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Xiaomi Mi Smart Network Speaker: Der moderne Ersatz der Kompaktanlage - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Der 2010 gegründete chinesische Elektronik-Konzern Xiaomi dürfte mittlerweile auch außerhalb des asiatischen Raumes in wenigstens halbwegs Technik-interessierten Kreisen hinreichend bekannt sein, so gibt es wohl nur wenige Bereiche des alltäglichen Lebens, die nicht von einem Produkt des Elektro-Giganten abgedeckt werden können.

Gemein scheint so gut wie allen Xiaomi-Produkten zu sein, dass sie gute Qualitätsstandards zu fairen Preisen bieten – im Audio-Bereich überraschen konnten mich so etwa bereits die „
Mi Colorful Starter Edition“ In-Ears sowie der „Mi Square Box Bluetooth Speaker“, der noch immer mein absoluter persönlicher Favorit bei kompakten, preisgünstigen Bluetooth-Lautsprechern mit Akkubetrieb ist. Die In-Ears des Tochterkonzerns 1More hingegen konnten mich nicht gänzlich überzeugen, jedoch der MK801 Over-Ear Kopfhörer.

Zusätzlich bei kompakten Lautsprechern ist bei mir der GGMM E5 häufig als Internetradio im Einsatz, da er, auch wenn sein Bass nicht komplett neutral ist, ordentlich klingt, sich tonal gut anpassen lässt und insbesondere praktische Netzwerk-Funktionen bietet, die sich per App schnell und unkompliziert einrichten und steuern lassen.


Nun hat sich ein weiterer kompakter Lautsprecher zu mir gesellt, nämlich der „Xiaomi Mi Smart Network Speaker“. Preislich unter 100€ positioniert, ist der Lautsprecher unter anderem mit Netzwerk-Technik, 8 GB an eingebautem Speicher sowie vier aktiven Treibern in Stereo-Konfiguration (2x Tiefmitteltöner, 2x Hochtöner) mit Bassreflex-System ausgestattet und lässt sich ebenfalls per App steuern.


Wie sich der Mi Smart Network Speaker schlägt, welche Funktionen er bietet und wie der stationäre Lautsprecher klingt, habe ich in dieser Rezension zusammengefasst.


Erhältlich ist der Lautsprecher unter anderem bei
GearBest: https://goo.gl/tjbH3M



Bedanken möchte ich mich, bevor ich fortfahre, noch bei GearBest, die eingewilligt haben, mir den Lautsprecher kostenfrei für eine ehrliche, unbefangene und unbezahlte Rezension zuzusenden.


Lieferumfang:

Der Lautsprecher ist ganz klar auf den asiatischen Markt ausgelegt, was sich bereits an der Verpackung bemerkbar macht, welche ausschließlich auf Chinesisch gestaltet ist. Genauso verhält es sich auch mit der Schnellstartanleitung.
Ob eine internationale Version geplant ist, entzieht sich meiner Kenntnis.




Im Inneren des roten Kartons befindet sich dann auch direkt der Lautsprecher, unter welchem sich wiederum das Netzkabel befindet – natürlich für den asiatischen Raum gedacht mit Typ A-Stecker für die Steckdose. Tragisch ist dies jedoch nicht weiter, denn Lautsprecher-seitig passt jedes Kabel mit C7-Stecker.




Sorgen wegen der Netzspannung und -frequenz muss man sich auch nicht machen, denn das integrierte Netzteil des Lautsprechers unterstützt Spannungen zwischen 100 und 240 V bei einer Netzfrequenz von 50 oder 60 Hz, kann also auf der ganzen Welt eingesetzt werden, solange ein je nach Region Steckdosen-seitig kompatibles Kabel mit C7-Stecker auf der Seite des Lautsprechers verwendet wird.


