Translate

Fostex T50RP Mk3: "Agent Orange" - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Gekauft habe ich meinen T50RP Mk3 Mitte 2016 bei Thomann für 159€. Erhältlich ist der Kopfhörer mittlerweile aber auch bei Amazon: http://amzn.to/2kTnczd


Eine allgemeine Einleitung über Fostex spare ich mir an dieser Stelle – diese kann man nämlich in meinen Reviews zu meinem TE-02 und dem TE-07 finden.

Was macht den T50RP, der mittlerweile in der dritten Generation hergestellt wird, denn so interessant? Hauptsächlich sind es drei Dinge – die guten magnetostatischen (orthodynamischen) Treiber, der für die Qualität recht geringe Preis und die einfache Modifizierbarkeit des Kopfhörers.
Konzipiert für den Studio-Bereich, entwickelte sich der halboffene T50RP binnen recht kurzer Zeit deshalb auch zu einem in der Modder-Szene sehr beliebten Kopfhörer und diente auch als Basis für kommerziell erfolgreiche Modelle von Herstellern wie MrSpeakers oder ZMF.



Neben zahlreichen dynamischen Bügelkopfhörern in meiner Sammlung hielt der T50RP Mk3 als dritter magnetostatischer Bügelkopfhörer bei mir letztes Jahr Einzug – mein erster Magnetostat war der HiFiMan HE-400, mein zweiter der Audeze LCD-X, dem ich auch eine Rezension gewidmet habe.

Was der Fostex in Standard-Form ohne jegliche Modifikation zu bieten hat und wie er klingt, möchte ich in diesem Review näher betrachten.


T50RP Mk3 bei Amazon: http://amzn.to/2kTnczd

T50RP Mk3 bei Thomannhttps://goo.gl/Fp8Nr4


Technische Daten:

Preis: ~ 150 - 160€
Bauweise: Bügelkopfhörer, ohrumschließend, halboffen
Treiber: orthodynamisch (magnetostatisch)
Impedanz: 50 Ohm
Empfindlichkeit: 92 dB


Lieferumfang:

Der Lieferumfang fällt spartanisch aus – abgesehen vom Kopfhörer findet man im Verpackungskarton lediglich zwei Kabel vor: eines mit 3,5 mm Anschlüssen in oranger Farbe und ein weiteres mit 6,3 mm Anschluss und schwarzer Farbgebung.


Optik, Haptik, Verarbeitung:

Optisch merkt man dem Fostex an, dass er aus dem Studio-Bereich kommt, so lautet die Devise eher „Form follows Function“. Als hässlich würde ich den Kopfhörer jedoch definitiv nicht beschreiben, aber einen Schönheits-Preis gewinnt er ebenfalls nicht.


Dominant sind beim T50RP in der dritten Generation hauptsächlich Kunststoff und weiches Kunstleder. Nur die Schienen zur Höhenverstellung bestehen aus Metall.
Der verwendete Kunststoff mutet optisch und haptisch nicht unbedingt high-endig an, tut der Robustheit des Hörers aber definitiv keinen Abbruch.
Die Aufhängungen der Hörerkapseln wirken etwas klapprig, sorgen dadurch aber auch dafür, dass sich der Kopfhörer schnell der individuell unterschiedlichen Kopfform seines Trägers anpasst.

Gar nicht mal so schlecht gefallen mir die orangefarbenen Akzente (Kabel zu den Hörermuscheln, Fostex-Logos und das 3,5 mm Kabel), da sie nicht zu dominant sind und auch einen erfrischenden Kontrast zu den ansonsten klassischen Farben des Kopfhörers darstellen.


Meiner Meinung nach ein wenig zu Unrecht „gehasst“ ist der Verschlussmechanismus des austauschbaren Kabels, der den Stecker sicher in der Buchse hält. Sicher und fest sitzt der Stecker sowieso schon in dieser, so lässt sich das Kabel auch bei entriegeltem Stecker nur mit etwas größerem Kraftaufwand entfernen. Als „Kopfhörer mit wechselbarem Kabel“ sollte man den T50RP Mk3 deshalb eher nicht ansehen, sondern viel eher als „Kopfhörer mit einem Kabel, das sich bei Bedarf ohne weiteres Werkzeug austauschen lässt“.


