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NocturnaL Audio Atlantis: Flaggschiff-Performance ohne Flaggschiff-Preisschild - [Review] 🇩🇪

Prolog:

„Atlantis“, benannt nach dem Mythen-umwobenen, versunkenen griechischen Inselreich, ist ein Vierfach-BA In-Ear des aus Singapur stammenden Audio-Herstellers NocturnaL Audio – ein Name, der den meisten Kopfhörer-Interessierten in Europa wohl neu sein dürfte, was vornehmlich daran liegt, dass die Firma außerhalb Asiens bislang noch keinen Distributor besitzt, aber auch, da die Firma mit dem Gründungsjahr 2013 noch recht neu ist.
NocturnaL Audio bietet aktuell neben den beiden In-Ears namens Gorham (Dual-BA, zwei akustische Wege) und Atlantis (Quad-BA, drei akustische Wege), die man sowohl in maßgefertigter Form (siehe mein Review des UERM zu maßgefertigten In-Ears) als auch mit universellem Gehäuse mit dennoch möglichen Personalisierungs-Optionen bekommen kann, einen Reshell-Service an und stellt auch nach Kundenwunsch konfektionierte Kabel her.
Positiv ist mir neben der humorvoll gestalteten Web-Präsenz, in deren Kontaktbereich Ausschnitte aus einem Maroon 5-Musikvideo ablaufen, aufgefallen, dass NocturnaL Audio für seine beiden In-Ears einen unkompensierte Frequenzgraphen bereitstellt, was sehr begrüßenswert ist (und leider nur von wenigen Herstellern angeboten wird), da der Kunde, sofern er imstande ist, Frequenzgraphen richtig zu lesen und zu interpretieren, somit weiß, welche klangliche Richtung der In-Ear einschlägt (wenngleich auch nicht erwähnt wird, mit welchem Equipment der Graph aufgezeichnet wurde).




Der Quad-Driver Atlantis, auf den sich diese deutschsprachige Rezension bezieht, ist wie auch der andere In-Ear von NocturnaL Audio sowohl mit individuell ans eigene Ohr angepasstem Gehäuse („CIEM“, „Custom In-Ear Monitor“) als auch ganz klassisch in universeller Form, auf welche reguläre Silikon- und Schaumstoff-Aufsätze passen, verfügbar. Da beide Varianten von Hand gefertigt werden, muss man auch beim universellen In-Ear von einer Herstellungszeit von mindestens vier Wochen ausgehen, jedoch sind im Gegensatz zu in Massenproduktion hergestellten universellen In-Ears die gleichen, teils gegen Aufpreis erhältlichen, individuellen Design-Anpassungen nach Kundenwunsch wie bei einem individuell ans Ohr angepassten In-Ear bei NocturnaL Audio möglich, was nur die wenigsten Hersteller anbieten.

Preislich liegt der Atlantis, der drei akustische Wege mit einem Treiber für den Tiefton, zwei für die Mittenreproduktion und einen für die Höhen-Wiedergabe in einer Triple-Bore Konstruktion (= drei einzelne Schallröhrchen) einsetzt, im Online-Konfigurator von NocturnaL Audio (https://nocaudio.com/order/ciem/) bei 569,99US$ für die Variante mit universellem Gehäuse, was etwa 501€ entspricht. Die maßgefertigte Version (CIEM) kostet nur überraschend günstige 70 US-Dollar Aufpreis, natürlich zuzüglich der Kosten für die Ohr-Abdrucknahme bei einem Audiologen/Hörgeräteakustiker und dem Versand dieser Abdrücke an NocturnaL Audios CIEM-Labor in Singapur.
Spezielle und individuelle Farben, Designs, Artworks, Logos und Materialien können, wie bei fast jedem Hersteller von maßgefertigten In-Ears, teils gegen einen Aufpreis ebenfalls hinzugebucht werden, weshalb sich der Preis, wie bei jedem individualisierbaren In-Ear, natürlich auch merklich erhöhen kann, wenn man exotische Wünsche bezüglich des verwendeten Materials, der Farben oder eigene Logos und Artworks einbringt.