Optik, Haptik, Verarbeitung:

Nach dem Herausnehmen des Lautsprechers aus dem Karton war mein erster Gedanke gleich „Bose Wave Radio“ (insbesondere die erste Ausführung von 2001 im Hinterkopf habend). So weit ist dieser Gedanke gar nicht hergeholt, denn der Mi Lautsprecher besitzt, genau wie auch jener von Bose, ein Lamellen-artiges, ganzflächig angebrachtes Schutzgitter der Lautsprecher-Treiber auf der Vorderseite, während sich die Bedienelemente auf der Oberseite befinden. Auch bei der tonalen Abstimmung scheint der Amerikaner Pate gestanden zu haben, wie es scheint, so besitzt nämlich auch der Xiaomi (ohne Einsatz des Equalizers, den man in der Mi Speaker App einstellen kann) einen stark angehobenen, voluminösen Bass, der im Grundton aufgrund der kräftigen Betonung bereits etwas zum Dröhnen neigt – qualitativ auf den Klang bezogen (Auflösung, Geschwindigkeit/Festigkeit im Bass, Instrumententrennung) ist der Mi dem Bose-Pendant jedoch vorzuziehen und lässt sich, wie ich später in den Klang-Abschnitten dieses Reviews genauer evaluieren werde, noch etwas durch den Anschluss- und Quellen-übergreifenden Equalizer zähmen.




Auf standfesten Gummi-Füßen stehend, ist der überraschend schwere und gut gegen Gehäusevibrationen gedämpfte Mi gänzlich aus weißem Kunststoff gefertigt. An der Verarbeitung gibt es nicht das Geringste auszusetzen und auch der Druckpunkt der Tasten auf dem in Aluminium eingefassten Bedienfeld ist gut definiert, jedoch vermittelt er haptisch und auch optisch durch den weißen, kontrastarmen Kunststoff nicht ganz die Wertigkeit und den Anmut des hauseigenen kleinen „Sqare Box Bluetooth Speaker“ oder des GGMM E5.
Etwas mehr Abwechslung in Sachen Oberflächenhaptik und Optik wären gar nicht mal verkehrt gewesen, um den Lautsprecher optisch etwas aufzuwerten und interessanter zu machen – ein erhabenes und/oder eingefärbtes „Mi“-Logo, eventuell gar mit schwacher Beleuchtung, würde diese Aufgabe bereits erfüllen.
Deutlich wertiger, schwerer und solider (in Punkto Klang und Ausstattung sowieso) als typische Radiowecker, wie man sie auch in vielen Hotels findet, ist er jedoch.


Anschlüsse:

Der Lautsprecher ist für den rein stationären Einsatz konzipiert, besitzt also keinen eingebauten Akku.




Auf der Rückseite befindet sich neben einem regulären 3,5 mm Klinkeneingang noch zusätzlich ein USB-Eingang. Ein weiteres nettes Feature des Lautsprechers sind 8 GB an internem Speicherplatz, die vom Nutzer mit Musik befüllt werden können.


Verbindung, Tasten, Bedienung:

Auf der Oberseite des Lautsprechers findet man insgesamt sieben Tasten – fünf dieser dienen ganz gewöhnlich zur Steuerung der Wiedergabe und Lautstärke, während eine Taste den Lautsprecher ein- und wieder ausschaltet. Die letzte verbliebene Taste bietet dem Nutzer die Möglichkeit, zwischen mehreren Wiedergabelisten/Stationen, die sich in der Mi App konfigurieren lassen, zu wechseln.




Ein- und ausgeschaltet wird der Lautsprecher durch einen kurzen Druck auf die On-/Off-Taste. Das Ein- und Ausschalten erfolgt dabei ohne Verzögerung und direkt nach dem Einschalten ist der Lautsprecher bereits für die Musikwiedergabe bereit.

