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Fischer Amps FA-3E: Ein äußerst gut gelungener deutscher Triple-Driver - [Review] 🇩🇪

Prolog:

Meinen FA-3E habe ich in der ersten Hälfte des Jahres 2014 bei Thomann neu für 329€ gekauft.


Fischer Amps ist ein eher kleiner, deutscher, jedoch Europa-weit bedeutsamer Hersteller von Produkten für den (Bühnen-) Monitoring-Einsatz, aber hauptsächlich als deutscher Importeur und Partner für die Hörer von Ultimate Ears bekannt.
Die Fischer Amps-Zentrale in Baden-Württemberg besuchte ich selbst übrigens vor ein paar Jahren, als ich die Abdrücke für meine maßgefertigten Ultimate EarsReference Monitors In-Ears erstellen ließ, wo ich mich bei der Gelegenheit durch Ultimate Ears‘ gesamtes Line-Up hören konnte und auch den Fischer Amps FA-4E XB, den ich mir kurze Zeit später ebenfalls kaufte, auch einem kurzen Sound-Check unterziehen konnte.





Seit ein paar Jahren stellt das Team rund um Jochen Fischer jedoch auch eigene In-Ears her, die in der Szene (definitiv zu Recht) ebenfalls einen guten Ruf genießen.
Als Besitzer des FA-3E sowie FA-4E XB kann ich mich der überwiegend positiven Kritik anschließen und möchte dem Triple-Driver FA-3E, einem meiner draußen am liebsten genutzten In-Ears, wenn ich einen relativ neutralen Klang wünsche, was meist der Fall ist, nach ein paar Jahren endlich mal eine eigenständige Rezension widmen.
Alle In-Ears von Fischer Amps sind übrigens selbstverständlich „Made in Germany“.

Ist man auf der Suche nach dem FA-3E, den es mit fest angebrachtem Kabel und einfacherem, zylindrischem Gehäuse auch günstiger als „FA-3“ ohne das E am Ende gibt, sollte man darauf achten, dass wenn man sich wirklich den FA-3E/FA-3 zulegen möchte, nicht versehentlich zum FA-3E XB/FA-3 XB greift, denn die XB-Version besitzt einen nicht unerheblichen, recht kräftig angehobenen Bassbereich im Vergleich zum FA-3E/FA-3, der relativ neutral im Tiefton spielt (XB steht in diesem Zusammenhang für „Extended Bass“).


Erhältlich ist der FA-3E bei Thomann: https://goo.gl/V1y9aX

… sowie als FA-3, der kostengünstigeren Variante mit fest angebrachtem Kabel und zylindrischem Gehäuse, bei Amazon: http://amzn.to/2pGA7tu


Technische Daten:

Siehe http://fischer-amps.de/fileadmin/user_upload/fullsize/inear/FA-Hoerer/FA-InEarEarphones-2016-web.pdf.


Lieferumfang:

Ob der Lieferumfang in dieser Form noch aktuell ist, kann ich nicht sagen, doch kam mein FA-3E im Jahr 2014 in einem rechteckigen kleinen Karton, in dem sich neben dem Hörer selbst noch drei Paare an Silikonaufsätzen, drei Paare an Schaumstoffaufsätzen, ein Aufbewahrungs- und Transportetui mit kleinem Karabinerhaken sowie eine Reinigungsbürste befanden.





Optik, Haptik, Verarbeitung:

Die Gehäuse des FA-3E, der meines Wissens nach in den Farben Grau und Blau erhältlich ist, bestehen aus Acryl und stammen aus dem 3D-Drucker (SLA-Verfahren mit UV, wie es auch in der Dentaltechnik zum Einsatz kommt), womit Fischer Amps wohl neben Ultimate Ears eine der ersten Firmen war, die diese Produktionsmethode für In-Ears einsetzte. Unter dem dann aufgetragenen Klarlack kann man die einzelnen, sehr feinen Stufen noch bei den grauen Gehäusen meines FA-3E erkennen, was mir persönlich optisch gut gefällt (bei meinem blauen FA-4E kann man sie hingegen nicht wirklich sehen).
Die Gehäuse sind gut verarbeitet. Die Fischer Amps-Logos sind bei meinem 2014-er Hörer noch aufgeklebt, was bei manchen Besitzern (bei mir glücklicherweise nicht) dazu führte, dass sie sich mit der Zeit lösten, doch soll bei neueren und aktuellen Chargen und Modellen das Logo nun fest unter dem Lack mit dem Gehäuse verbunden sein.


Bei den wechselbaren Kabeln setzt Fischer Amps auf das bewährte 2-Pin-Stecksystem. Das Fischer Amps-Kabel ist regulärer Profi-Standard, wie man ihn in dieser Preisklasse und aufwärts bei den meisten In-Ears vorfindet sowie erwartet, und durch die einzelnen, verdrillten Kabelstränge sehr flexibel.