Wie der NocturnaL Audio Atlantis klingt und wie er sich gegen andere etablierte Quad- und Triple-BA In-Ears schlägt, zeigt meine deutschsprachige Rezension.


Mein Dank gilt NocturnaL Audio, die mir einen universellen Atlantis In-Ear für diese unbefangene Rezension ohne irgendwelche Auflagen oder Bedingungen zukommen lassen haben.


Technische Daten:

Preis: ab 569,99US$ (universelles Gehäuse)
Treiber: Balanced Armature
Treiber-Anzahl je Seite: 4
Akustische Wege/Frequenzweiche: 3-Wege-Design (1x Bass, 2x Mittelton, 1x Hochton) mit Triple-Bore Schallaustritt
Kabelanschluss: 0,78 mm 2-Pin oder MMCX
Impedanz: 20 Ohm
Empfindlichkeit: 120 dB SPL @ 1 mW


Lieferumfang:

Der NocturnaL Atlantis wird in einer mehr oder minder kleinen Aluminium-Truhe mit NocturnaL  Audio Aufdruck geliefert, die den Mix Cases von Thomann nicht gänzlich unähnlich ist.


Im Inneren dieser befinden sich neben den In-Ears noch ein hochwertiges Microfaser-Reinigungstuch, ebenfalls mit NocturnaL-Branding, sowie ein Reinigungstool für die In-Ears, ein Klettverschluss-Kabelbinder zum Zusammenwickeln des Kabels sowie drei Paare an Silikonaufsätzen.


Optik, Haptik, Verarbeitung:

Das Alu-Case ist zwar sehr stabil, geräumig und innen sehr weich mit Moosgummi-artigem Material ausgepolstert, könnte jedoch etwas hochwertiger von außen ausfallen (so ist das Metall am Verschluss recht minimalistisch dünn und auch etwas scharfkantig).

Die weißen Silikonaufsätze sind sehr angenehm weich und bequem und erinnern stark an die, welche auch Pai Audio nutzt, doch wäre etwas mehr Auswahl an Aufsätzen oder etwas dickere Silikon-Wände nicht unbedingt verkehrt gewesen.

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Das Design der In-Ears wird sich von Kunde zu Kunde natürlich unterscheiden – beim erhaltenen Rezensionsmuster habe ich NocturnaL freie Wahl bei der Designwahl gelassen und ließ mich überraschen.


Erhalten habe ich den Atlantis mit dunkelblauen Gehäusen mit Metallic-Effekt sowie Faceplates, deren Design an einen Sternennebel oder einen Strudel erinnert (die Option nennt sich „Abstract Swirl“). Zentral auf den Faceplates befindet sich noch ein silberfarbenes NocturnaL-Logo, das zusammen mit dem Strudel einen sehr schönen und räumlich tiefen Eindruck generiert.
Mir persönlich gefällt das gewählte Design übrigens sehr gut.

Auf der Innenseite des linken Gehäuses hat man in silberfarbener Schrift „Atlantis“ und das NocturnaL-Logo eingraviert, während das rechte Gehäuse die Schriftzüge „Atlantis“ sowie die Seriennummer in roter Schrift aufgedruckt bekommen hat.


Die Verarbeitungsqualität der handgefertigten Gehäuse, bei denen man in etwa mit einer Fertigungszeit von ca. 6 Wochen rechnen muss, ist dabei übrigens hervorragend – ich kann keine Einschlüsse/Luftblasen erkennen, die Anschlüsse sind sauber eingelassen, die Oberfläche gleichmäßig poliert und der Übergang von den Faceplates zu den Gehäusen perfekt nahtlos.