Bluetooth 4.1 und Airplay/DLNA unterstützt der Mi ebenfalls – und zwischen diesen, als auch dem AUX-Eingang, wechselt er praktisch verzögerungsfrei, wenn man das Quellgerät wechselt. Toll ist dabei auch, dass er gleichzeitig mit mindestens zwei Geräten verbunden sein kann und mit diesen auch gleichzeitig kommunizieren kann – mit meinem iPhone 4, verbunden durch AirPlay, und meinem Nexus 7 Tablet (zweite Generation), verbunden durch WiFi (Mi Speaker App) und später Bluetooth, war es mir möglich, ohne Verzögerung von einen Gerät auf das andere zu wechseln.

Und selbstverständlich lässt sich auch Musik über einen USB-Stick abspielen. Nach einem kurzen Einlesen gibt es keine weiteren Unterbrechungen oder Verzögerungen mehr und auch das Überspringen von Titeln läuft verzögerungsfrei ab.
Sehr gut finde ich hierbei, dass der per Mi Speaker App einstellbare Equalizer auch für den USB- und AUX-Eingang greift.




Auch ist es zusätzlich möglich, sobald der Lautsprecher mittels der App eingerichtet wurde, ähnlich wie beim GGMM E5 Internetradio-Stationen und Wiedergabelisten ohne Zuhilfenahme des Wiedergabegerätes direkt am Lautsprecher durch einen Druck auf die „CH“-Taste abzuspielen und zu wechseln – auf Wunsch lässt sich sogar eine Ansage des Listen-/Stationsnamen in den Einstellungen aktivieren.

Die Lautstärke wird unter Android dabei synchron geregelt, während unter iOS die Lautstärke des Lautsprechers und kabellosen Signals getrennt eingestellt wird.
Es ist möglich, mit dem Mi auch leise zu hören, doch könnten die Lautstärkesprünge, wenn man die Tasten am Lautsprecher nutzt, ruhig feiner ausfallen (Android). Auch wenn die Lautstärkeregelung unter Android synchron mit der des Lautsprechers funktioniert, sind am kabellos verbundenen Android-Quellgerät in der Mi App wesentlich feinere Regelstufen möglich.
Hier besteht also noch etwas Verbesserungsbedarf und man darf hierbei auf ein Firmware-Update hoffen, ebenso wie bei der Reaktionszeit auf Lautstärke-Befehle (auch direkt am Lautsprecher), die im Moment noch etwas zu lang eingestellt ist, wodurch es nach dem Druck auf eine der Tasten zur Regulierung der Lautstärke zu einer kurzen Verzögerung kommt.


Xiaomi Mi App:

Wie auch beim GGMM E5 lassen sich alle smarten Funktionen des Xiaomi erst mit einer App nutzen
– beim Mi ist diese ebenfalls für Android und iOS verfügbar, wobei die Android-Version nach dem Scannen eines sich auf der Verpackung befindenden QR-Codes aus dem Internet heruntergeladen werden muss.

Die Android-App ist glücklicherweise auf Englisch gestaltet und die Übersetzung der Menüs auch alles andere, als eine Vollkatastrophe – man kann sich also schnell in die grafische Oberfläche einfinden.

Die Einrichtung des Lautsprechers über die App erfolgt genau wie in der App für den Lautsprecher von GGMM – bei der ersten Verbindung ist es notwendig, das W-LAN-Passwort des Heimrouters einzugeben, woraufhin die Einrichtung des Lautsprechers auch schon erledigt ist.

Ein Systemupdate des Lautsprechers lässt sich kabellos in der App ganz einfach durchführen.


Über den Menü-Punkt „Remote connection“ wird erklärt, wie man auf den internen Speicher des Lautsprechers zugreifen kann. Dies funktioniert entgegen meiner ersten Befürchtung sehr einfach, indem man im Arbeitsplatz eines Windows-Computers (unter Mac funktioniert dies ebenfalls, und womöglich auch unter Linux), der mit demselben Router verbunden ist, eine neue Netzwerkadresse anlegt und die IP-Adresse des Mi Lautsprechers eingibt. Dann lässt sich der 8 GB umfassende Speicher direkt vom PC aus per Drag & Drop kabellos mit Musik befüllen.




