Hand habe und in den letzten paar Jahren gehört habe.
Der kleine Lautsprecher von EasyAcc besitzt eine sehr kräftige Betonung des Oberbasses und unteren Grundtons, die einem gleich als erstes beim Hören von Musik auffällt. Als basslastig kann man den Lautsprecher somit also definitiv schon bezeichnen, so beträgt die Ausprägung dieser Betonung gut und gerne 10 dB und liegt in einem Bereich, der Dröhnen fördert.
Für die Größe des Lautsprechers ist der reine Tiefgang wirklich gut, so stellt sich vor 80 Hz kein deutliches Abrollen ein und selbst 70 Hz werden noch mit verhältnismäßig ordentlichem Pegel wiedergegeben. Dadurch, dass sich im echten Midbass jedoch kaum noch etwas abspielt, ist es nur der Oberbass zusammen mit dem unteren Grundton, der vor sich hin-grummelt und brabbelt, wodurch klangliches Volumen und Tiefgang vorgetäuscht werden sollen, was bei kleinen Lautsprechern und Kompaktanlagen aber keine Seltenheit ist. Beim EasyAcc BT28S hingegen könnte diese Anhebung definitiv etwas dezenter ausfallen, oder alternativ durch eine weitere Taste zuschaltbar sein, wie es bei manch anderem portablen Lautsprecher der Fall ist. Auf mich zumindest wirkt der angehobene untere Grundton und Oberbass recht unangenehm, unnatürlich und dröhnend.

Gerade noch tief genug ist diese Betonung jedoch angesetzt, so strahlt sie nicht zu sehr in den Stimmbereich ein, welcher weitestgehend neutral ist und lediglich bei sehr tiefen Stimmen moderat angedickt wirkt.
Während elektronische Musik, auch solche mit Stimmanteil, noch halbwegs ordentlich mit dem Lautsprecher klingt, aber auch zu Dröhnen neigt, klingen beinahe ausnahmslos alle Aufnahmen, die ein etwas tiefer spielendes echtes Instrument besitzen, einfach nur unnatürlich und dröhnend.

Der Hochton kommt weitestgehend verfärbungsfrei daher und lediglich im mittleren Hochton lässt sich beim Hören von Sinus-Sweeps eine sanfte Betonung ausmachen, welche wohl als Ausgleich für den Bass wirken soll, aber kaum auffällt.

Auflösung:

Aufgrund der Größe und des Preises darf man definitiv keine Wunder erwarten, auch wenn das, was der BT28S hier abliefert, grundsolide ist. Die Trennung von Noten und Instrumenten im Hochton ist gut und nichts endet in einem monotonen, klingelnden oder komprimiert wirkenden Einheitsbrei.
Die Detailauflösung im Mittelton und die Sprachverständlichkeit sind ordentlich, aber nicht außergewöhnlich. Der genaue Wortlaut lässt sich auch in komplexen und dicht besetzen Aufnahmen und Passagen ausmachen, doch fehlt es Stimmen am letzten Bisschen Durchhörbarkeit, Transparenz.
Aufgrund der Abstimmung wirkt der Bass etwas matschig und neigt unterhalb von 80 Hz, bei sehr tiefen Frequenzen zu „pumpen“ (vergleichbar mit dem TDK Trek Micro), was sich ein wenig so anhört, als ob die Treiber und/oder Passivradiatoren an ihre mechanische Grenze kommen würden. Musik mit echtem Tiefbass oder tiefem Midbass mag der BT28S also weniger als solche, die hauptsächlich im Oberbass kickt.


Sehr positiv fällt beim Lautsprecher von EasyAcc auf, dass er sehr verzerrungsarm ist, was angesichts des für seine Größe ordentlichen Tiefganges zusammen mit der kräftigen Betonung des Oberbasses eine recht beachtliche Leistung darstellt.

Bühnendarstellung:

Die deutlich überwiegende Anzahl an kompakten Stereo-Bluetooth-Lautsprechern besitzt für meine Ohren nichts, das man auch nur annähernd als räumliche Wiedergabe bezeichnen könnte (sehr wenige Ausnahmen mal außen vor gelassen).
Während der BT28S es auch nicht schafft, einen dreidimensional überzeugenden Raum vor mir aufzuspannen, geschweige denn eine breite Stereo-Basis zu generieren, lösen sich einzelne tonale Elemente doch ein wenig und ein gar nicht mal so schlechter Rechts-Links-Effekt entsteht. Dieser hört sich manchmal zwar ein kleines bisschen nach „Virtual Surround“ an, überzeugt für einen kleinen Bluetooth-Lautsprecher jedoch trotzdem und wirkt manchmal überraschend glaubwürdig. Eine gewisse Ortbarkeit von links und rechts abgemischten tonalen Elementen ist somit bereits vorhanden und auch eine Abstufung des Pannings lässt sich teilweise schon heraushören.