Am Ende des Schallröhrchens kann man schön die drei individuellen Sound-Kanäle („Triple-Bore“ Design) mit zugehörigem akustischem Filter erkennen, während man bei starkem Gegenlicht die Treiber und Frequenzweichen-Elemente schemenhaft sieht.
Das Schallröhrchen der universellen Variante und dessen Rille/Kragen zur Aufnahme der universellen Silikonaufsätze aus dem Lieferumfang fällt im Durchmesser etwas breiter als gewöhnlich aus, was aber für eine Perfekte Abdichtung der Aufsätze und einen sehr festen und sicheren Halt dieser sorgt.

Oberhalb der 2-Pin Anschlüsse befindet sich übrigens je Seite ein roter respektive blauer Punkt, welcher auf die korrekte Polarität des Kabels hinweist.


Das versilberte Kupferkabel, das dem Atlantis serienmäßig beiliegt, bietet die gewohnte Profi-Qualität mit vier verdrillten Einzel-Adern unterhalb des Y-Splitters, in welchem folglich die Lötstelle entfällt. Ein Kinnschieber fehlt natürlich auch nicht und insgesamt erinnert mich das Kabel somit an das meiner Ultimate Ears Reference Monitors, das ebenfalls vier einzelne, verdrillte Kabelstränge besitzt und flexibel ist.


Tragekomfort, Isolation:

Die Form der universellen Gehäuse, die einem Durchschnitt einer Vielzahl an individuellen Ohrabdrücke entsprungen ist, ist dementsprechend ergonomisch geformt und bequem (und somit kein Vergleich zu universellen Demo-Modellen von maßgefertigten In-Ears von vor etwa einem Jahrzehnt – in dieser Zeit hat die Passform der ergonomisch geformten universellen In-Ears sich definitiv deutlich weiterentwickelt, was unter anderem auch die In-Ears des deutschen Herstellers InEar mit Bravur demonstrieren).
Als jemand mit großen Ohrmuscheln passen mir jedoch sowieso die meisten In-Ears sehr gut.
Personen mit durchschnittlich großen Ohren dürfte der universelle Atlantis ebenso bequem passen wie mir – knapp könnte es einzig bei In-Ear Aficionados mit besonders kleinen und/oder besonders flachen Ohrmuscheln werden. In diesem Fall wäre die maßgefertigte Variante des Atlantis vorzuziehen.

Das Kabel bleibt übrigens angenehm frei von Mikrofonie und ist wie andere Modelle seines Typs schön flexibel.


Wenig überraschend aufgrund der geschlossenen Gehäuse fällt die Geräuschisolation (sehr) hoch aus.


Klang:

Meine hauptsächlich genutzten Quellen zum Hören waren der iBasso DX200 (AMP1 Modul) sowie mein Stack bestehend aus dem Chord Electronics Mojo und Leckerton UHA-6S.MkII.


Den Atlantis verwendete ich während des Hörens stets mit den großen Silikonaufsätzen aus dem Lieferumfang.

Tonalität:

Tonal schlägt der Atlantis eine Signatur ein, die an eine Mischung aus dem Westone W4R (Midbass), Brainwavz B200 (Tiefbass bis zentraler Mittelton) und Ultimate Ears Reference Monitors (zentraler Mittelton bis kurz vor oberer Hochton) erinnert. Stellt man sich den In-Ear als einen heller abgestimmten Brainwavz B200 mit subjektiv etwas weniger Fülle, einhergehend mit dem Hochton der Ultimate Ears Reference Monitors, jedoch ohne deren schmalbandigen Peak in den oberen Höhen vor, hat man so ziemlich die Abstimmung des Quad-Drivers von NocturnaL Audio treffend visualisiert.

