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ORIVETI BASIC: bassig, entspannt und harmonisch - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Mit dem Gründungsjahr 2015 ist ORIVETI (http://www.oriveti.com/) eine noch recht neue Firma auf
dem Markt, die jedoch laut eigener Aussage Mitglieder in ihrem Team hat, welche seit mehr als 10 Jahren erfolgreich in der Branche tätig sind – deshalb ist es nicht arg verwunderlich für mich, dass die PRIMACY In-Ears, denen ich letztes Jahr ein ausführliches Review gewidmet habe, ein sehr gelungenes Produkt geworden sind.


Circa ein Jahr ist vergangen und ORIVETI meldet sich nun mit einem neuen In-Ear zurück. Anstelle eines hybriden Modells ist der neue Ohrkanalhörer ein In-Ear mit einem dynamischen Treiber je Seite, der eigens für den In-Ear entwickelt wurde. Jener besitzt auch noch CNC-gefräste Aluminium-Gehäuse inklusive austauschbarer Kabel mit MMCX-Steckverbindungen.

Wie klingen diese günstigeren In-Ears namens „BASIC“ und welche Gemeinsamkeiten haben sie mit dem PRIMACY? Dies wird sich im Verlauf meines Reviews zeigen.


Mittlerweile ist der BASIC übrigens auch bei Amazon erhältlich: http://amzn.to/2r69Ypq


Bevor ich fortfahre, möchte ich mich noch bei Michael von ORIVETI bedanken, der mir die BASIC In-Ears für einen ehrlichen und unbefangenen Testbericht zukommen lassen hat.


Technische Daten:

Preis: 99$
Treiber: 10 mm, dynamisch
Impedanz: 16 Ohm
Frequenzgang: 20 - 20000Hz
Empfindlichkeit: 108+-3dB/mW, 1000Hz
Verzerrungen: <1%
Anschluss: 3,5 mm Stereo, vergoldet
Kabellänge: 1,2 m


Lieferumfang:

Die Kartonverpackung des BASIC zitiert die des PRIMACY, fällt jedoch kompakter aus. Auf der
Rückseite befindet sich ein vergleichbares Explosionsdiagramm und nach dem Abheben des Deckels findet man auch direkt die In-Ears vor, deren Kabel ebenfalls um einen flachen Schaumstoff-Block gewickelt ist.
Des Weiteren findet man im Inneren der Verpackung zwei Paare an Doppel-Flansch-Aufsätzen (eine Größe), zwei Paare an großen (Einfach-Flansch-) Silikonaufsätzen, zwei paare an mittleren Silikonaufsätzen, zwei Paare an kleinen Silikonaufsätzen, zwei Ohrbügel aus Silikon und eine quadratisch zugeschnittene Seite, welche Nutzungshinweise gibt, vor. Ein gutes Aufbewahrungsetui mit Reißverschluss fehlt natürlich ebenfalls nicht und ist innen angenehm geräumig und gut gepolstert.







Optik, Haptik, Verarbeitung:

ORIVETIs hohe Ansprüche an die Verarbeitungsqualität des PRIMACY wurden beim günstigeren BASIC Modell übernommen. Dieser besitzt ebenfalls CNC-gefräste, schwarze Gehäuse, die relativ
klein und insbesondere flach sind.
Das Kabel scheint mit dem des PRIMACY identisch zu sein und ist über alle Fälle erhaben. Vergleichbar ist es mit dem in verdrillter Bauweise hergestellten Kabeln höherpreisiger In-Ears, sehr flexibel und besitzt einen guten Knickschutz mit einem unauffälligen Kinnschieber. Dieses Kabel ist mittels angenehm eng sitzendender, koaxialer MMCX-Verbindungen mit den In-Ear-Gehäusen verbunden, weshalb man das Kabel austauschen kann, sollte es einmal den Geist aufgeben. In der Preisklasse bis 100€ ist dies noch kein Standard und schön zu sehen, dass ORIVETI trotzdem ein austauschbares und qualitativ großartiges Kabel verwendet hat.







Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears sollten auch Menschen mit kleineren Ohren gut passen – in meinen großen sitzen sie
zumindest sehr gut. Aufgrund ihrer flachen Bauweise sitzen die Gehäuse des BASIC auch relativ unauffällig in den Ohren.
Der Tragekomfort ist für mich gut. Aufgrund der professionelleren Trageweise mit dem Kabel über den Ohren, die auch der PRIMACY übernimmt, in Verbindung mit dem sehr guten Kabel, ist Mikrofonie (Kabelgeräusche) nicht vorhanden.