Gar nicht mal so unpraktisch ist die Wecker-Funktion des Lautsprechers, in der man mehrere Alarme speichern kann und auch eine bestimmte Station oder ein bestimmtes Lied als Weckmelodie auswählen kann.
Als „Bedside Speaker“/Radiowecker passt Xiaomis Lautsprecher also ebenfalls wunderbar.





Die Einstellungen des Lautsprechers sind gut durchdacht – neben einer Abschaltautomatik (entweder nach Zeit oder einer bestimmten Anzahl an wiedergegebenen Titeln) lässt sich etwa auch einstellen, ob die Wiedergabeposition nach dem Ausschalten und erneuten Einschalten gemerkt wird, oder ob beim Wechseln der Stationen oder Wiedergabelisten auch der Name ebenjener ausgesprochen werden soll, was auch praktisch sein kann (im Moment als Europäer ohne Chinesisch-Kenntnisse jedoch weniger, da so gut wie alle verfügbaren Stationen und wiedergabelisten auf Chinesisch sind – dennoch lassen sich auch eigene Listen anlegen und mit selektierten Liedern befüllen. Auch ist es dabei möglich, Ordner vom USB-Stick als Liste/Station anzulegen, welche dann überraschenderweise auch korrekt vorgelesen werden).




Recht praktisch ist auch, dass sich die Lautstärke der Ansagen/Signaltöne (beim Wechseln einer Station/Liste) separat einstellen lässt. Auch ist es möglich, die Lautstärke jener Ansagen/Signaltöne mit der eingestellten Musik-Lautstärke zu synchronisieren oder gar alles, was nichts mit der Musik zu tun hat, stummzuschalten.
Nerv-Potential durch viele und vor allem laute Signaltöne oder Ansagen gibt es beim Xiaomi glücklicherweise also nicht.

Voreingestellt sind bereits einige Wiedergabelisten und Stationen im Sender- und Listenspeicher des
Lautsprechers. Auch wenn diese chinesische Beschriftungen tragen, beinhalten manche der Listen (bekannte) amerikanische und sogar europäische Musiktitel, bei denen man sogar die Liedtexte – in Echtzeit mit der Musik synchronisiert – auf dem Bildschirm einblenden kann. Nicht alle Musikstücke lassen sich abspielen (wahrscheinlich aus geografisch-lizensrechtlichen Gründen), aber jene, bei denen die Wiedergabe möglich ist, lassen sich auch im internen Speicher des Lautsprechers ablegen (dass Xiaomi die Rechte und Lizenzen für die Downloads und Wiedergabe besitzt, bleibt dabei zu hoffen – nähere Informationen dazu finden sich aber leider nicht in der App).
Radio-Stationen gibt es ebenfalls, aber jene beschränken sich (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt) ausschließlich auf den asiatischen Raum. Auf Anbieter wie TuneIn muss man also noch verzichten, was etwas schade ist.

Alle Listen und Stationen, die man anlegt, merkt sich der Lautsprecher, wodurch man auch ohne Smartphone/Tablet auf diese zugreifen kann – nach dem Einschalten des Lautsprechers verbindet sich dieser nämlich eigenständig mit dem W-LAN-Router. Drückt man auf die „CH“-Taste, wechselt der Mi zur nächsten Station/Liste in der Reihenfolge, in der sie in der App eingestellt wurde. Alle anderen Einstellungen aus der App (etwa der Equalizer, die Nennung der Liste/des Kanals oder die Benachrichtigungslautstärke) bleiben dabei erhalten.
Eine Begrenzung der Anzahl an speicherbaren Presets scheint es nicht zu geben.





Weiterhin findet sich in den Einstellungen ein 5-Band Equalizer, dessen Einstellung intern im Lautsprecher gespeichert wird und auf alle Anschlüsse und Übertragungs-Standards angewandt wird.