Im Vergleich zu einem im Tiefton Diffusfeld-neutral abgestimmten In-Ear wie dem Etymotic ER-4S/SR beträgt die Bassanhebung des Atlantis ca. 7-8 dB und verglichen mit den ebenfalls noch ziemlich neutralen Ultimate Ears Reference Monitors ca. 4-5 dB.
An eine Abstimmung hin auf den „Fall der fehlenden 6 dB“ hin mit einer Prise an Extra-Quantität im Bass kann hierbei auch gedacht werden.

Bei 700 Hz beginnt der Tiefton langsam anzusteigen und erreich bei um die 100 Hz seinen Zenith, während zwischen 100 und 200 Hz bereits schon eine gewisse Fülle vorhanden ist.
Die Bassbetonung bleibt bei unverändertem Pegel bis 40 Hz bestehen und fällt darunter, im echten Tiefbass, nur sanft statt schnell ab, wodurch der In-Ear weniger Midbass-fokussiert (/“-dominant“) als der Westone W4R erscheint und eine gleichmäßigere Bassbetonung, wenngleich ebenfalls mit einer Präferenz des Midbasses, besitzt.
Der Bass kann somit also Druck und Volumen aufbauen, übertreibt es dabei in Sachen Quantität jedoch nicht, was subjektiv auch durch seine Geschwindigkeit, Kontrolle und Trockenheit zustande kommt.

Der Bassbereich, der bereits in die etwas wärmere Richtung tendiert, gibt diese Gene auch an den Mittelton weiter, der im Bereich des Grundtons/der unteren Mitten ebenfalls in die wärmere Richtung tendiert und etwas angedickt wird, ohne vom Bass überstrahlt zu werden.
Den Übergang kann man definitiv als gelungen bezeichnen und der untere Grundton ist auch minimal weniger angedickt als beim Westone W4R.
Im Gegensatz zu vielen anderen asiatischen In-Ears hat NocturnaL Audio beim Atlantis (glücklicherweise) auf die beliebte „Klarheits-Anhebung“ der oberen Mitten um 3 kHz verzichtet und dem In-Ear einen neutralen oberen Mittelton spendiert, der tonal realistisch und authentisch, mit einem moderat warmen Einschlag der unteren Mitten, klingt.

Von den oberen Mitten bis kurz vor dem oberen Hochton gleicht der Atlantis in seiner Abstimmung den UERM fast aufs Haar und liefert hier eine ziemlich neutrale Präsentation ab. Im mittleren Hochton ist der In-Ear, wie auch die UERM, also etwas vordergründiger als einige andere Modelle, die hier eine „Entspannungs-Senke“ besitzen, wenngleich die Modelle von Etymotic hier im Vergleich beim Hören von Sinus-Sweeps noch etwas akkurater sind (eine moderate, breitbandige Senke der mittleren Höhen lässt sich beim Atlantis und den UERM mittels Sinus-Sweeps und Erfahrung doch noch heraushören).
Um etwa 7 kHz kann ich eine moderate Akzentuierung des Hochtons ausmachen, die eher breitbandig ausfällt und somit nie spitz oder unnatürlich wirkt. Diese Anhebung ist von Sibilanz und Schärfe ein gutes Stück entfernt und fällt milder, breitbandiger und realistischer als etwa bei den UERM aus, die im oberen Hochton eine schmale Betonung besitzen, die, sobald eine Note sie genau trifft, etwas zu scharf ist, was wohl der einzige Makel der Ultimate Ears Reference Monitors ist.
Oberhalb von 13 kHz rollt der Superhochton des Atlantis hörbar ab – subtiles Glitzern findet man mit dem Atlantis also etwas weniger, wenngleich der Hochtonumfang ausreicht und den des teureren Shure SE846 auch etwas übertrifft.