Auch wenn sich in jeder Hörer-Seite eine winzige Belüftungsöffnung befindet, isolieren die In-Ears wirklich gut und werden nur von Modellen mit gänzlich geschlossenen Gehäusen nochmal ein wenig übertroffen.





Klang:

Als Quellgeräte dienten mir der Cowon Plenue M2 sowie mein iBasso DX90.

Zum Hören nutzte ich die größten Silikonaufsätze aus dem Lieferumfang.

Tonalität:

Der BASIC bietet, was ich eine insgesamt ziemlich gut gemachte, sanfte, dunkle, bassige und warme Klangsignatur nennen würde; etwas, das man auch als „einladend“ und „ungezwungen“ sowie „inoffensiv“ bezeichnen könnte.

Der Bass beginnt etwa bei 630 Hz, anzusteigen, und bahnt sich dann gleichmäßig seinen Weg gen etwa 45 Hz, wo sein Klimax erreicht wird, der bis unterhalb von 20 Hz gehalten werden kann und sich an seiner höchsten Stelle etwa 12-13 dB nördlich der Ausprägung eines Diffusfeld-neutralen In-Ears wie dem EtymoticER•4S befindet. Vom Tiefbass aus gesehen ebbt die Betonung also gleichmäßig ab, je höher man die Frequenz-Leiter hinaufklettert.
Im Grunde genommen weist der ORIVETI BASIC somit einen gleichmäßigen Pegelabstieg vom Tiefbass bis in den unteren Grundton auf, mit einem Midbass und unteren Grundtonbereich, der den Mittelton nicht überdeckt oder überstrahlt. Dennoch befindet sich der Stimmbereich des In-Ears auf der wärmeren und dunkleren Seite, ohne vom Bass beeinflusst zu werden, welcher schön unauffällig und gleichmäßig in den Mittelton übergeht.
Gen 3 kHz nimmt der Pegel dann ab, weshalb es helleren Stimmen manchmal etwas an Luftigkeit fehlt, diesen aber auch die Kantigkeit genommen wird.
Um 5 kHz ist der Pegel beinahe wieder neutral in meinen Ohren, geht danach aber wieder zurück und erstreckt sich bis mehr als 15 kHz, jedoch subtil, da der Klang auf Sanftheit getrimmt ist. Hi-Hats wird dabei die Schärfe genommen, ohne sie bedeckt oder eingehüllt erscheinen zu lassen.

Für mich klingt der BASIC genau nach dem In-Ear, den der Brainwavz M100 darstellen wollte, dabei jedoch ziemlich scheiterte und übermäßig warm, dunkel, wollig und unnatürlich endete.
Der ORIVETI hingegen bietet einen sanften, relaxten und bassigen Klang mit einem starken Tiefbass, ohne dabei den Mittelton bedeckt oder wollig erscheinen zu lassen, und auch der Hochton des BASIC ist sanft und dunkel, ohne übermäßig zurückhaltend zu sein.
Die einzige Sache, die die Tonalität näher zu perfekter Sanftheit bringen würde, wäre etwas mehr Pegel um 2 und 3 kHz, um Stimmen etwas mehr Luftigkeit zu bieten, da, während dieser Bereich nicht „herausgesaugt“ scheint, hier beim Hören von Sinus-Signalen doch eine Senke vernehmbar ist, welche Stimmen manchmal eine Spur zu dunkel erscheinen lässt. Davon abgesehen ist die angestrebte tonale Abstimmung beinahe perfekt erreicht worden.

Auflösung:

Wer sich fragt, ob der BASIC den aufgerufenen Preis von 99$ wert ist, dem würde ich, obwohl es sich dabei natürlich letztlich um eine individuelle Entscheidung basierend auf Präferenzen handelt, sagen, dass er den Preis wert ist. In seinem Preisbereich ist er aber weder ein Geheimtipp noch ein überbewertetes Modell, sondern stellt sich als durchschnittlicher Performer heraus.