Tragekomfort, Isolation:

Der Kopfhörer ist in der Höhe stufenlos einstellbar und besitzt Hörerkapseln, die sich der individuellen Kontur des Kopfes schnell und einfach anpassen.
Das Kopfband ist recht dünn, aber weich gepolstert und dementsprechend für mich sehr angenehm.


Die Ohrpolster hingegen sind der Pferdefuß des Fostex – zwar sind sie ebenfalls sehr weich gepolstert, jedoch genau wie das Kopfband recht dünn und dementsprechend überhaupt nicht tief. Darunter befindet sich ein weicher und recht dicker Stoff, unter dem sich wiederum eine Schaumstoff-Platte befindet, deren Aussparung in der Mitte die Form des darunterliegenden orthodynamischen (magnetostatischen) Treibers besitzt.
Durch diese sehr flachen Polster kann es unter Umständen zu Druckstellen auf den Ohren beim Tragen des Kopfhörers über einen längeren Zeitraum kommen.

Wenig überraschend isoliert der Fostex Außengeräusche nur sehr geringfügig.


Klang:

Mein T50RP, dem ich endlich eine Rezension widme, befindet sich zu 100% im Original-Zustand und wurde nicht einmal minimal modifiziert.


Tonalität:

Beworben wird der T50RP MK3 als relativ neutraler Kopfhörer – zustimmen würde ich dem nicht so ganz, aber der T50RP schlägt schon eine eher neutrale Richtung ein, verglichen mit den meisten, auch offenen, Kopfhörern in seinem Preisbereich. Als ausgewogen kann man ihn zumindest definitiv bezeichnen. Plötzliche Betonungsspitzen oder Senken sind nicht hörbar, was eine gute Sache darstellt.
Im Vergleich zu einem wirklich neutralen Hörer würde ich dem Fostex nach dem Hören von Sinus-Sweeps und Musik, aber insbesondere Ersterem, eine moderat w-förmige Tonalität attestieren, die sich in einem etwas angehobenen Kickbass, etwas angehobenen oberen Höhen und einer sehr kleinen Erhebung der zentralen Mitten bemerkbar macht.

Was ich also höre, ist ein gleichmäßiger, recht flacher Anstieg von 350 hin zu 100 Hz, wo sich die Betonung des Kickbasses befindet, die etwas mehr als 4 dB beträgt. Gehalten wird diese Anhebung bis etwa 70 Hz; darunter fällt der Bass relativ schnell ab, mit nicht mehr viel Pegel unterhalb von 50 Hz.
Um 1 kHz befindet sich eine milde Anhebung, die man eigentlich nur mit Sinus-Sweeps wahrnimmt. Beim Hören von echter Musik wirkt der Mittelton nämlich eher mild in den Hintergrund gerückt, was am geringfügig hintergründigen Pegel zwischen 300 und 600 Hz liegt. Gleicht man diesem Bereich per Equalizer aus (in meinen Ohren sind es etwas weniger als 2 dB zwischen 300 und 600 kHz, die ich hinzufügen muss), ist der Stimmbereich flach.
Oberhalb von 1 kHz kann ich ab 3 kHz einen gleichmäßig ansteigenden Pegel ausmachen, welcher sich zwischen 7 und 11 kHz in einer milden Betonung bemerkbar macht. Der darauf folgende Superhochtonumfang ist gut.