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Tonal ist die Abstimmung des NocturnaL Atlantis somit gut gelungen und gefällig – er bietet eine angenehme, nicht überdosierte Bassmenge, die in etwas Wärme im unteren Mittelton mündet, einhergehend mit einem natürlichen Stimmbereich und neutralen oberen Mitten. Der Hochton ist auch gleichmäßig und die kleine Anhebung der oberen mittleren/unteren oberen Höhen wirkt wohldosiert und erscheint nicht spitz oder sibilant.
Instrumente klingen realistisch und auch das Timbre von Blasinstrumenten sowie Schlagwerk, insbesondere Becken, ist authentisch. Genau so würde und sollte man es von einem gut abgestimmten High-End In-Ear auch erwarten.

Auflösung:

Der Quad-BA In-Ear von NocturnaL Audio besitzt ein allgemeines Auflösungsvermögen, das mich beim Hören eigentlich einen In-Ear im vierstelligen Eurobereich vermuten ließe – intensiveres und längeres Hören bestätigte letztlich diesen Eindruck und ein Preis sogar etwas oberhalb dem der Ultimate Ears Reference Monitors wäre, was die technische Leistung angeht, gerechtfertigt, denn der Atlantis überzeugt durch eine sehr hohe Sprachverständlichkeit und Durchhörbarkeit, ohne durch irgendwelche Betonungen des Mitteltons zu tricksen, einhergehend mit einem mühelosen, leichtgängig erscheinenden Hochton, bei dem einzelne Noten ohne Schärfe sauber und präzise getrennt werden.

Der Bass des In-Ears überzeugt durch eine BA-typische Trockenheit, Auflösung und hohe Geschwindigkeit, gepaart mit einer Nuance an Textur und Körper, weshalb mich der Tiefton des In-Ears stark an den meiner Ultimate Ears Reference Monitors erinnert, was die Qualität betrifft (quantitativ besitzt der Atlantis jedoch den stärker ausgeprägten Tiefton).

Betrachtet man die Detailauflösung im tieferen Frequenzbereich, wirkt diese nicht ganz so hoch wie die des Mittel- und Hochtons.
Dies liegt aber hauptsächlich daran, dass die Auflösung im Mittel- und Hochton einfach bereits schon sehr hoch ist und der Atlantis Details und Transienten/Geschwindigkeit in den Mitten und Höhen mit einer subtilen Leichtigkeit als auch brachialen Genauigkeit präsentiert und dabei noch einzelne Noten sehr fein und präzise separiert, ohne dabei auffällig zu werden, wodurch der für sich allein betrachtete Bassbereich, der qualitativ mit dem der UERM absolut vergleichbar ist, sich im Vergleich zu den mittleren und hohen Frequenzen des Atlantis als ein stückweit weniger hochauflösend bemerkbar macht.

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Was NocturnaL Audio mit dem Atlantis geschaffen hat, ist definitiv beachtlich – und im Preisbereich zwischen 500 und 1000€ besetzt er damit tatsächlich eine Marktlücke und könnte, was die technische Leistung betrifft, sogar etwas höher eingestuft werden.

Räumliche Darstellung:

Den Atlantis zeichnen insbesondere seine sehr guten und sowie präzisen Staffelungseigenschaften aus, was die räumliche Wiedergabe betrifft. Einzelne Ebenen in der Tiefe lassen sich präzise erkennen und bleiben auch bei schnellerem und komplexerem Musikmaterial bestehen und gut voneinander getrennt.

Während seine Bühne in Sachen Breite mehr oder weniger einen guten oberen Durchschnitt repräsentiert (die Basis verlässt meine Ohren um ca. die Breite von zwei Fingern), bietet der Quad-BA In-Ear aus Singapur mindestens ebenso viel räumliche Tiefe, wodurch er sehr dreidimensional und räumlich authentisch klingt.
Somit grenzt er sich von vielen technisch ebenfalls sehr starken Multi-BA In-Ears im Preisbereich unterhalb von 500€ ab, die räumlich in der Regel weniger dreidimensional und/oder präzise aufspielen.