Tragekomfort, Isolation:

Die In-Ears sind ergonomisch geformt und besitzen einen „Haken“, der bei Menschen mit eher kleinen bis durchschnittlich großen Ohren im „Cymba“ genannten Teil der Ohrmuschel für mehr Sicherheit „einrastet“. In meinen großen Ohrmuscheln passiert dies nicht und zwischen den In-Ears und der Cymba herrscht noch reichlich Platz; nichtsdestotrotz sitzt der FA-3E sicher, bequem und ohne zu verrutschen in meinen großen Ohren.

Ein Kinnschieber existiert am Kabel selbstverständlich ebenfalls. Durch die hohe Flexibilität, Leichtigkeit und Trageweise über den Ohren sind Kabelgeräusche auch praktisch nicht vorhanden.

Bedingt durch die geschlossenen Gehäuse ist die Geräuschisolation wie zu erwarten gut.


Klang:


Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der FA-3E ein zwei- oder zweieinhalb-Wege-In-Ear ist (Letzteres las ich vor geraumer Zeit mal), also ob es einen oder eineinhalb Bass-Wege gibt (in dem Fall würde einer der Treiber durch die Frequenzweichen-Konfiguration noch etwas höher als der andere spielen, während beide Treiber an sich baugleich und nach unten hin nicht begrenzt sind), was aber weitestgehend irrelevant ist, denn letztlich ist es die Implementierung, die entscheidend ist, wie gut das Endergebnis gelingt.

Verwendet habe ich meinen FA-3E bisher eigentlich ausschließlich an Quellgeräten mit niedrigem Ausgangswiderstand und ohne durch Kondensatoren im Signalweg hervorgerufenen Bassabfall, beispielsweise an meinem iBasso DX90, der meine hauptsächliche Quelle darstellt, beim Sport am SanDisk Sansa Clip Zip, am iPhone 4, dem LH Labs Geek Out IEM 100, Cowon Plenue 2 und sicherlich noch anderen Geräten.
Was die Aufsätze betrifft, nutzte ich schon immer die größten Silikonaufsätze aus dem Lieferumfang des FA-3E.




Tonalität:

Der FA-3E ist ein ziemlich neutral abgestimmter In-Ear, der tonal an den UERM angelehnt ist, hingegen etwas weniger Pegel im mittleren Hochton sowie Präsenzbereich besitzt, dafür jedoch (glücklicherweise) ohne den ausgeprägten Peak im Übergang des oberen Hochtons zum Superhochton, wie man ihn beim In-Ear von Ultimate Ears findet, auskommt. Dementsprechend klingt er im oberen Hochton nicht scharf oder spitz, was beim UERM leider der Fall sein kann, wenn eine Note mal exakt diese Frequenz trifft.

Der Bassbereich des FA-3E ist vom unteren Grundton bis in den Tiefbass hinein gleichmäßig und flach, ganz ohne Abrollen, und besitzt im Vergleich zu einem In-Ear mit Diffusfeld-neutralem Bassbereich wie etwa dem Etymotic ER-4S und ER-4SR zwischen 3 und 4 dB mehr Pegel.
Somit besitzt der Bassbereich des Fischer Amps In-Ears die gleiche Quantität wie der UERM, Shure SE425 oder Noble SAVANNA, allesamt ebenfalls ziemlich neutrale Vertreter ihrer Klasse, rollt gen Tiefbass jedoch im Gegensatz zum Shure und Noble nicht ab, sondern behält wie der UERM auch ganz unten im Tiefbass den gleichen Pegel wie im Oberbass.

Der Mittelton des FA-3E ist tonal korrekt, ohne Einfärbungen und nicht vordergründig, sondern eher etwas entspannt, jedoch nicht zurückgesetzt erscheinend, was hauptsächlich an einer Senke im mittleren Hochton um 5 kHz liegt, welche dafür sorgt, dass der Stimmbereich etwas „entspannter“ und weniger „vordergründig“ erscheint.
Darüber hinaus ist der obere Hochton wieder neutral und besitzt keine Unebenheiten oder plötzlich auftretenden, engen Spitzen.

Allgemein kann man dem FA-3E eine wirklich sehr gelungene tonale Abstimmung attestieren, die ziemlich neutral, jedoch keineswegs ermüdend oder erdrückend ist und durch die Senke im mittleren Hochton auch eine gute Langzeittauglichkeit bietet.
Da keine plötzlich auftretenden, schmalbandigen Senken oder Spitzen vorhanden sind, ist der Klang auch realistisch sowie authentisch, was auf den teureren und ansonsten technisch klar besseren UERM, den der FA-3E womöglich als Vorbild hatte, nicht ganz zutrifft, denn bei diesem wirkt der obere Hochton eher künstlich und manchmal auch ein wenig metallisch. Nein, hier ähnelt der FA3E, zumindest was die Gleichmäßigkeit im Frequenzgang betrifft, eher dem Noble SAVANNA oder Etymotics ER-4-Linie.