Klang:

Zum Hören und Evaluieren verwendete ich als Quellen mein durch ein paar mittels Jailbreak installierter Tweaks zur reinen Musikwiedergabe optimiertes und genutztes iPhone 4 (AirPlay), Nexus 7 Tablet (zweite Generation; DLNA über die Mi App sowie später Bluetooth), als auch den internen Speicher und einen USB-Stick.
Einen Unterschied zwischen AUX, USB, dem internen Speicher, Bluetooth und WiFi konnte ich übrigens nicht feststellen.

Hinter dem Gitter auf der Vorderseite des Lautsprechers befinden sich zwei Tiefmitteltöner und zwei Hochtöner, die in Stereo-Konfiguration spielen.
Anders als viele moderne Kompaktlautsprecher nutzt der Mi Smart Network Speaker Bassreflex-Technologie statt Passivradiatoren zum Erweitern des Tiefganges.

Sehr positiv fällt auf, dass dem Lautsprecher jegliches Eigenrauschen fehlt, selbst in unmittelbarer Nähe – lediglich bei pausierter Wiedergabe, wenn man sein Ohr direkt an den Mi hält, ist ein sehr leises Surren gerade noch wahrnehmbar.




Tonalität:

Ohne Einsatz des Equalizers in der Mi App stellt sich der Klang des Lautsprechers als warm, voluminös und sehr bassig, fast gar schon recht basslastig dar. Der Oberbass und obere Midbass ist sehr kräftig betont und passt damit zum warmen, voluminösen Grundton, der aufgrund seiner recht hoch angesetzten Betonung, die Stimmen Fülle und Wärme verleiht, schon etwas zum Dröhnen neigt.

Positiv fällt der wirklich ordentliche Tiefgang auf, der, daran könnten sich andere Hersteller ein Beispiel nehmen, mit einem Referenzpunkt (-6 dB Angabe) auf dem Verpackungskarton mit 60 Hz angegeben ist – ein definitiv realistischer Wert in der heutigen Zeit.
Dass der Tiefton darunter weiter abfällt dürfte klar sein, doch erfolgt dieser Abfall nicht zu steil, weshalb der tiefere Midbass und sogar Teile des echten Tiefbasses noch in der Musik wahrnehmbar sind, wenngleich logischerweise mit klar weniger Präsenz.

Auch wenn der Grundton in den unteren Mittelton einstrahlt und ihn dadurch kräftig anwärmt, überdecken Bass und Grundton den Mittelton nicht. Dadurch erscheint der Stimmbereich bis auf die Wärme relativ natürlich.

Der Hochton kann überzeugen und klingt gleichmäßig, eher sanft und verfärbt kaum.
Sehr gut ist hier im oberen Frequenzbereich der Spagat aus Weichheit und Entspanntheit sowie etwas Funkeln/Brillanz im oberen Hochton gelungen – im oberen Hochton meine ich nämlich, eine Betonung auszumachen, die jedoch nicht scharf, sondern sanft und harmonisch klingt. Becken sind dementsprechend nicht hart, klingen jedoch trotzdem präsent.

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Mithilfe des Anschluss-übergreifenden 5-Band Equalizers der Mi Speaker App (+/- 6 dB Anpassungen je Band sind möglich) lassen sich Bass und Grundton reduzieren, jedoch ist es nicht möglich, den Lautsprecher im Tiefton komplett neutral und flach klingen zu lassen. Auch bei gänzlich zurückgenommenem Tiefton-Pegel besitzt der Mi noch einen recht potenten und prominenten Bass, insbesondere Kickbass und oberen Midbass, mit einem noch immer in die voluminöse, etwas warme, jedoch nicht dröhnende oder unangenehme Richtung tendierenden Grundton.
Neutral klingt das nicht, dafür jedoch auch keineswegs verkehrt, sondern sogar angenehm und passend. Kontrabässe und Bassgitarren könnten trotzdem noch gern ein kleines Stück zurückhaltender aufspielen, um die für mich perfekte Balance aus tonaler Ausgeglichenheit und dem Mangel an Sterilität/Flachheit im Tiefton zu bilden.
Der Mittelton ist nach Einsatz des Equalizers nicht mehr im Bereich der unteren Mitten warm und voluminös, sondern realistisch, tonal korrekt und natürlich.