Sehr positiv erwähnenswert sind auch die Eigenschaften der Darstellung von Leere und die gute Positionierung sowie Separation von Instrumenten, wenngleich sich diese nicht ganz auf dem Level des in seiner räumlichen Präsentation wirklich sehr überzeugenden und nicht mehr produzierten Ultimate Ears UE 18 Pro befinden, dem es jedoch etwas an Balance im Mittelton fehlte, um für mich interessant zu werden.


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Im Vergleich mit anderen In-Ears:

Noble Audio SAVANNA:
Der SAVANNA ist der neutralere In-Ear der beiden und besitzt, wie auch die Ultimate Ears Reference Monitors, weniger Bassquantität. Im Mittelton ist das Timbre der beiden In-Ears ähnlich, mit etwas mehr Volumen bei tiefen Stimmen beim Atlantis.
Der Hochton des SAVANNA ist moderat entspannter in den mittleren Höhen und im oberen Hochton neutral (im Gegensatz zum NocturnaL In-Ear, der hier eine kleine Betonung besitzt. Somit würde ich die Höhen des Noble Audio In-Ear als noch geringfügig smoother/authentischer als beim Atlantis bezeichnen, wenngleich bei ihm Becken etwas zu schnell ausklingen.

Im Bass wirkt der SAVANNA geringfügig weicher, während die Kontrolle annähernd gleich, mit einem minimalen Vorteil zugunsten des Atlantis, ausfällt, der auch minimal schneller im Tiefton klingt.
Im Mittel- und Hochton besitzt der NocturnaL Audio In-Ear ebenfalls die höhere Detailfülle und Separations-Präzision – hier jedoch mit einem etwas größeren Abstand als im Bassbereich.

Die Bühne des Atlantis ist in meinen Ohren um die Breite von exakt 2,5 Fingern breiter und auch etwas tiefer. Zudem bietet sie die etwas höhere Präzision, was die Instrumentenplatzierung sowie Separation betrifft und staffelt auch genauer.

Westone W4R:
Beide In-Ears besitzen so ziemlich eine gleich stark ausgeprägte Bassbetonung, deren Verlauf ebenfalls sehr ähnlich ist – mit dem Unterschied, dass der Atlantis im Tiefbass mehr Pegel besitzt, weswegen er im Gegensatz zum W4R im Tiefton nicht so Midbass-fokussiert erscheint.
Tiefreichende elektronische und klassische Musik klingt mit dem Atlantis dementsprechend druckvoller, während sehr viele Stücke aus dem Bereich Pop, teilweise Jazz, Instrumental und Rock bei beiden In-Ears zumindest im Tiefton ziemlich gleich wiedergegeben werden (der W4R besitzt ganz geringfügig mehr Fülle in den unteren Mitten).
Das Timbre im Mittelton ist bei beiden In-Ears ähnlich, doch ist der W4R aufgrund seiner Senke um 5 kHz in den mittleren Höhen entspannter und zurückhaltender klingend – zu dem Ausmaß, dass er manchmal zu entspannt und kaschierend erscheinen kann.
Im oberen Hochton ist der NocturnaL In-Ear etwas heller abgestimmt.
Insgesamt ist der Atlantis der im Hochton authentischere und gleichmäßiger klingende In-Ear – nicht, dass der Westone hier scharfe Peaks besäße, denn das tut er nicht, doch seine 5 kHz Senke ist doch recht merklich präsent.

Was den Bassbereich betrifft, sind beide In-Ears in Sachen Auflösung, Geschwindigkeit, Kontrolle und Textur sehr gut vergleichbar und auf Augenhöhe, mit einem ganz geringen Trockenheits-Vorteil für den Atlantis.
Im Mittel- und Hochton hingegen besitzt der NocturnaL Audio In-Ear einen höheren Grad an Detailauflösung als der Westone, den ich als einen der am besten auflösenden universellen Multi-BA In-Ears bis 1000€ ansehe.