Nichtsdestotrotz mangelt es seinem Tiefton an Trockenheit sowie Geschwindigkeit, wenn man ihn im
Gesamtbild der besseren dynamischen In-Ears im Preisbereich um 100$ betrachtet. In die Kategorie der wirklich matschigen und schwammig aufspielenden dynamischen In-Ears fällt er aber ebenfalls (noch) nicht.
Jene, die einen weicheren Bass bevorzugen, werden den des BASIC sehr mögen, während alle, die an mehr Geschwindigkeit und Festigkeit im Tiefton gewöhnt sind, den BASIC lieber auslassen sollten, wenn sie ihn bei Musikstücken einsetzen möchten, die Geschwindigkeit und Kontrolle im Tiefton insbesondere in komplexeren Passagen benötigen.


Die klangliche Kohärenz ist sehr gut und sowohl der Übergang vom Tief- zum Mittelton als auch jener von den Mitten in die Höhen gelingt wunderbar harmonisch.

Der Hochton ist gut separiert, natürlich und sauber, ohne jegliche Schärfe oder Kantigkeit zu besitzen. Einzelne tonale Elemente, Instrumente und Noten im Hochton lassen sich gut voneinander unterscheiden.

Der Mittelton zählt weder zu den detailliertesten, noch klingt er bedeckt, flach (in Bezug auf Details), oder wollig. Ein großer Teil dessen kann auf den zurückgesetzten oberen Mittelton zusammen mit den angehobenen unteren Mitten zurückgeführt werden, jedoch ist das letzte Quäntchen an Details noch immer nicht ganz präsent, wenn man den Stimmbereich mit Hilfe eines Equalizers ausbügelt.

Räumliche Darstellung:

Während der ORIVETI PRIMACY eine eher kleine bis durchschnittlich große Bühne besitzt, stellt sich die räumliche Präsentation des BASIC als offener, sphärischer und dreidimensionaler dar.
Die Wiedergabe findet dabei geringfügig im Hintergrund statt und vermittelt mir als Hörer das Gefühl, in der zweiten oder dritten Reihe einer Konzerthalle zu sitzen, anstatt direkt in das Geschehen involviert zu sein. Dadurch erhält der BASIC eine langzeittaugliche Präsentation, zu der auch die tonale Abstimmung gut passt.

Während die Bühnenausprägung und die Luftigkeit der Präsentation gut sind, ist die Instrumententrennung durchschnittlich statt messerscharf.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:

Nun wird sich zeigen, wie sich der BASIC gegen den PRIMACY sowie ein paar In-Ears in seinem Preisbereich, die ich als die besten ihrer Klasse erachte, im Direktvergleich behaupten kann.



ORIVETI PRIMACY:
Der PRIMACY geht auch in eine sanfte klangliche Richtung, spielt tonal jedoch ausgewogener und tendiert im Vergleich eher hin zu einer neutraleren Tonalität, die einen moderat dunklen Charakter einnimmt und einen gleichmäßig etwas angehobenen Bassbereich zeigt.
Der BASIC besitzt ein ganzes Stück mehr Basspräsenz und klingt auch wärmer. Der PRIMACY besitzt im oberen Mittelton etwas mehr Pegel als der BASIC, welcher hier recht zurückhaltend spielt. Um 5 kHz jedoch ist es der PRIMACY, der eine ausgeprägte Senke besitzt, welche dem Stimmbereich etwas „Zuckerguss“ verleiht, während der BASIC hier mehr Präsenz zeigt. Im oberen Hochton um 9 kHz besitzt der PRIMACY einen sehr schmalen Peak, der in mehr als 90% der Fälle nicht auffällt, jedoch zum Vorschein kommt, wenn eine Note genau diese Stelle trifft. Hier spielt der BASIC dunkler und zurückhaltender.