Auflösung:

Wüsste ich nicht, dass die beiden Bass-Treiber rückseitig belüftet („back-vented“) sind, würde ich es, so meine ich, nicht heraushören, denn der Bass des FA-3E ist, wie es sich für Balanced Armature Treiber gehört, auffallend trocken, schnell und präzise – die geringe bis moderate Weichheit und „Langsamkeit“ (im Vergleich zu sehr schnellen geschlossenen BA-Bässen, denn qualitativ besser als die meisten In-Ears mit dynamischem Bass-Treiber sind In-Ears mit „back-vented“ BA-Bässen in der Regel (bis auf nur wenige Ausnahmen in der dynamischen und hybriden Domäne)), die bei manchen rückseitig belüfteten BA-Bässen heraushörbar ist (z.B. beim InEar StageDiver SD-2 oder Fischer Amps FA-4E XB), bleibt beim FA-3E aus.
Nur, wenn man es weiß, und im Direktvergleich kann man beim Einschlag des Basses eine minimale „Weichheit“ erkennen, die aber auch bei einigen anderen In-Ears mit großen, jedoch nicht belüfteten BA-Treibern im Bassbereich vorhanden sein kann.

Die Detailauflösung ist für den Preis angemessen und gut, und auch wenn sie im Vergleich zu manch teurerem In-Ear wie dem Logitech/Ultimate Ears UE900 oder Noble Audio SAVANNA „nur“ obere Mittelklasse ist, so ist die Auflösungsverteilung des FA-3E sehr gleichmäßig und zusammenhängend, wodurch es keinen Bereich gibt, bei dem man sagen könnte, dass er besser oder schlechter auflösend wäre als ein anderer.
Und genau dies sehe ich beim In-Ear von Fischer Amps als großen Vorteil an, denn es gibt keinen Bereich, in dem er eine Schwäche zeigt – die etwas besser auflösenden In-Ears UE900, SAVANNA und UERM beispielsweise besitzen entweder eine im Mittelton den anderen Bereichen etwas hinterherstehende Detailauflösung, rollen gen Tiefbass etwas ab, oder besitzen einen nicht ganz authentischen, etwas spitzen und metallischen Hochton.

Räumliche Darstellung:

Auch hier gibt sich der FA-3E keine Blöße – wenngleich er nicht unbedingt der beste In-Ear bis 400€ ist, was die räumliche Darstellung angeht, klingt er keineswegs unangenehm platt oder eingeengt, sondern besitzt eine Bühne, die in ihrer Ausprägung relativ durchschnittlich bis geringfügig größer als dies ist und einen relativ offenen und recht glaubhaften, wenn nicht ganz plastischen oder beeindruckend großen Raum abbildet.
Auch ist die Bühne in meinen Ohren recht rund, mit nur ein wenig mehr Breite ans Tiefe.


Instrumententrennung und -ortung sind durchschnittlich, ohne negativ aufzufallen oder sich durch besonders ausgeprägte Trennungsschärfe und exakte Darstellung von „Leere“ auszuzeichnen. Für die Preisklasse ist dies in Ordnung und der FA-3E übertrifft ein paar andere Modelle, wenngleich er nicht an die räumliche Plastizität sowie Trennungs- und Abbildungsgenauigkeit von Geheimtipps wie etwa dem günstigeren Pai Audio MR3 oder preislich ähnlich positionierten, jedoch spaßiger abgestimmten Audio Technica ATH-IM03 herankommt.

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Im Vergleich mit anderen In-Ears:

Den FA-3E habe ich in mehreren meiner anderen Rezensionen bereits etwas ausführlicher im Direktvergleich gegen andere Modelle antreten lassen. Auch in anderen Rezensionen lassen sich neben kleineren Vergleichen Bezüge zum In-Ear von Fischer Amps finden.
Zu ein paar jener Rezensionen, in denen sich ein ausführlicherer Direktvergleich zum FA-3E befindet, verlinke ich an dieser Stelle:

Etymotic ER-4XR

Noble Audio SAVANNA

Pai Audio MR4

Fidue A73

Bezüge/Erwähnungen in anderen Reviews


Fazit:

Der Fischer Amps FA-3E ist ein fantastischer In-Ear – seine ziemlich neutrale, jedoch nicht ermüdende oder erdrückende tonale Abstimmung ist äußerst gelungen und für die Preisklasse ist seine Detailauflösung gut, mit überzeugend schnellen, präzisen und trockenen Bässen. Zudem sind seine Gehäuse ergonomisch geformt und sitzen sicher in den Ohren des Trägers.
In manchen Teilbereichen gibt es In-Ears, die noch eine Schippe an Detailauflösung im Mittelton, Bühnengröße und Instrumententrennung sowie die Darstellung von räumlicher Leere drauflegen, doch wird es sehr schwierig bis unmöglich, all dies gepaart mit der tonalen Ausgewogenheit unter 500€ zu finden.

Als Gesamtpaket ist der FA-3E sehr überzeugend und zählt dementsprechend im mobilen Betrieb noch immer zu meinen persönlichen Favoriten, wenn ich eine recht neutrale tonale Abstimmung suche, was meist der Fall ist.



4,65 von 5 möglichen Sternen.