Die Bühne des W4R ist noch etwas breiter als die des Atlantis, welcher im Gegensatz zum Westone, der räumlich jedoch flach klingt, jedoch auch ordentlich Tiefgang auf der Z-Achse bietet. Die Instrumententrennung des Atlantis ist nochmal ein wenig genauer als die des in dieser Kategorie bereits sehr guten Westone.

Ultimate Ears Reference Monitors:
Die UERM besitzen den flacheren, neutraleren Bassbereich. Im Stimmbereich ist das Timbre der beiden In-Ears sehr ähnlich – der Atlantis besitzt einzig den etwas wärmeren unteren Mittelton.
Im Hochton sind sich beide In-Ears abgesehen von den oberen Höhen, in denen die Ultimate Ears Reference Monitors durch ihren Peak schärfer und spitzer klingen, sehr ähnlich. Der (insbesondere obere) Hochton des Atlantis ist dementsprechend etwas realistischer/authentischer, während die UERM mehr Glitzern mitbringen.

Was den Bassbereich/Tiefton betrifft, sind beide In-Ears in Sachen Auflösung, Trockenheit, Geschwindigkeit, Kontrolle und Textur sehr gut vergleichbar und absolut auf Augenhöhe.
Anders sieht es hingegen im Mittel- und Hochton aus, denn hier gelingt es dem Quad-Driver von NocturnaL Audio doch tatsächlich, noch etwas mehr Detailauflösung zu bieten und er übertrifft somit in diesen beiden Bereichen meine UERM, was ihn zum ersten In-Ear in meinem Inventar macht, dem es gelingt, die allgemeine Auflösung der UERM bei einem geringeren Preis noch etwas zu überbieten (dem FLC8s gelang dies zwar als erstem In-Ear in meinem Inventar, jedoch ausschließlich im Mittelton, während die UERM in den Höhen und Tiefen noch immer einen hörbaren Vorsprung zum FLC Technology In-Ear besitzen). Chapeau.

Die Bühne der UERM ist, je nach Aufnahme, nochmal etwas größer in meinen Ohren, jedoch nicht deutlich. Die Ortung von Instrumenten erfolgt bei beiden In-Ears ähnlich präzise, mit einem geringen Vorsprung für den NocturnaL, während dieser in Sachen Instrumententrennung den UERM nochmal etwas überlegen ist und den präziser abgegrenzten „leeren“ Raum zwischen einzelnen tonalen Elementen und Instrumenten abbildet.


Fazit:

Zu einem mehr als fairen Preis bietet NocturnaL Audio den Quad-BA In-Ear Atlantis mit maßgefertigtem und individualisierbarem universellem Gehäuse an.
Die technische Performance ist für das Geld, das NocturnaL für den In-Ear verlangt, mehr als erhaben und übertrifft größtenteils sogar das Detail-Level meiner Ultimate Ears Reference Monitors.
Von Flaggschiff-Performance ohne ein Flaggschiff-Preisschild darf hier also zu Recht gesprochen werden.
Vor dem technischen Niveau des Atlantis, insbesondere in dieser Nischen-Preisklasse zwischen 500 und 1000€/$, ziehe ich meinen imaginären Hut. Chapeau.

Der Bassbereich könnte zwar ein wenig detaillierter sein, was aber einzig daran liegt, dass der Mittel- und Hochton des Atlantis noch höher auflösen – separiert betrachtet ist der Tiefton nämlich in Sachen Qualität auf UERM-Niveau.


Tonal präsentiert sich der In-Ear auch gefällig und ausgewogen, mit einer angenehm dosierten Menge an druckvollem Bass und Wärme bei tieferen Stimmen, einhergehend mit einer dreidimensionalen und präzisen Bühnendarstellung.

Der einzige wirkliche Makel des In-Ears ist das Alu-Case (beziehungsweise dessen Verschluss), das (/der) hochwertiger sein könnte. Ansonsten gibt es bei diesem Quad-Driver des Herstellers aus Singapur kaum Anlass zu Kritik.