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Vergleich mit dem
Xiaomi Mi Square Box Bluetooth Speaker:

Der Xiaomi ist aus Aluminium und stabilem Kunststoff gefertigt und wirkt sowohl optisch als auch haptisch sehr wertig und edel. Der BT28S erscheint abgesehen von seinen nicht so gleichmäßig montierten Tasten vergleichbar wertig, ist jedoch um ein gutes Stück schwerer.
Der EasyAcc Lautsprecher besitzt wesentlich mehr Tasten als der Xiaomi und auch mehr Anschlüsse, was nicht verwunderlich ist, da der Mi lediglich über eine multifunktionale Taste und einen Ladeanschluss verfügt. Somit lässt sich die Lautstärke des BT28S auch mit allen kabellos angeschlossenen Quellgeräten ohne Zuhilfenahme weiterer Apps in Verbindung mit Android-Geräten wesentlich feiner regeln.


Tonal spielt der Xiaomi wesentlich ausgewogener und natürlicher auf und besitzt nur eine milde Bassbetonung, während der BT28S gar dröhnend und unangenehm verfälscht klingt. Im Mittelton ist das Timbre der beiden Lautsprecher vergleichbar, während der EasyAcc im Hochton eine Spur präsenter, jedoch nicht unnatürlich aufspielt.
In Sachen Tiefgang bieten beide Lautsprecher eine recht beachtliche Performance für ihre Größe und kommen Frequenz-mäßig etwa gleich tief nach unten.
Insbesondere im Direktvergleich merkt man, dass der BT28S der hörbar verzerrungsärmere Lautsprecher ist, was insbesondere bei höheren Lautstärke-Einstellungen auffällt, bei denen der Xiaomi früher an seine Grenzen stößt (als Leise-Hörer ist dies für mich jedoch weitestgehend irrelevant).

In Sachen Detailauflösung gibt es keinen gravierenden Unterschied der beiden Lautsprecher, die im Hochton etwa gleichwertig detailliert klingen (hier besitzt der BT28S vielleicht einen unwesentlichen Vorteil).
Im Mittelton besitzt der Xiaomi die etwas bessere Sprachverständlichkeit und wirkt auch im Bass trockener, was wahrscheinlich daran liegt, dass die kleinen Breitbänder durch die kräftige Betonung stärker beansprucht werden (regelt man den Tiefton des EasyAcc per Equalizer herunter, gibt es qualitativ keinen wirklichen Unterschied mehr).


Der BT28S besitzt die verhältnismäßig wesentlich überzeugendere räumliche Abbildung/Stereo-Wiedergabe, während der Xiaomi fast immer recht eindimensional klingt und beinahe wie ein Mono-Lautsprecher wirkt.


Fazit:

Ich kann dem
EasyAcc BT28S persönlich leider nicht so viel abgewinnen – dazu ist mir sein Oberbass und unterer Grundton einfach (viel) zu stark betont und präsent, wenn er es im Musikstück eigentlich nicht sein sollte. Dadurch „brabbelt“ und dröhnt der Bass ständig unnatürlich vor sich hin, anstatt von unten herum zu „schieben“, und täuscht nur einen voluminösen Klang vor.
Wer einen ausgeprägten Kickbass mit einem sehr fetten unteren Grundton mag, sollte dennoch seine Freude am BT28S haben – der Lautsprecher zielt schlichtweg auf eine andere Zielgruppe ab und will tonal definitiv eher ein kleiner und basslastiger Party-Lautsprecher, als ein mehr oder minder ausgewogener Hi-Fi Lautsprecher sein.
In dieser Hinsicht (als sehr bassiger „Fun“-Lautsprecher) kann er dann schon eher überzeugen, auch wenn ich ihm trotzdem keine Empfehlung aussprechen kann (/möchte) (die Implementierung der Bassbetonung empfinde ich einfach als zu früh und unpassend – während es etliche Kopfhörer gibt, die stark gesoundet sind und mir trotzdem sehr gut gefallen, sieht es bei Lautsprechern einfach komplett anders aus, denn bei jenen fühle ich mich nur bei einem neutralen oder wenigstens größtenteils noch recht ausgewogenen Klang wohl).

Als Schlusswort kann man also festhalten, dass der BT28S von EasyAcc ein kleiner, preisgünstiger und überraschend hochwertiger sowie massiver Bluetooth-Lautsprecher ist, der einen sehr präsenten Kickbass und unteren Grundton besitzt, welcher es häufig jedoch einfach viel zu sehr übertreibt, um einen noch halbwegs ausgewogenen Klang auszugeben.