Ja, mit dem gänzlich heruntergeregelten Bass gefällt mir der Xiaomi am besten – er behält seinen sanften, gleichmäßigen Hochton, während der Mittelton von der reduzierten Wärme und Dominanz des Grundtons und Oberbasses befreit und somit tonal richtiger wird, gleichzeitig der Tiefgang hingegen beibehalten werden kann.
Wer sich einen wirklich neutralen Bassbereich ohne Betonung wünscht, ist beim Xiaomi jedoch fehl am Platz.

Auflösung:

Der kompakte stationäre Lautsprecher schafft es, klanglich das Niveau einer ordentlichen Kompakt-/Micro-Anlage zu erreichen.

Die Gesamtpräsentation ist sehr harmonisch. Zusätzlich fällt die schön gleichmäßige Auflösungsverteilung positiv auf und kein Bereich klingt weniger detailliert oder zusammenhängend als ein anderer.

Der Hochton des Mi spielt eher soft als hart, jedoch ohne verwaschen oder gar weich und undifferenziert zu erscheinen. Dadurch besitzt er eine sehr gute Langzeit-Tauglichkeit.

Der Lautsprecher ist sehr pegelfest und bleibt auch noch bei hoher Lautstärke verzerrungsarm, gut kontrolliert und sauber, ohne gepresst zu wirken.
Der Bass schlägt relativ straff und sauber ein und besitzt einen tendenziell eher weichen, jedoch nicht schwammigen Ausklang. Details vermisst man bei ihm auch nicht und bei komplexeren Aufnahmen und Bass-Linien behält er noch immer eine gute Kontrolle.

Die  Sprachverständlichkeit und Auflösung des Mitteltons sind gut und auch wenn der Lautsprecher nicht an das Niveau teurerer und in diesem Bereich besserer Lautsprecher wie etwa meinen eigentlich kaum noch genutzten Swans M1 heranreicht, die jedoch wesentlich teurer sind, zeichnet er kleine Details und Nuancen in der Sprache und bei in diesem Bereich liegenden Instrumenten gut durch und verschluckt diese nicht.

Die Instrumententrennung ist gut und auch schnelle Passagen enden nicht in einem undifferenzierbaren Matsch.
Ja, als stationärer Lautsprecher, der eine Micro-/Mini-Anlage ersetzt, eignet sich der Mi ausgezeichnet.




Eine Sache ist mir noch aufgefallen: Das Gehäuse ist sehr gut gedämpft – selbst bei hohen Lautstärke-Pegeln, angehobenem Bass-EQ und Bass-reichen Musikstücken vibriert der Lautsprecher quasi gar nicht.
À propos Bass und hohe Lautstärke: Auch bei gehobener Lautstärke und (sehr) tiefen Bassfrequenzen bleibt der Tiefton sauber und keine Strömungsgeräusche des Bassreflex-Kanals oder Anschlag-Geräusche der Membranen sind feststellbar.

Bühnendarstellung:

Bei den meisten Kompaktlautsprechern, die in einem einzelnen Gehäuse sitzen, ist der Bühneneffekt kaum bis gar nicht vorhanden und steht selbst sehr günstigen PC- oder Kompaktlautsprechern (sofern diese gut positioniert wurden), was die räumliche Reproduktion betrifft, hinterher.
Der Xiaomi bildet hier keine Ausnahme und schafft es nicht, eine plastische Sphäre zu generieren, sondern bleibt räumlich recht kompakt und wie die Mehrheit der kompakten Lautsprecher fast schon monoton.

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Vergleiche:

Bei den Vergleichen standen die beiden untersten EQ-Regler (80 & 300 Hz) des Mi Network Speakers auf -6 dB, während der letzte Regler (12 kHz) auf -1 dB stand. Die Regler für 1 und 4 kHz standen auf +/-0 dB.
Beim GGMM befand sich der Bassregler in der Minimalposition (~ 7 Uhr), während der Hochtonregler sich in der 10.30 Uhr Position (erster Strich links von 0/12 Uhr) befand.