Für eine neutralere Spielweise würde ich persönlich übrigens folgende EQ-Justierungen empfehlen:




Der etwas angehobene Kickbass wirkt nicht störend, da er nicht zu stark akzentuiert ist und dementsprechend nicht „hämmert“. Auch hält er sich aus dem oberen Grundton heraus, wodurch er nicht dazu neigt, in den Mittelton einzufärben oder zu dröhnen.
Da der Bassbereich unterhalb dessen abrollt, darf man aber auch keinen wirklichen Tiefbass erwarten – der Fostex ist in unmodifizierter Form nun mal ein Hörer, der eher kickt, als in den Frequenzkeller zu spielen.
Den ohne Abrollen, schier bodenlos scheinenden, bis in den Tiefbass linear hineinreichenden Bassbereich, den ich von meinem HiFiMan HE-400 und Audeze LCD-X kenne, besitzt der Fostex also definitiv nicht. Auch im Vergleich zu dynamischen Konsorten à la HD 600, DT880 Edt. 600 Ohm oder K701 hat der Fostex hier ein klein wenig das Nachsehen.

Stimmen befinden sich geringfügig mehr auf der hellen Seite, als eigentlich neutral wäre – dies verleiht ihnen einen moderaten Glanz, lässt manchmal aber ebenfalls ein wenig Grundton vermissen. Subjektiv lässt dies auch ein wenig den Eindruck aufkommen, sie wären etwas distanziert. Lediglich ~ 2 dB mehr Pegel zwischen 300 und 600 Hz würden ausreichen, um den Stimmbereich in meinen Ohren gänzlich natürlich statt ein wenig distanziert wirken zu lassen.

Der obere Hochton ist ein wenig metallisch/geringfügig zischelnd, dank der gleichmäßigen Anhebung in diesem Bereich zusammen mit dem gleichmäßigen Anstieg dieser Betonung jedoch eher weich als hart.



Diese Beschreibung mag jetzt vielleicht etwas zu kritisch klingen, ist es aber eigentlich nicht – abgesehen von der „Tiefbassschwäche“ und dem nicht gänzlich natürlich erscheinenden oberen Hochton habe ich am T50RP Mk3 eigentlich kaum etwas zu kritisieren, so besitzt der Fostex anders als manche Konsorten in seien Preisbereich keine plötzlich auftretenden, schmalbandigen Senken oder Betonungsspitzen, sondern spielt insgesamt doch noch recht ausgewogen auf – auch der HD 600, K701, DT880 Edt. und HE-400 sind tonal nicht perfekt.
Wäre der Pegel im oberen Hochton um nur wenige dB zurückhaltender, hätte ich tonal am Fostex nichts mehr auszusetzen, was die Natürlichkeit der Präsentation betrifft.

Auflösung:

Hier kann ich es eigentlich recht kurz machen – was der T50RP Mk3 abliefert, überzeugt mich sehr. In seinem Preisbereich zählt er definitiv zu den besten Kopfhörern und kann es auch unmodifiziert technisch mit Hörern der 300€-Klasse ohne größere Probleme aufnehmen. Diese sind in der Regel jedoch, was die Haptik und Materialauswahl betrifft, wertiger anmutend und primär auf eine Hi-Fi-Kundschaft ausgelegt, was den Preisunterschied zum Fostex, der sehr überzeugende Technik in ein recht schlichtes Gehäuse packt, wiederum erklärt.


Für einen Kopfhörer mit orthodynamischen Treibern nicht allzu verwunderlich, klingt der T50RP Mk3 schnell und impulstreu. Der Bassbereich wirkt schnell, hart und präzise, was bei der Abstimmung mit einem gen Tiefbass abrollenden Tiefton aber in den meisten Fällen zu erwarten ist. Hilft man dem Fostex mittels Equalizer nach und hebt sowohl den Tiefbass als auch Grundton an, während sein Kickbass etwas reduziert wird, bleibt sein Bassbereich noch immer schnell und kontrolliert. Hier sehe ich den Fostex auch klar vor dem eher langsam klingenden Sennheiser HD 600, der aber auch gegen seine direkten Konkurrenten, den K701 von AKG und Beyerdynamic DT880 Edition, etwas das Nachsehen hat, was die Bassgeschwindigkeit, Trockenheit und allgemeine Geschwindigkeit betrifft (und nichtsdestotrotz ist er besonders für Jazz noch immer einer meiner Lieblings-Hörer).
Nein, verstecken muss sich der Fostex definitiv nicht.
Im Mittelton scheint er bei Männerstimmen etwas weniger detailliert als in den anderen Frequenzbereichen und bei weiblichem Gesangs-Material, was aber definitiv nur der milden Grundtonsenke zuzuschreiben ist.
Auch im Hochton kann der Fostex überzeugen und liefert eine glaubhafte Trennung einzelner Töne und Instrumente, während er hier eine ebenfalls gute Geschwindigkeit an den Tag legt und dadurch nicht weichgespült oder platt wirkt.

