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FiiO F1: Akustisches Mittelmaß oder Low Budget-Überflieger? - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Der internationale Durchbruch des chinesischen Elektronik-Herstellers FiiO wurde wohl mit dem ersten X3 Audio-Player, den ich mir kurz nach Marktstart ebenfalls kaufte (sogar ziemlich günstig, da FiiO seinen Händlern zu diesem Zeitpunkt Rabatte durch Bonuspunkte und Gutscheine in Kombination mit FiiO-Produkten noch erlaubte), eingeleitet. Der X3 war auch so ziemlich der erste portable Audio-Spieler mit niedriger Ausgangsimpedanz, auch ansonsten guten Messwerten und erweiterbarem Speicher, der im Gegensatz zur damaligen Konkurrenz preislich relativ niedrig positioniert war.
Noch immer besitze ich meinen FiiO X3, nutze ihn jedoch wie auch damals schon nur in einem Nischenbereich – Dinge wie die mittelmäßige Bedienung und nach den letzten (und finalen) Updates nicht fehlerfreie grafische Nutzeroberfläche tragen mitunter dazu bei.

Vor einiger Zeit ist FiiO auch in den Kopfhörer-Markt eingestiegen und hat in Kollaboration mit DUNU deren Titan 1 In-Ears als „FiiO EX1“ auf den Markt gebracht – technisch handelt es sich beim EX1 und Titan 1 um identische Produkte, die sich nur im Preis und Kabel unterscheiden.
Etwas später folgten die im Low Budget-Segment positionierten EM3 Earbuds, die ich testen durfte und mich leider nicht überzeugen konnten.




Nun hat FiiO zwei weitere In-Ears vorgestellt, nämlich den F1 und F3. In einem amerikanischen Audio-Forum gab es ein Gewinnspiel des F1, bei dem ich teilnahm und leider nicht gewann. Kurze Zeit später jedoch kam Sunny von FiiO auf mich zu und fragte, ob ich den F1 ausnahmsweise doch erhalten wolle, doch mit der Bedingung, ein Review zu schreiben. Ich willigte ein, lehnte kurze Zeit später mangels wirklichen Interesses am In-Ear aber wieder ab, woraufhin man mir mitteilte, dass der F1 und F3 angeblich jedoch schon unterwegs zu mir seien.
Kurze Zeit später traf tatsächlich ein Paket bei mir ein, dessen Inhalt entgegen Sunnys Aussage jedoch nur den F1 darstellte (man hatte mich wohl mit jemand anders verwechselt).

Der F1 lag daraufhin einige Monate lang recht ungenutzt bei mir herum, bis ich mich jetzt doch dazu entschied, ihm eine kurze Rezension zu widmen – nicht für FiiO, sondern für mich und ob der Freude am Schreiben.



Technische Daten:

Preis: ~ 15-20$
Treiber: dynamisch, 9,2 mm
Empfindlichkeit: 97 dB/mW
Impedanz: 16 Ohm


Lieferumfang:

Trotz des geringen Preises kommen die In-Ears in einem ordentlichen Verpackungskarton, in dem sich neben den In-Ears noch vier Paare an guten Silikonaufsätzen und ein Hardcase zur Aufbewahrung der In-Ears befinden.





Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die In-Ears bestehen gänzlich aus schwarzem Kunststoff, der semi-transparent ist und für die Preisklasse angemessen erscheint.




Überzeugen kann hingegen das Kabel, welches am 3,5 mm Stecker einen sehr guten Knickschutz besitzt, auf einen integrierten Kinnschieber glücklicherweise nicht verzichtet, ziemlich flexibel ist und zudem noch eine Fernbedienung mit Mikrofon sowie drei Tasten besitzt.
Die sichtbaren, roten Kevlar-Fasern, die in die Kabelummantelung eingearbeitet sind, erinnern mich optisch sehr an das Kabel meines Sennheiser IE 800, wirken jedoch hochwertiger (was leider eine einfache Aufgabe darstellt, da das Kabel des IE 800 nicht gerade zu den besten zählt).



Am Kabel befindet sich zusätzlich noch eine Silikon-Lasche, die man von DUNUs Produkten kennt, wodurch man davon ausgehen kann, dass der F1 ebenfalls aus DUNUs Produktion stammt – was ein gutes Zeichen sein kann, aber nicht muss, wie mein Kauf des DUNU I-5C in der Vergangenheit gezeigt hat.




Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears lassen sich sowohl mit dem Kabel nach unten als auch über die Ohren gelegt tragen. Letztere Methode stellt wie üblich meine bevorzugte Trageweise dar, da dadurch Kabelgeräusche reduziert und der Halt und Sitz der In-Ears verbessert werden können. Der Kinnschieber, den man leider nicht bei allen Budget-Modellen vorfindet, trägt zusätzlich dazu bei, einen guten Sitz und Halt zu finden.