Diese Einstellungen spiegeln auch meine regulären Hörgewohnheiten mit beiden Lautsprechern wieder.




Xiaomi Mi Square Box Bluetooth Speaker:

Dieser Vergleich ist nicht gerade fair, aufgrund der deutlich unterschiedlichen Größe, Ausstattung und Preislage, jedoch stellt der kleine Xiaomi Bluetooth-Lautsprecher (nachfolgend der Einfachheit halber „kleiner Mi“ genannt (folglich bezeichne ich den smarten, stationären Xiaomi Lautsprecher nachfolgend als „großer Mi“)) einen sowohl sehr günstigen als auch (in Anbetracht der Größe und des Preises (sehr)) gut klingenden portablen Lautsprecher dar, den ich liebe.

Der kleine Mi besitzt außer Bluetooth und einer multifunktionalen Ein- und Ausschalt-Taste, die auch einen Titel überspringen und pausieren kann, keine weiteren Funktionen. Im Vergleich dazu kann der große Mi mit all seinen Funktionen, der App und den vielen Möglichkeiten zur Verbindung/Wiedergabe von Musik im ersten Moment wie ein überladenes Spaceship wirken, wenn man noch keine Erfahrung mit einem App-gesteuerten Lautsprecher besitzt.

Der kleine Mi ist von beiden der neutralere Lautsprecher – so besitzt er einen nur geringfügig angehobenen Grundton, spielt im Mittelton etwas direkter und ist im Hochton etwas vordergründiger als der große Mi, besitzt jedoch im oberen Hochton keine Betonung, sondern rollt hier um 10 kHz, Breitbänder-typisch, gleichmäßig, jedoch nicht unangenehm auffallend, ab.
Der große Mi reicht im Bassbereich etwas weiter nach unten und rollt gen Tiefbass weniger steil ab, wobei das, was der kleine Mi leistet, bei seiner Größe und dem geringen Preis wirklich sehr beachtlich ist.
Man könnte also sagen, dass der große Mi eher einen sanften, bassigen und voluminösen Klang anstrebt, während der kleine Mi klanglich in eine ziemlich neutrale Richtung tendiert.

Was die Pegelfestigkeit betrifft, ist der große Mi sehr deutlich im Vorteil – auch bei gehobener Lautstärke klingt er im Gegensatz zum kleinen Lautsprecher nicht gepresst und klirrend, sondern kontrolliert und sauber.
Bei geringerer Lautstärke hingegen ist der qualitative Unterschied zwischen den beiden Lautsprechern nicht ganz so drastisch, wie ich anfangs angenommen hatte – ja, der große Mi kommt im Hoch- und Tiefton nochmal hörbar weiter nach unten/oben, bietet die höhere Auflösung, bessere Instrumententrennung, geringeren Verzerrungen und klingt auch kontrollierter, aber was die Auflösung betrifft, erwartet einen kein Schock, wenn man vom großen auf den kleinen Mi wechselt, was für den kleinen Lautsprecher spricht.

GGMM E5:

Der größte Unterschied, was die Ausstattung und Nutzbarkeit der beiden Lautsprecher angeht, besteht darin, dass der Mi ein rein stationäres Gerät ist, während der E5 einen eingebauten Akku besitzt und dementsprechend auch mobil verwendet werden kann.
Beide besitzen Bluetooth und WiFi, beide besitzen einen AUX Eingang und für beide gibt es eine smarte App, mittels der sich das volle Potential des Lautsprechers freischalten lässt. Der Mi jedoch besitzt noch den abrufbaren internen Speicher von 8 GB, eine USB-Schnittstelle zum Abspielen von Musikdateien (der USB-Port des GGMM dient nur als Ladeausgang für externe Geräte wie Smartphones) und die umfangreichere App (Wecker, mehr mögliche Playlisten/Stationen, die sich wie auch beim E5 per Taste am Lautsprecher ohne App abrufen lassen, optionale Ansage der Stations- und Listen-Namen, Anschluss-übergreifender 5-Band Equalizer, dessen Einstellung im Lautsprecher gespeichert wird). Die einzigen beiden Funktionen, die der E5 bietet, die der Mi nicht besitzt, sind die Möglichkeit, als WiFi-Extender eingesetzt zu werden und den Klang jeder Zeit ohne App tonal anzupassen.
Auch wenn der Lautsprecher von Xiaomi so mehr Funktionen besitzt, ist der GGMM, was den möglichen Kundenkontakt (Vorschläge lassen sich beim Hersteller einreichen und auf Verbesserungswünsche wird auch mittels Firmware- und Software-Updates eingegangen) und die Auswahl an internationalen und lokalen Streaming- und Radio-Dienstleistern (Spotify, Tidal, TuneIn Internetradio, …) betrifft, dem Mi überlegen. Bis auf chinesische Stationen und Streaming-Anbieter besitzt der Mi nämlich keine europäischen oder amerikanischen Streaminganbieter oder Internetradio-Stationen.

Bei komplett heruntergedrehtem Bassregler ist der E5 auch nicht gänzlich neutral, sondern besitzt einen noch immer etwas angehobenen Kickbass, kann sich insgesamt jedoch trotzdem recht ausgewogen bis neutral abstimmen lassen und ist tonal neutraler als der Xiaomi (jener ebenfalls mit gänzlich heruntergeregeltem Tiefton).
Der Xiaomi besitzt den präsenteren Bassbereich und ist auch im Grundton vordergründiger. Der E5 ist im Bereich der oberen Mitten etwas präsenter als der Mi, verliert gen oberen Hochton jedoch mehr an Pegel und besitzt dementsprechend etwas weniger Quantität im mittleren und oberen Hochton als der Xiaomi (je nach Einstellung ist natürlich aber auch ein betonter Hochton des GGMM möglich, ebenfalls wie beim Mi).
Was den Tiefgang betrifft, kommt der Mi etwas tiefer nach unten und besitzt etwas mehr hörbaren unteren Midbass und beginnenden Tiefbass, was darauf hindeutet, dass er im Bassbereich etwas langsamer abfällt.

Was die Auflösung betrifft, sind beide Lautsprecher recht nah beieinander, doch gewinnt der Xiaomi insgesamt: Der Hochton des Mi ist etwas besser getrennt, seine Sprachverständlichkeit und Transparenz im Mittelton ist etwas höher und auch bleibt er im Tiefton kontrollierter, wenn man den Bassbereich beider Lautsprecher anhebt.


Fazit:

Auch, wenn der Xiaomi Mi Smart Bluetooth Speaker für den chinesischen Markt vorgesehen ist und dem Lautsprecher keine englischsprachige Bedienungsanleitung beiliegt, ist seine Android-App in englischer Sprache gestaltet und als halbwegs Technik-interessierter Mensch sollte man innerhalb kurzer Zeit mit allen Funktionen des Lautsprechers zurechtkommen.




Ansonsten bietet er einige smarte Funktionen, Anschlussmöglichkeiten und einen kontrollierten sowie detaillierten Klang, der sich trotz der noch kompakten Abmessungen qualitativ auf gutem Kompaktanlagen-Niveau befindet.
Einzig, wenn man sich einen Lautsprecher mit einem neutralen Bassbereich wünscht, ist der Mi nicht die beste Wahl, denn selbst mit abgesenktem Bass und Grundton im Schnittstellen-übergreifenden Software-Equalizer der App ist der Tiefton des stationären Lautsprechers von Xiaomi noch immer angehoben und kräftig. Auch auf europäische und amerikanische Radiostationen und Streaming-Dienstleister muss man beim Xiaomi noch verzichten.