AAW Nebula One:
Der Nebula besitzt ein bisschen mehr Bass als der BASIC, konzentriert sich hingegen stärker auf den Oberbass (Kickbass), welcher manchmal und je nach persönlichen Vorlieben jedoch schon ein wenig zu aufdringlich und hämmernd sein kann. Beide In-Ears besitzen im tieferen Stimmbereich vergleichbar viel Wärme, während der BASIC etwas sanfter und zurückhaltender klingt, was an seiner Senke bei 2 und 3 kHz liegt. Der Nebula One besitzt in diesem Bereich etwas mehr Pegel als der ORIVETI, weshalb Stimmen bei ihm luftiger klingen, während sich sein Mittelton ebenfalls noch auf der dunkleren Seite befindet. Im Rest des Hochtons besitzt der AAW etwas mehr Quantität als der ORIVETI, tendiert insgesamt aber ebenfalls noch immer in eine eher dunkle und sanfte Richtung.
Der Bass des AAW ist schneller, trockener und besser kontrolliert als der des ORIVETI. Ich höre beim AAW ebenfalls einen kleinen Vorteil in Sachen Mittel- und Hochtonauflösung heraus.
Der BASIC generiert die etwas größere und offener klingende Bühne, während die Instrumententrennung sich in etwa vergleichbar darstellt.

Fidue A65:
Der Fidue besitzt ein paar Parallelen zum ORIVETI, unterscheidet sich größtenteils aber dennoch recht merklich von ihm. Beide haben gemeinsam, dass sie in eine dunklere, sanftere und etwas wärmere Richtung tendieren, während der A65 diese ausgewogener präsentiert und der ORIVETI hier bassiger und wärmer zu Werke geht.
Dementsprechend besitzt der BASIC spürbar mehr Pegel im Bassbereich und ist auch im Mittelton etwas wärmer, einhergehend damit, dass er im oberen Hochton ein wenig dunkler ist.
Der Bass des Fidue ist trockener, schneller und besser kontrolliert. Im Mittelton spielt der A65 ebenfalls ein bisschen detaillierter, während der ORIVETI im Hochton die ein wenig sauberere Notentrennung besitzt.
Der BASIC besitzt eine Bühne, die sich viel größer und offener als die recht kleine des Fidue darstellt. Obwohl der A65 die kleinere imaginäre Bühne besitzt, ist sie bei ihm jedoch sauberer und trennt einzelne Instrumente besser voneinander.

DUNU Titan 5:
Der DUNU besitzt weniger Bassquantität, reicht in den Tiefbass aber ebenfalls ohne Pegelabfall hinein, bei gleichzeitig weniger Dominanz. Der DUNU besitzt merklich weniger Wärme und zeigt keineswegs einen dunklen Mittel- oder Hochton. Im Mittel- und Hochton fällt der Pegel des Titan 5 präsenter aus.
Der BASIC ist im Hochton ein wenig gleichmäßiger als der Titan, welcher manchmal ein wenig kantig erscheinen kann (jedoch weit entfernt eines unangenehmen Ausmaßes ist, zumindest in meinen Ohren bei einem korrekten Sitz). Der DUNU jedoch bietet im Mittel- und Hochton die etwas höhere Detailauflösung. Der Bass des Titan ist ebenfalls schneller, trockener und präziser.
Der ORIVETI besitzt die größere und einnehmendere Bühne, während die des DUNU etwas besser getrennt ist.


Fazit:

Der ORIVETI BASIC ist eine großartige Wahl für alle, die einen sanften, warmen, gelassenen, inoffensiven und bassigen Klang suchen. Der Tiefton geht schön gleichmäßig in den Mittelton über, was auch auf den Hochton zutrifft, welcher weder gedämpft noch aufdringlich klingt.

Der BASIC liefert genau das ab, was man in seinem Preisbereich erwarten darf, ohne die besten dynamischen In-Ears in seiner Klasse zu übertreffen.


In meine finale Wertung fließt dies zwar nicht ein, da es sich um subjektive Präferenzen handelt, aber obwohl ich persönlich normalerweise einen weniger bassigen und stattdessen direkteren, weniger sanften Klang bevorzuge, hat mir der In-Ear dennoch insgesamt wirklich gut gefallen, was insbesondere an seiner sehr zusammenhängenden und gefälligen Abstimmung liegt.
Sowohl auf der subjektiven und objektiven Seite jedoch könnte und sollte sein Bassbereich etwas schneller und insbesondere trockener sein, denn häufig kann dieser, besonders bei komplexeren Aufnahmen, zu Schwammigkeit und einer unkontrollierten Präsentation neigen. Davon abgesehen ist der BASIC ein wirklich gut gemachter In-Ear.


Bei meiner üblichen 70% Klang/Preis-Leistungsverhältnis (70) zu 30% Verarbeitung/Komfort/Sitz (99) Gewichtung komme ich zu einem Endergebnis von 3,935 von 5 möglichen Sternen.