Die In-Ears isolieren ordentlich – bei gutem Sitz würde ich ihnen eine Isolation im oberen Mittelfeld für belüftete In-Ears attestieren.


Klang:

Messung des Frequenzganges: siehe frequency-response.blogspot.com.

Tonalität:

Auf der Innenseite der In-Ears befindet sich je Seite eine winzige Belüftungsöffnung, die man bei den meisten In-Ears mit dynamischen Treibern vorfindet. Diese Öffnung auf der Innenseite ist in so gut wie allen Fällen für die akustische Abstimmung eines In-Ears verantwortlich und beeinflusst direkt die Bassmenge – eine größere Öffnung reduziert den Bass, während dieser bei einem gleichen Treiber in einem gleich dimensionierten, jedoch geschlossenen Gehäuse stärker ausfiele.
Nun ist die Position einer solchen Belüftungsöffnung, auch Vent genannt, in den meisten Fällen recht ungünstig gewählt, da diese je nach Ohranatomie verdeckt werden kann. Im Fall des FiiO F1 beträgt der Unterschied zwischen einer ganz offenen und komplett verschlossenen Belüftungsöffnung ca. 5 dB (~ 8 dB gegenüber etwas mehr als 12 dB Bassbetonung); in den meisten Fällen ist die Belüftungsöffnung solcher In-Ears beim Tragen nahezu gänzlich verdeckt und resultiert in einem bassigeren Klang.


Wie klingt der F1 nun? Charakterisieren lässt sich sein Klang ganz gut als „bassig, dunkel und entspannt“.

Der Tiefton des F1 besitzt eine Betonung von ca. 12 dB, die sich eigentlich über den gesamten Bassbereich erstreckt und auch gen Tiefbass nicht abebbt. In den Grundton strahlt diese Betonung, die bei rund 550 Hz beginnt, auch noch etwas ein und dickt den unteren Stimmbereich an, ohne es jedoch wie manch anderer In-Ear mit der Wärme zu übertreiben.

Der Mittelton ist präsent und im Bereich des Präsenzbereiches etwas angehoben, was Stimmen intimer wirken lässt. Tendenziell hell erscheint der Mittelton des F1 dadurch jedoch nicht, was an der Grundtonwärme und dem danach folgenden Hochton liegt, der sehr entspannt und zurückgesetzt aufspielt.

„Sehr entspannt“ ist hier eigentlich fast schon eine Untertreibung, denn oberhalb von 3 kHz fehlt es dem In-Ear breitbandig an bis zu 10 dB im Hochton, was übersetzt bedeutet, dass der Hochton im Vergleich zum Mittelton nur etwa halb so laut und im Vergleich zum Bassbereich nur ein Viertel so laut ist. Dadurch werden zwar bei manchen In-Ears auftretende, unangenehm scharfe Spitzen im Hochton umgangen, dafür ist der Klang im oberen Frequenzgang aber auch ziemlich dumpf und Hi-Hats wirken in etwa so, als spielten sie in einem schalltoten Raum unter 10 dicken Wolldecken – man kann sie gerade so noch wahrnehmen, aber sie besitzen keinen hörbaren Ausklang und lassen sich nur bei konzentriertem Hinhören erahnen.

Natürlich wirkt diese Abstimmung nicht gerade, und insbesondere tiefe männliche Stimmen erscheinen sehr bedeckt, während der Hochton zusätzlich „verschluckt“ wird.

Auflösung:

Wirklich objektiv kann ich hier nicht schreiben, denn an manchen Tagen dachte ich, der F1 besäße eine ziemlich schlechte Auflösung, die typisch für den Low Budget-Bereich ist, wohingegen ich an anderen Tagen dachte, dass er für den Preis gar nicht mal so schlecht sei, wenngleich es auch bessere Alternativen gäbe.
Einigen könnte ich mich darauf, dass der F1 so klingt, wie man es im Low Budget-Bereich eigentlich erwarten würde, und keinen positiven Ausreißer darstellt. Wer also klanglich eine für den Preis ähnlich gute Performance und Basis wie beim auf dem Titan 1 basierenden FiiO EX1 erwartet, wird ziemlich enttäuscht sein, denn der F1 schafft es nicht, mit den günstigen Modellen von Knowledge Zenith, Superlux oder Xiaomi mitzuhalten, was die technische Qualität betrifft.



Der Bassbereich ist zu meiner Überraschung nicht zu weich oder dröhnend, sondern für einen günstigen In-Ear verhältnismäßig trocken und behält auch bei schnelleren Musikstücken eine recht ordentliche Kontrolle bei. Andererseits fehlt es dem Bass, insbesondere dem Tiefbass, an Definition, wodurch der Tiefton bei komplexeren Stücken etwas stumpf wirkt.
Der Mittelton ist „okay“, auch wenn die Detailmenge und Sprachverständlichkeit nicht das Niveau besserer In-Ears erreichen.
Der Hochton bleibt, auch wenn man ihn mit einem Equalizer auf die korrekte Lautstärke bringt, eher enttäuschend. Details wollen sich nicht so richtig lösen und die Präsentation wirkt eher stumpf. Eine wirkliche Definition einzelner Noten darf man auch nicht erwarten.