Räumliche Darstellung:

Was die räumliche Präsentation betrifft, bin ich ein klein wenig zwiegespalten – einerseits präsentiert der Fostex einen glaubhaften, weder zu engen noch zu breiten imaginären Raum, dessen Basisbreite den Abstand zwischen meinen Ohren etwas verlässt. Auch besitzt er eine angenehme räumliche Tiefe, die in meinen Ohren in etwa 60% der Breite umfasst. Auch bei komplexeren oder schnelleren Aufnahmen bleibt die Bühne noch ordentlich zusammenhängend und einzelne Instrumente werden gut voneinander getrennt. Andererseits würde ich mir ein wenig mehr freien Raum/Luft zwischen einzelnen Instrumenten wünschen und auch eine etwas genauere Tiefenstaffelung, denn obwohl diese nicht neblig wirkt, fehlt mir das letzte Bisschen an Differenziertheit zwischen einzelnen Ebenen und hauptsächlich sind statt feiner Schichten nur deutliche vorn-hinten-Effekte wirklich wahrnehmbar.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Bühne mich in Sachen Instrumententrennung überzeugen kann, ihr jedoch das letzte Bisschen an der Darstellung von Leere fehlt, um wirklich gänzlich überzeugend plastisch zu sein. Hier überzeugen mich der HD 600 und DT880 Edition dann doch geringfügig mehr, auch wenn Ersterer bei komplexerem Material nicht die gleiche Kontrolle beibehält und Letzterer räumlich kompakter ist, dafür jedoch die geringfügig schärfere Ortung bietet.


Fazit:

Für den aufgerufenen Preis bekommt man einen Kopfhörer, welcher technisch mit dem Sennheiser HD 600, AKG K701 und Beyerdynamic DT880 Edition bereits unmodifiziert ohne größere Probleme
mithalten kann und etwa in der gleichen Liga spielt, auch wenn er preislich um ein gutes Stück günstiger ausfällt. Abstriche muss man jedoch bei der optischen und haptischen Anmutung machen, denn wie ein Qualitäts-Produkt fühlt sich der primär für den Studio-Einsatz entwickelte Hörer nicht an, wenngleich er sehr robust erscheint. Auch dürften die Ohrpolster ruhig etwas tiefer sein und der Kopfhörer vermittelt tonal nicht das letzte Bisschen an Realismus im oberen Hochton, wenngleich er sich weder mehr noch weniger tonale „Fehler“ als seine teurere Konkurrenz leistet.

Was man jedoch bekommt, ist ein Produkt, dessen Preis-Leistungsverhältnis über alle Fälle (sehr) gut ist und in dem sehr gute magnetostatische Treiber stecken. Da kann man die Nachteile ruhig in Kauf nehmen. Zudem bekommt man eine sehr gute Basis für milde Equalizer-Eingriffe und/oder recht einfach durchführbare Modifikationen, zu denen es im Internet viele Seiten und Teilbereiche von Online-Foren gibt.


Gesamturteil: 4,13 von 5 möglichen Sternen (70% Klang (3,8)/Preis-Leistungsverhältnis (5) zu 30% Optik/Haptik/Verarbeitung/Tragekomfort (3,5))