Räumliche Darstellung:

Die Bühne des F1 ist eher kompakt, wirkt jedoch nicht eingeengt und bietet einen ordentlichen Tiefgang – ja, ich würde gar sagen, dass die Bühne in meinen Ohren etwas mehr räumliche Tiefe als Breite besitzt.
Wirkliche Trennungsschärfe sollte man nicht erwarten, nichtsdestotrotz bleibt der imaginäre Raum bei schneller und komplexer Musik etwas besser zusammenhängend, als erwartet, und wirkt nicht zu neblig.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:

Knowledge Zenith HDS1:
Auch der HDS1 besitzt ein recht gutes Kabel, das im Vergleich zu dem des FiiO jedoch etwas zu Gummi-artig ist.
Der HDS1 ist tonal wesentlich ausgewogener – sein Bassbereich ist ein gutes Stück zurückhaltender und geht eher in die neutrale Richtung, so besitzt er etwa die gleiche Quantität wie der InEar StageDiver SD-2 oder UE900, jedoch mit einem etwas abrollenden Pegel unterhalb von 80 Hz. Im Hochton ist der HDS1 bis auf eine kleine Senke im mittleren Hochton im Gegensatz zum hier ziemlich dunkel aufspielenden FiiO Pegel-mäßig auch relativ neutral.
Im Bassbereich sind beide In-Ears, was die Trockenheit und Geschwindigkeit betrifft, in etwa vergleichbar und der HDS1 spielt nur um eine Nuance trockener, dafür jedoch um ein gutes Stück definierter. Auch im Hochton sind einzelne Töne, selbst wenn man den FiiO hier Pegel-mäßig per Equalizer angleicht, beim Knowledge Zenith In-Ear besser und werden detaillierter wiedergegeben. Insbesondere jedoch klingt der HDS1 im Mittelton um ein gutes Stück besser auflösend als der F1 und besitzt die klar höhere Sprachverständlichkeit.
Was die Bühne betrifft, besitzen beide In-Ears eine recht vergleichbare Präsentation, während der FiiO, was die Größe betrifft, nur minimal im Vorteil ist.

Xiaomi Piston Colorful Starter Edition:
Der FiiO besitzt das viel bessere Kabel und ein schönes Aufbewahrungsetui. Das war es aber auch schon mit den Dingen, die er besser macht.
Der Xiaomi besitzt den etwas zurückhaltenderen, dennoch betonten Bassbereich und wesentlich mehr Hochton als der FiiO, was aber recht vorhersehbar war. Der Xiaomi ist im Vergleich zu einem im Hochton neutralen In-Ear im oberen Frequenzbereich sogar etwas betont und präsentiert somit einen Klang, den man eher als Loudness-Abstimmung oder „Badewanne“ bezeichnen könnte. Gleichmäßiger, als er ist, könnte der Hochton des Piston zwar sein, so ist er etwas metallisch, was angesichts des geringen Preises aber noch in Ordnung geht.
Was die Auflösung betrifft, ist der Xiaomi dem FiiO doch um circa eine Klasse überlegen – so bietet er etwa den noch trockeneren, merklich besser definierten Bass, löst im Mittelton besser auf und kann auch im Hochton, selbst wenn man den FiiO per Equalizer angleicht, durch eine bessere Trennung und Definition stärker überzeugen.
Die Bühne des Piston ist breiter, bei etwas weniger räumlicher Tiefe. Der Xiaomi bietet auch die etwas bessere Instrumententrennung.


Fazit:

Wer nur billige Earbuds und sehr billige Beipack-In-Ears besitzt, könnte mit dem F1 tatsächlich ein Upgrade erzielen. Wenn man bedenkt, dass heutzutage aber auch viele Beipack-Modelle klanglich kein Sondermüll mehr sind, ist dies jedoch eher unwahrscheinlich.
Wer keine sonderlich hohen Ansprüche an das Auflösungsverhalten eines In-Ears besitzt und auf der Suche nach einem bassigen, dunklen Klang ist, oder einen sehr günstigen, dennoch gut verarbeiteten Backup-In-Ear kaufen möchte, kann ruhig zum F1 greifen. Für alle anderen Interessenten bieten die Hersteller Superlux, Xiaomi und Knowledge Zenith mehr Klang fürs Geld.



Klanglich knüpft der F1 sowohl tonal als auch die Auflösung betreffend somit leider an den EM3 an, besitzt jedoch ein gutes Aufbewahrungsetui sowie ein wirklich gutes Kabel, das man in diesem Preisbereich in der Regel eher nicht erwarten würde.
Dementsprechend bleibt er in seinem Preisbereich nur akustisches Mittelmaß und muss sich klanglich anderen Modellen geschlagen geben.